Über Lisa Rosa

Lehrerbildung, Lernen in der Wissensgesellschaft, Digitalität, Kulturhistorische Schule, Dialektik, Systemtheorie, Geschichte und Politik

In aller Kürze: Warum wir eine andere Bildung brauchen und was das bedeutet

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Thesen zur Bildung

  1. Medien sind »Weltbildapparate« (de Kerckhove).
    Sie kanalisieren Wahrnehmung und Denken der Menschen. Dadurch prägen sie Kommunikation bzw. Gesellschaft. Mit den jeweils historisch neuen Medien (Leitmedien) kann die Menschheit ihre aktuellen Probleme so bearbeiten, dass sie auch in Zukunft noch existiert.
  2. Das neue Denken ist vor allem ein Denken, das die höhere Komplexitätsstufe der Gesellschaft reflektieren und bearbeiten kann, um besser an diese Komplexität angepasste Handlungsoptionen zu finden und zu nutzen.
  3. Die aktuellen gesellschaftlich (= menschheitlich) relevanten Überlebens-Probleme sind in zwei Begriffen zu fassen: Klimakatastrophe und ökonomische Gerechtigkeit.
    Auf der naturwissenschaftlichen Ebene wissen wir längst, was auf uns zukommt, wenn es uns nicht bald gelingt, die Transformation der Weltgesellschaft in eine neue Epoche zu bewältigen. In eine Gesellschaft  ohne Ausbeutung unserer Naturumwelt und ohne Ausbeutung der Mehrheit der Menschen durch eine Minderheit.
  4. Das große Problem besteht darin, dass wir auf der gesellschaftlichen Ebene (also Ökonomie, Politik, Staat, Zivilgesellschaft) nicht gut wissen, wie wir das anstellen sollen, denn immer wieder zeigt sich, dass die Verhältnisse dazu tendieren zu bleiben wie sie sind. Eine Möglichkeit oder vielleicht auch nur eine Hoffnung besteht darin, das Lernen, die Bildung der Massen auf eine weltweit neue Stufe zu heben, damit sie an dieser Transformation arbeiten können, anstatt immer wieder die Fehler des alten gesellschaftlichen Betriebssystems zu wiederholen.
  5. Während das 20. Jh. das der Massenalphabetisierung war – alle lernen die Literacy -, muss das 21. Jh. zum Jahrhundert der Massen-Intelligenz werden – alle lernen die Literacy 2. Das bedeutet, dass alle das neue Denken (Komplexitätslogik statt einfacher linearer Logik) lernen, alle kritisches Denken (Argumentieren) lernen, alle lernen, wie man von und mit anderen zusammen lernt, und alle lernen, die digitalen Medien dafür zum größtmöglichen Nutzen einzusetzen. Lernen heißt ab jetzt in erster Linie Lernen um Probleme zu lösen, d.h. ihnen auf den Grund zu gehen, sie zu benennen und strategisch sinnvoll zu bearbeiten.
  6. Entscheidend für erfolgreiches Lernen sind Lernumgebungen, Lernprozesse und Strukturen. Zur Lernumgebung gehören auch Personen, Beziehungen und Kommunikationen, mithin: das ganze System der Bildung.
    Das ganze Bildungs-System muss also umgewälzt werden, um auf die Anforderungen dieser Literacy 2 zu antworten. Und weil es komplex ist – wie alle Systeme – gibt es keinen logischen Anfang, man kann überall anfangen. Aber man muss auch zugleich überall anfangen, denn alles im System ist von allem anderen darin abhängig.
  7. Komplex und kritisch denken lernen kann man nur, indem man es tut und immer wieder tut, bis man es meistert. Dazu muss man an den eigenen – nicht an fremden – Fragen arbeiten. Von Anfang an. Selbststeuerung heißt jedoch nicht, alles alleine zu machen. Im Gegenteil erfordert die Selbststeuerung gerade, dass erkannt wird, wo mit anderen zusammen gedacht, gearbeitet, gelernt werden muss, und wo man Unterstützung bekommt. Auch das ist, was zu lernen ist: Sowohl von den Schüler*innen als auch von den Lehrer*innen.
  8. Die bereits lange und weltweit erfolgreich erprobte Methode des Lernens in großen Gruppen ist das Projektlernen. Projektlernen kann man nur, wenn die Lehrer*innen es selbst praktizieren und für andere, nämlich ihre Schüler*innen die dafür nötigen Bedingungen bereitstellen können. Dazu müssen sie es lernen. Eine Lehrerbildung, die dieses Lernen nicht ins Zentrum stellt, ist nicht zeitgemäß und zukunftsorientiert, sondern bildet für die Vergangenheit aus.
  9. Projektlernen kann man außerordentlich gut mit komplexen digitalen Medien, die zur Vernetzung und Zusammenarbeit mit potenziell der gesamten Menschheit geeignet sind und dazu einladen. Die sozialen Medien sind Organisierungsmaschinen für die Massen. Was – nicht wer da organisiert wird ist die entscheidende Frage.
  10. Ob diese Frage historisch praktisch mit der Auslöschung der Ökosphäre des Planeten oder mit dem Ende der Ausbeutung durch einige wenige beantwortet wird, hängt am Eigentum. Das Eigentum an Kommunikationsinfrastruktur (und social media ist Infrastruktur in diesem Sinne) bestimmt darüber, in wessen Interesse sie genutzt werden kann. Solange diese gesellschaftsformatierende Infrastruktur der Informations- und Kommunikationsmedien Privateigentum einiger weniger bleibt, die damit ihren Reichtum auf Kosten aller anderen generieren, ist eine positive Antwort auf die Frage, welche Zukunft für die Menschheit organisiert wird, unwahrscheinlich.

Hauptlernform Projektlernen. Wie geht das?

  1. Prinzipien

Projektlernen ist eine ziemlich ausgebuffte Lernform, die alles andere als voraussetzungslos funktioniert.

Unter Voraussetzungen verstehen Lehrer*innen häufig v.a. solche, die auf Schülerseite vermutet werden: Die Schüler*innen müssten bestimmte Dinge schon (von woher eigentlich?) „mitbringen“, damit bei ihnen Projektlernen überhaupt funktioniert, meinen sie. Ich meine hingegen, dass die wichtigen Voraussetzungen ganz woanders liegen und dass man grundsätzlich mit allen Lernenden – egal welchen Alters und egal welcher Vorerfahrung – Projektlernen durchführen kann. Die Projekte und ihre Ergebnisse sehen natürlich entsprechend den unterschiedlichen Lerngruppen dann ganz verschieden aus. Moment: Nicht ganz! Ich muss genauer werden. Weiterlesen

Projektlernen im digitalen Zeitalter

And now for something completely different – kurz und niedrigschwelligst :

Für eine Zeitschrift für Schulverwaltung war ich aufgefordert einen Artikel zum (Projekt-) Lernen im digitalen Zeitalter zu schreiben. Und obwohl für die Zeitschrift ein ziemlich langer Artikel, für mich das bisher kürzeste Werk mit Rundumschlag von Big Picture bis zum operativen Geschäft. Und noch viel besser: Ich habe mich sehr bemüht, möglichst verständlich zu schreiben.
Erschienen ist der Artikel hier unter folgendem Titel/Untertitel:
Wie können die digitalen Medien Projektlernen unterstützen? Die Idee, die ditgitalen Medien könnten Lehrerarbeitszeit einsparen, ist nicht nur naiv, sondern gefährlich, in: Schulverwaltung. Fachzeitschrift für Schulentwicklung und Schulmanagement Niedersachsen 5.2019, S. 134-138
Und so war er ursprünglich getitelt (Inhalt derselbe):

Vom Unterrichten zum Lernen-Lernen-Anleiten

Was die Epoche der Digitalität von der Bildung fordert und wie das Digitale hilft, diese Erfordernisse umzusetzen

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Alt-Right oder Greta?

Vorwarnung:
Manche schreiben Bücher. Manchmal sind die kürzer, manchmal länger. Ich kenne welche, die schreiben 800 Seiten-Bücher. Ich schreibe Aufsätze und Vorträge. Die sind oft sehr lang. Das liegt daran, dass ich immer versuche, ein Big Picture zusammenzusetzen und dafür Argumente bzw. Konkretionen zu liefern, denn sonst ist das Big Picture nur eine beliebige Behauptung.
Inzwischen werden überall Lesedauern angegeben. Ich gebe an: mindestens 1 Stunde, wahrscheinlich mehr. Aber die gute Botschaft ist: Wenn man es als mein derzeitiges Buch ansieht, ist es außerordentlich kurz, und man kann es locker zwischen Büroschluss und Tagesschau durchlesen und trotzdem noch am Abendbrot teilnehmen.
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Lernen anleiten im digitalen Zeitalter. Verstehen und praktizieren

Am Titel ist zu sehen, dass ich bewusst das Wort Unterricht vermeide. Ich halte es für günstig, die Tätigkeit der Lehrkräfte in Schule von diesem Begriff zu entkoppeln und erst einmal wieder ganz weit zu formulieren: Wir leiten etwas an. Wie, ist damit noch nicht gesagt. Aber deutlich gesagt ist, was wir anleiten: Lernen. Und damit wird der Fokus auf die Tätigkeit derer gelegt, für die wir da sein sollen: die Schülerinnen und Schüler.
Ich sage auch nicht „digitales Lernen“ oder „digitale Schule“, weil Lernen und Schule nicht digital sein können. Aber ich sage digitales Zeitalter, weil ich denke, dass die Digitalität das entscheidende Merkmal der ganzen Epoche ist, in die wir hineinwachsen.
Und zum Untertitel: Ich denke, dass unsere Praxis, die Art und Weise, wie wir Lernen anleiten, auf unser Verständnis davon verweist, wie Lernen geht, was und wie Schüler sind und welches unsere Rolle als Lehrkräfte dabei ist. Und da an der gesellschaftlichen Praxis insgesamt (vor allem außerhalb der Schule) einiges im Umbruch ist, muss sich auch unser pädagogisches Verständnis verändern. Deshalb erst etwas zum neuen Verständnis und dann ein Teil zur neuen Praxis. Weiterlesen

Komplexitätstheorie für Lehrer

Ja klar auch für Lehrerinnen. Aber hier geht‘s nicht ums Geschlecht oder darum, dass beide Geschlechter gemeint sind. Es geht auch nicht um die „Sichtbarmachung“, dass es auch Lehrerinnen gibt, oder besser gesagt, sogar vornehmlich weibliche Personen Lehrer (nicht aber Hochschullehrer) sind. Es geht hier überhaupt nicht in erster Linie um die Personen, sondern um die Funktion, die sie erfüllen. Und diese Funktion ist: Lehrersein.

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Grenzen ziehen, wahren und überwinden. Bildung als Arbeit im Grenzgebiet

Vortrag in der Neuen Philanthropischen Gesellschaft im Rahmen der Veranstaltungsreihe 2017/18 „Grenzen – über ein bedrohtes Grundprinzip des Lebens“

Kingofears, Laufgitter, CC BY-SA 3.0

Grenzen ziehen, wahren und überwinden. Bildung als Arbeit im Grenzgebiet – das ist der Titel meines Vortrags.
Sie hören schon, es gibt gleich eine Menge gedanklich zu tun. Ich hoffe, Sie lassen mich dabei nicht im Stich, und es gelingt mir, Sie in den Gedankengang hinein zu verwickeln. Ich bedanke mich schon im Voraus für Ihre Geduld.
Einiges an meinen Gedanken wird Ihnen vielleicht ungewöhnlich erscheinen, manches irritieren und zum Widerspruch reizen. Das soll auch gerne so sein. Widersprechen Sie! Weiterlesen