Projektlernen im digitalen Zeitalter

And now for something completely different – kurz und niedrigschwelligst :

Für eine Zeitschrift für Schulverwaltung war ich aufgefordert einen Artikel zum (Projekt-) Lernen im digitalen Zeitalter zu schreiben. Und obwohl für die Zeitschrift ein ziemlich langer Artikel, für mich das bisher kürzeste Werk mit Rundumschlag von Big Picture bis zum operativen Geschäft. Und noch viel besser: Ich habe mich sehr bemüht, möglichst verständlich zu schreiben.
Erschienen ist der Artikel hier unter folgendem Titel/Untertitel:
Wie können die digitalen Medien Projektlernen unterstützen? Die Idee, die ditgitalen Medien könnten Lehrerarbeitszeit einsparen, ist nicht nur naiv, sondern gefährlich, in: Schulverwaltung. Fachzeitschrift für Schulentwicklung und Schulmanagement Niedersachsen 5.2019, S. 134-138
Und so war er ursprünglich getitelt (Inhalt derselbe):

Vom Unterrichten zum Lernen-Lernen-Anleiten

Was die Epoche der Digitalität von der Bildung fordert und wie das Digitale hilft, diese Erfordernisse umzusetzen

Historische Wandlungen

Ebenso wie die Art und Weise des Lernens sind die Lerngegenstände („Inhalte“) im Laufe der Menschheitsgeschichte keineswegs immer gleich gewesen. Im Gegenteil, das, was gelernt werden musste, änderte sich nicht nur langsam und unmerklich mit den Jahren, sondern manchmal auch abrupt und ganz grundsätzlich infolge eines Epochenwandels. Steht z.B. in traditionellen religiös begründeten Gesellschaften in erster Linie das Lernen göttlicher Gebote im Zentrum, so wird das als relevant angesehene Wissen in Gesellschaften, die der Aufklärung verpflichtet sind, eher an der wissenschaftlichen Erkenntnis der Welt orientiert. Solche auch Paradigmenwechsel genannten qualitativen historischen Sprünge gehen immer mit heftigen politischen und sozialen Kämpfen einher, manchmal sind sie nie ganz zu Ende gefochten, wie z.B. die andauernden Auseinandersetzungen um „Intelligent Design“ vs Evolution im Bildungswesen des sogenannten Bible Belt der USA zeigen.

Auch die Art und Weise des Lernens, d.h. die Vorstellung davon, „wie es funktioniert“ und welche strukturellen Bedingungen dafür nötig sind, haben sich nicht nur kontinuierlich quantitativ, sondern an bestimmten historischen Knotenpunkten auch in qualitativen Sprüngen gewandelt, und das nicht isoliert und zufällig, sondern in Ko-Evolution, d.h. sich wechselseitig beeinflussend, mit den ökonomischen und medientechnischen Veränderungen. Beim Übergang von der mittelalterlichen Feudalgesellschaft in die Moderne etwa wurde infolge der Erfindung des Buchdrucks Wissen statt des bisherigen Glaubens die zentrale Bezugsgröße, die das Lernen bestimmte. Das hieß, dass man weniger wie bisher nachzusprechen und auswendig zu lernen hatte, was der Lehrer vorsprach, als vielmehr zu verstehen, d.h. nachzuvollziehen hatte, was die Wissenschaften herausgefunden hatten. Das Lehrbuch entstand als Unterrichts-Mittel. Nur damit und mit der Einführung der allgemeinbildenden Pflichtschule für alle, konnten seit dem späten 19. Jh. ganze Nationen alphabetisiert und in den Grundrechenarten geschult werden, damit ihre Mitglieder sich das in den Büchern erklärte Allgemeinwissen lesend aneignen konnten.

Die Bedeutung von Wissen und Lernen heute

Mit der Digitalisierung aller Bereiche der Gesellschaft seit der Wende ins 21. Jahrhundert haben sich die gesellschaftlichen Anforderungen an und die Vorstellungen von Wissen und Lernen noch einmal grundsätzlich verändert. Wissen bedeutet nicht mehr das, was in den Büchern steht, sondern was der Einzelne in Zusammenarbeit mit anderen daraus machen kann. Die Lernvorstellung ist nicht mehr, dass bereits fertig vorliegendes Wissen „angeeignet“ wird, sondern dass jeder Einzelne sein Wissen aus Vorgefundenem mit eigener Bedeutung versieht und dabei neu kombiniert und „konstruiert“. Wichtig dabei ist, dass dies keine subjektivistische Erfindung sein darf, sondern im Austausch mit Anderen, mit der Gesellschaft objektivierbar sein und einer Plausibilitätskontrolle standhalten muss. Damit ist ein weiterer historischer Schritt in der Vorstellung von Selbstständigkeit und Mündigkeit getan, d.h. in die Unabhängigkeit der Menschen nicht nur von religiösen, sondern von Autoritäten überhaupt. Und eine gesteigerte Mündigkeit und Urteilskraft Aller ist angesichts der unglaublichen Masse von Informationen und Fehlinformationen, zu denen jede(r) über das Internet permanent Zugang hat, und die nicht gefiltert, also nach richtig und falsch, gut und schlecht sortiert sind, auch dringend nötig. Die Welt sieht anders aus als gestern, und darum brauchen die Menschen anderes Wissen und andere Fähigkeiten. Die Welt ist komplexer und komplizierter geworden, daran müssen sich die Fähigkeiten der Menschen durch gesteigerte Komplexität anpassen.

Wie kommen wir dahin?

Aber mit dem formulierten Anspruch bzw. der Vorstellung davon, was sein sollte oder sein könnte, ist es natürlich nicht getan. Bei Begriffen wie Kritisches Denken, Kollaboration, Komplexität und Ambiguitätstoleranz zu nicken, reicht nicht. Als Lehrer*innen müssen wir natürlich auch genauer wissen, was das ist, wie man es macht, und noch schwieriger: wie man es lernt und demzufolge lehrt.
Grundsätzlich hat die Art und Weise, wie man etwas lernt, mit dem Gegenstand des Lernens zu tun. Wenn es nur darum geht, Lehrsätze im Gedächtnis zu behalten, ist Nachsprechen und Auswendiglernen die richtige Strategie. Und für jede Verhaltensweise, jede Tätigkeit – sei es eine Denkoperation, eine Alltagsroutine oder die Anwendung einer Forschungsmethode – und für jede Einstellung bzw. Haltung – sei es Gehorsam, Skepsis oder Einfühlsamkeit – gilt fast immer auch: man lernt sie, indem man sie an sich selbst erfährt, sich bewusst macht, was es ist, und sie in der Praxis trainiert. Kritisches Denken beispielsweise wird demnach gelernt, indem man es tut und reflektiert, was man da tut.

Zum Glück muss nicht alles neu erfunden werden. Denn die Idee, mit welcher Art von Lernprozessgestaltung die größtmögliche Selbstständigkeit der Lernenden unter gleichzeitiger Berücksichtigung anderer Perspektiven und in Zusammenarbeit mit Anderen zu erreichen ist, gibt es schon seit Erfindung der allgemeinbildenden Pflichtschule als Alternative zum Belehrungs-Unterricht. Es ist das Projekt- und problemorientierte Lernen nach John Dewey. Es ist weder ein bloßes Konzept „vom grünen Tisch“ noch eine Wunsch-Vorstellung, sondern es hat sich schon vielfach in der Praxis bewährt. Nur, dass diese Methode nicht so selbstverständlich zur Unterrichtsorganisation der herkömmlichen Regelschule passt, und daher bisher immer nur Ausnahmefall ist. Diese Lernmethode ist nun bestens geeignet, um den Anforderungen der Bildung im digitalen Zeitalter zu genügen – jetzt als Hauptlern- und Unterrichtsmethode.

Was ist und wie geht Projektlernen?

Prinzipien des Projektlernens
Projektlernen fußt anstatt auf Fachsystematik und Gegenstandslogik in erster Linie auf den Fragen der Schülerinnen und Schüler an einen Lerngegenstand und organisiert den Lernprozess daran. Häufig wird eingewandt, jene könnten doch noch gar keine sinnvollen Fragen stellen, da sie noch nichts über die Sache gelernt hätten, man müsste erst einmal die „Grundlagen“ erarbeiten. Das ist jedoch ein Missverständnis. Denn jeder Mensch, wie jung auch immer, hat Fragen, ernsthafte Fragen angesichts eines Gegenstands, die seine Lernbegierde antreiben. Und in die Schule kommt kein Kind, das nicht schon eine Sozialisation hinter sich hat, in der eine Menge Fragen entstanden sind. Für viele Gegenstände haben Kinder und Jugendliche schon Vorwissen, mit dem im Unterricht gearbeitet werden muss. Selbst dann und erst Recht dann, wenn der Lehrer es für falsches Wissen hält. In den Fragen zeigt sich die Beziehung des Menschen zum Gegenstand. Darauf kommt es bei der sogenannten Motivation an. Wenn keine Beziehung zwischen den beiden entsteht, wird kaum etwas gelernt, selbst unter Zwang nur schlecht. Der Lehrer und die Lehrerin sind also eine Art Beziehungsstifter. Aber nicht Motivation oder Sinn kann gegeben, verordnet oder gestiftet werden, jedoch die Möglichkeiten der Beziehungsaufnahme. Wie die Beziehung dann genau aussieht – das ist jeweils Sache der Beziehungspartner, der Lernenden mit ihrem Gegenstand. Und sie können sehr individuell sein. Lehrerinnen und Lehrer müssen also lernen, die entscheidenden Beziehungsfragen dafür aus ihren Schülern herauszukitzeln und sie dann auf ihrer Entdeckungsreise professionell zu begleiten.
Auch die Ergebnisse, die bei diesem Lernen entstehen, werden erwartungsgemäß individuell verschieden sein. Konsequenterweise sind in einem Projektlernprozess daher nicht wie im herkömmlichen Unterricht einzelne Inhalte und genaue Ergebnisse für alle gleich vorgegeben (zB.: Schüler nennen die Zeitabschnitte Altsteinzeit, Jungsteinzeit, frühe Hochkulturen und Antike und ordnen sie chronologisch), sondern ein genügend komplexer Gegenstand, um daran vielfältige Fragen und Probleme individuell, ergebnisoffen und in Zusammenarbeit mit anderen zu erforschen und die eigenen Ergebnisse in der Gesamtgruppe (und später möglicherweise einer Schul- oder sogar außerschulischen Öffentlichkeit) zur Diskussion vorzustellen.

Veränderte Lehrerrolle
Um zu befriedigenden Ergebnissen zu kommen, brauchen die Schüler durch den Lehrer eine sinnvolle Prozess-Organisation, die laufend an das Geschehen angepasst werden kann; eine geschickte Moderation von Diskussionen in Kleingruppen und Gesamtgruppe, sowie Einzelberatung während der Lernzeiten. Die Lehrkraft ist also eher eine Lernprozessgestalterin als ein „Inhalte“-Vermittler. Sie unterstützt und berät den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler sowohl durch Gespräche über den Gegenstand des Lernens und über die Art und Weise diesen Gegenstand zu lernen, die sie selbst mit Schülerinnen und Schülern führt, als auch mit Gesprächen, die sie unter den Schülern zulässt, anregt und moderiert. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler im Laufe der Zeit nicht nur die Gegenstände selbst, sondern auch, wie man sie lernt und dann, wie man ganz generell selbstständig lernt.

Wofür ist Projektlernen die richtige Methode?
Nicht alles kann man in Projektform lernen, v.a. nicht präzise bezeichnetes kognitives Wissen und bestimmte Fertigkeiten (großes Einmaleins, die englischen Zeitformen), die im systematischen Lehrgang und durch Training erworben werden. Aber fast alles kann man projektartig lernen, denn beim genauen Hinsehen stellen wir fest, dass diese Art von Wissen und die meist instrumentellen Fähigkeiten ja einem jeweils größeren Gegenstand und Ziel untergeordnet sind, im Falle der englischen Zeiten dem korrekten Schreiben und Sprechen (nicht aber dem Verstehen und Verstandenwerden) und im Falle des großen Einmaleins der ständigen Verfügung über Multiplikationsergebnisse ohne elektronischen Rechner (nicht aber der Rechenfähigkeit). Im jeweils übergeordneten Gegenstand und Ziel liegen jedoch meist auch die Motive des Lernens. Daher ist Projektlernen eine Methode, mit der man auch gut an die Bildung von individuellen Lernmotiven herankommt, die so notwendig für ein engagiertes Lernen sind. Trainings- und Lehrgangsepisoden, die sich in einem großen komplexen Projekt durchaus als notwendig oder nützlich ergeben können, können dann immer wieder auf diese Motive zurückgebunden werden: Wir wollten uns z.B. mit gleichaltrigen Schülern in Südamerika via Skype-Gesprächen befreunden (Projekt mit Motiv). Und nun stellen wir fest, dass die Gespräche viel befriedigender ablaufen, wenn wir vorher eine Reihe Spanisch-Vokabeln zum verabredeten Gesprächsthema sammeln und zur Anwendung parat haben (untergeordnetes Training mit untergeordnetem Ziel). So zeigt sich, dass viele traditionelle Praktiken weiterhin bestehenbleiben, jedoch im Kontext eines Projekts neu gerahmt werden und dabei eine neue Bedeutung und einen neuen didaktischen Platz erhalten.

Was sind die Bedingungen der Möglichkeit des Projektlernens?

Schulorganisation
Im Zusammenhang eines Unterrichts in „Fächern“, deren Curricula der Fachsystematik folgen, ist die bunte Stundentafel mit den 45 Minuten-Einheiten entstanden, die einem problemorientierten, oft fächerübergreifenden und immer den Fragen der Lernenden folgenden Arbeiten häufig in die Quere kommt und eine Projektorganisation unmöglich macht. Viele Möglichkeiten der partiellen Umorganisation zeigen sich in Grund- und Sekundarschulen, manchmal werden Fächer zu größeren Einheiten zusammen gefasst (NaWi, Gesellschaftswissenschaften). Für den Anfang der Projektentwicklung in einer Schule reicht bereits eine Organisation in Doppelstunden und die Bereitschaft und Möglichkeit curricularer Zusammenarbeit verschiedener Fächer.

Zusammenarbeit
In der modernen Wissenschaft drängen die komplexen Problemlagen längst zur Überwindung der Fachdisziplinen, und auf wissenschaftlichen Artikeln stehen immer häufiger mehrere Autoren. Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler muss nicht nur erlaubt sein, sondern auch strukturell organisiert werden. Auch die Prüfungsformate müssen sich anpassen. Nicht nur brauchen Schülerinnen und Schüler bei verschiedenen Formen der Zusammenarbeit entsprechende Formen und moderierende Unterstützung, auch die Lehrkräfte arbeiten und lernen viel mehr gemeinsam als bisher. Für Zeiten der gemeinsamen Vor- und Nachbereitung von Unterricht, dem Entwerfen neuer Unterrichtsvorhaben und der Auswertung von Pilotprojekten und Erprobungsphasen muss regelmäßig ausreichend Arbeitszeit vorgesehen werden. Das ist in Zeiten des Lehrermangels sicher eine Herausforderung, aber neue Vorstellungen und neuartige Praxis zu entwickeln braucht Zeit.

Lehrerbildung
Häufig wird etwas Projektlernen genannt, was wenig mit den Prinzipien des Projektlernens zu tun hat. Das ist keine Wunder, denn die Methode John Deweys gehört nicht zur Standardausrüstung in der Lehrerbildung. Spätestens im Referendariat wird traditionell unterrichten gelernt, wie die Regelschule schon immer unterrichtet hat: In Einzelstunden, die aneinandergereiht den Stoff in Einzelthemen aufteilen. Oft ist nicht nur kein Platz – und vermeintlich keine Zeit – dafür, die Fragen der Schüler ins Zentrum des Lernens zu stellen. In der Lehrerausbildung wird auch nicht gelernt, wie man einen solchen Unterricht strukturell anlegt und durchführt. Nur, wenn auch die Lehrerbildung in beiden Phasen Projektlernen als eine wichtige, wenn nicht gar die dominante Lernform ermöglicht und zum Gegenstand macht, können die angehenden Lehrer sie in ihrer Schulpraxis anwenden.

Lehrerarbeitszeit
Die Idee, die digitalen Medien könnten v.a. Lehrerarbeitszeit einsparen, ist nicht nur naiv sondern gefährlich. Sie führt dazu, dass die wichtigsten Komponenten anspruchsvoller Lernprozesse, nämlich ausreichend Dialog über die Lerngegenstände sowie die persönliche Beratung und Betreuung durch wichtige Personen fälschlicherweise für durch Maschinen ersetzbar gehalten werden. Künstliche Intelligenz via Lerntracking und Algorithmen kann jedoch – bisher jedenfalls – nichts weiter als Tests mit richtiger/falscher Lösung korrigieren sowie mittels Lerntracking „Diagnosen“ erstellen und neue Trainingsaufgaben vorlegen. Aber gerade für die immer mehr benötigten anspruchsvollen Kompetenzen, wie kritisches Denken und Urteilskraft, Kreativität und Zusammenarbeit, kann man auf Menschen als Lehrer keineswegs verzichten, denn diese Kompetenzen sind nur durch formellen Lehrgang und stupides Training nicht zu haben. Die Zusammenarbeit mit den Mitschülern muss moderiert und gecoacht werden, wenn sie funktionieren statt frustrieren soll. Und grundsätzlich gilt: Je jünger die Menschen sind, eine desto größere Rolle spielt der menschliche Beziehungsfaktor. Niemand lernt, um dem Algorithmus eine Freude zu machen, aber das häufig unterschätzte starke Lernmotiv, den Lehrer oder die Lehrerin zu mögen und sich an seiner oder ihrer Aufmerksamkeit zu freuen, ist zutiefst menschlich. Da fragt man sich, ob geplante Investitionen in die Entwicklung von „pädagogischer“ KI nicht besser in der Lehrerbildung und der besseren Ausstattung der Schulen mit lebendem Personal angelegt wären.

Wie können die digitalen Medien Projektlernen unterstützen?

Die digitalen Medien haben nicht nur zu einer noch andauernden Transformation der gesamten Gesellschaft und all ihren Subsysteme – Ökonomie, Recht, Politik, Wissenschaft und Bildung – geführt. Sie liefern zugleich die medialen Informations- und Kommunikationsmittel, um in diesen veränderten Verhältnissen zurechtzukommen. Oder anders gesagt: Sie bilden in ihrer spezifisch historischen Medienkonstellation den aktuellen Kommunikationsraum, in dem sich Gesellschaft täglich vollzieht. Selbstverständlich gehört es für aufwachsende Generationen spätestens zur Zweiten Sozialisation (der allgemeinen Schulbildung), sich in diesem Raum gekonnt zu bewegen.
Dabei geht es eben nicht darum, den Unterricht, wie gehabt, mit digitalen statt „analogen“ Mitteln zu servieren – also am Ende der Unterrichtsplanung zu entscheiden, ob mit OHP oder Beamer das Material präsentiert wird, oder hi und da auf Ansage der Lehrkraft auch mal das tablet zum Einsatz kommt. Auch spielen weniger die sogenannten Lern-Apps dabei eine entscheidende Rolle. Sie führen teilweise statt zum Lernen lernen komplexen Wissens wieder in alte, längst überwunden geglaubte behavioristische Konditionierungsformen zurück (Quizze als Informationsaufnahme- und -behalten-Training), oder machen kaum einen Unterschied (Vokabeltrainer, Kopfrechentrainer etc.). Es geht vielmehr darum, im oben beschriebenen Sinne v.a. komplexe Medienformen für Information, Kommunikation, Zusammenarbeit und Präsentation von Schülerarbeiten zu nutzen und ebenso für die Vernetzung und Zusammenarbeit der Lehrer untereinander. Komplexere Medienformen, die gut für die drei Lernkomponenten Interiorisieren, Exteriorisieren und Dialog geeignet sind, sind z.B. Blogs und Wikis, sowie kollektive Schreibprozessoren wie Etherpad und google docs. Zum Aufbau eines Persönlichen Lern-Netzwerks (PLN) für Lehrpersonen eignet sich v.a. Twitter, mit dem die offene Kommunikation über Schule, Stadt, Bundesland und Nation hinaus über verschiedene Aspekte der Arbeit fruchtbarer Austausch gepflegt werden kann. (Beispiel: Hashtags #twitterlehrerzimmer #educhatde #educhat #PBL).

Beispiel eines Projektunterrichts mit digitalen Medien

Im Heft Nr. 5 der Reihe „Globales Lernen“ ist zum Thema Postwachstums-Ökonomie ein Projektlernbeispiel mit digitalen Medien (Blog und Etherpad) beschrieben, das nicht am grünen Tisch erfunden, sondern mit dem Lehrer und seiner Schülergruppe entwickelt und durchgeführt wurde.
In diesem Heft gibt es auch ein paar kurze Kapitel über die Projektprinzipien, die Art und Weise des Unterrichtens, die Lehrerrolle, ein ausführliches Interview mit dem Lehrer mit Tipps und Stolpersteinen, sowie ein Kapitel über eine spezielle Art und Weise mit Blogs in Projekten zu arbeiten. Die Blogs kann man sich im Netz ansehen bzw. für den eigenen Unterricht benutzen.
Diese Art Lernprozesse funktionieren im ganz normalen Fach-Unterricht. Es muss dazu keine spezielle Projektwoche geben. Projektarbeit muss nicht immer fächerübergreifend sein. Das Wichtigste ist die Orientierung an den Projektprinzipien und an den Fragen der Schülerinnen und Schüler.
Lernprozesse nach diesen Prinzipien zu gestalten, funktioniert in allen Schulformen, allen Fächern und allen Jahrgangsstufen. Denn die Voraussetzungen liegen nicht so sehr bei den Schülern, die schon Grundlagenwissen haben müssten, sondern in der angemessenen Art und Weise der Gestaltung der Lernumwelten, die in der Verantwortung des Lehrers liegen. Das Heft kann hier kostenlos als Druckexemplar mit Material-CDR bezogen oder als PDF heruntergeladen werden: https://li.hamburg.de/publikationen/5307326/globales-lernen-postwachstum/

2 Gedanken zu „Projektlernen im digitalen Zeitalter

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