Lernen zu lehren im Internetzeitalter

(für den Workshop „Lernen zu Lehren (sic) – Was gehört zu einer Medien-Grundbildung für Pädagog_innen? auf der GEW-Tagung an der Uni Mainz 19./20. September 14)

GEW MainzDies ist eine visuelle Repräsentation des Web-Verkehrs eines Erdentages, genau am 23. Nov. 2003. Wir sehen eine Abbildung von Kommunikationsvorgängen, wir sehen ein Stillbild des ununterbrochenen Gesprächs, das Gesellschaft bzw. „die Kultur“ konstituiert. Wir „sehen“ Gesellschaft.

Die Teilnahme am Gespräch unserer Weltgesellschaft ist möglich für jeden, der 1. einen Zugang zu dem Medium hat, in dem dieses Gewebe (www) stattfindet, zum Internet. Und der 2. die Fähigkeiten besitzt, diesen Zugang angemessen zu nutzen. Damit wäre auch schon die allgemeinste Forderung an eine „Mediengrundbildung“ genannt, nämlich diese beiden Voraussetzungen zu liefern.
Den Zugang zum Weltgespräch erhält man mit einem Gerät (genannt Computer mit Internetanschluss) und über eine Medienform (genannt tool oder Instrument.) Hier links sehen Sie eine Auswahl solcher „Konversations-Instrumente“:

Mediensozialisation1Wir haben in unserer Gruppe mit den roten Punkten abgefragt, wie wir diese Informations- und Kommunikationsmedienformen derzeit nutzen, und es stellte sich heraus, dass wir – obwohl wir Lehrende oder im Bildungsbereich Beschäftigte sind – diese Medien kaum zum Lernen und Lehren nutzen.
Die meisten werden zumindest ahnen, dass das aber möglich ist. Und ich behaupte, dass man in Zukunft Analphabet des 21. Jh. ist, wenn man dazu nicht in der Lage ist.

Aber warum machen die meisten nur „Privatkram“ mit diesen Medienformen?

Wir legen den Punkten mal eine andere Matrix zugrunde:

Mediensozialisation2Jetzt möchten wir schleunigst die Punkte umkleben, denn mit diesen Medienformen haben wir Lernen gelernt und gelernt, dass man damit lernt und lehrt. Das ist unsere Kultursozialisation / Enkulturation / Bildung … wie auch immer wie es bezeichnen wollen. Und wir wissen auch, dass es bei dieser Bildung beileibe nicht nur darum geht, die Buchstaben zu einem Wort zusammenzuziehen und die Stimme bei einem Punkt als Zeichen des Satzendes zu senken. Wir wissen, dass es um tiefinnerliches Verstehen  geht, was es bedeutet, was wir und wo wir es lesen, und um das Wissen, wie man sich in den verschiedenen Medienformen „benimmt“, welchen „Ton“ man „anschlägt“, egal ob man gerade „spricht“ (produziert, schreibt) oder „hört“ (konsumiert, liest). Auch der Leser kann nicht passiv „konsumieren“ im Sinne eines bloßen Verschluckens von geistiger Nahrung, sondern muss etwas tun mit dem, was er liest, sonst versteht er nicht.

Genauso ist es mit den digitalen Informations- und Kommunikationsmedien auch. Weil wir aber in diesen nicht unsere Enkulturation hatten, müssen wir offenbar eine zweite durchlaufen. Diesmal, weil wir schon erwachsen sind, mehr reflexiv und weniger bloß implizit und unbewusst. Aber trotzdem nicht bloß „rein theoretisch“, sondern auch ganz praktisch und mit viel Übung.

Warum fällt sie so schwer, diese 2. Sozialisation als Lerner und Lehrender?

Weil wir die Personen, die wir sind – mit unseren Ansichten, „Werten“ und Vorstellungen von der Welt und von uns selbst -, in der nicht-digitalen Welt unserer Sozialisation geworden sind. In einer anderen Welt. Die Medien sind nicht leere Hüllen, die mit beliebigen Stoff zu füllen sind. Inhalt und Form waren schon immer siamesische Zwillinge. Sie sind nicht bloß Werkzeuge, die für dieselbe Tätigkeit anstatt der früheren einfach besser funktionieren. Die Tätigkeiten ändern sich stattdessen mit ihnen, und nicht nur das: auch das ganze Gefüge, in das die Tätigkeiten eingebettet sind, verschiebt sich mit ihnen.
Wenn wir also mit den digitalen Medienformen lernen und lehren wollen, dann müssen wir auch Lernen und Lehren neu denken. Und auch das neu denken, was wir Wissen nennen, denn auch das – wie alles – ist abhängig von der Kultur, die wissen will, und von den ihr zugehörigen Medien.

Wenn wir die „neuen Medien“ bloß in die Vorlesung und in den Schulunterricht bringen wollen, und meinen, wir könnten sie nutzen, um dasselbe wie vorher, nur mit anderen Mitteln zu lehren, dann glauben wir auch, man könnte mit dem Ergometer Fahrrad fahren lernen.

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Hier sehen wir gleich, warum das nicht geht. Mit dem Ergometer wird man kein fahrradfahrender Straßen-Verkehrsteilnehmer. Ebensowenig wird man mit einem schönen teuren Lern-Management-System (LMS) auf dem die Stoffreste liegen, die der Schüler sich an- oder reinziehen soll,  auf dem die Abprüfungsaufgaben zum Herunter- und wieder Hinaufladen stehen und mit dem die Schülerleistungen und Noten verwaltet werden, lernen, am (welt-)gesellschaftlichen Verkehr teilzunehmen. Auch nicht mit den schönen teuren „interaktiven“ White Boards (IWB) und den  Mediatheken und ihren schönen teuren didaktisierten Videos. Denn auch ihnen fehlen die entscheidenden Räder, und sie sind ebenso wie das Ergometer im Fitnesscenter am Boden des Klassenraums und des Lehrbuchlernens verankert.

Die 4 K, die nach Andreas Schleicher die Bildung im 21. Jh. ausmachen, sind auf diese Weise kaum zu lernen. Und ich wage die These, dass in Umbruchzeiten die jungen Generationen auch oft deswegen lustlos in ihren Bildungsinstitutionen und renitent gegenüber den Erwachsenen und Lehrern werden, weil sie tiefinnerlich fühlen, dass sie nicht lernen sollen und dürfen, was sie brauchen, um ihre eigene Zukunft zufriedenstellend gestalten zu können.

Folie5Was tun also? Was brauchen wir zum Unterrichten im Digitalzeitalter?

  1. ein angemessenes Verständnis davon, was Computer & Internet für Gesellschaft und Kultur bedeuten;
  2. ein angemessenes Verständnis davon, was Computer & Internet daher für Wissen und Lernen bedeuten; und dann
  3. erst, was Computer & Internet für das Lehren bedeuten.

Darum ist fast immer zu kurz geschlossen, wenn wir nur von der beobachteten Praxis von Jugendlichen mit den digitalen Medien ausgehen. Denn ihre Praxis damit ist geformt durch die Widersprüche, die im Übergang entstehen, in dem einerseits noch das Wissens- und Lernverständnis aus der traditionellen Schulsozialisation zugrundegelegt wird („Leg das Smartphone weg, wir lernen jetzt!“) und ihrer davon abgespaltenen wilden Mediensozialisations-Erfahrung andererseits, die so nicht auf eine reflexive Stufe kommen kann, weil sie in der Nichtlern- und „Privat“-Sphäre verbannt bleibt.

So kommt es oft zu dieser Schließung: Jugendliche sind durch die „Neuen Medien“ sozialisiert und leben in einer „mediatisierten Welt“, also müssten sie doch damit umgehen können! – Wir sehen sie Quatsch damit machen, aber nicht das, was wir Lernen nennen würden. – Also kann man mit dem Zeug nicht lernen! Oder auch: Also müssen wir ihnen beibringen, wie sie damit lernen müssen.

Was mich immer wundert, ist, dass sich die Vertreter des letzten Satzes immer noch selbst von diesem Lernen ausschließen und nur als Lehrende verstehen: Sie selbst müssten also nicht lernen, damit umzugehen, weil es nur die Medien der Jugendlichen sind. Oder sie müssten es allenfalls nur darum (ein wenig) lernen, weil sie es den Jugendlichen dann besser beibringen können. Oder eben: Sie müssten nicht lernen, damit zu lernen, weil man eh nicht damit lernen kann. (Das ist dann noch nicht mal der Ergometer.)

Als Mensch (und dann selbstverständlich auch als Pädagoge) möchte ich aber an der Jetztzeit teilnehmen, in der ich lebe, und mich einmischen, weil ich selbst ein Mensch dieser Welt bin. Ich möchte mit dem Internet nicht nur Privatkram und Small Talk kommunizieren oder bei Zalando einkaufen, das ist langweilig. Ich möchte damit lernen und damit Politik machen und so viel wie möglich mitbestimmen, wohin die Geschichte geht.
Dabei habe ich mir folgendes klar gemacht über das neue Verständnis vom Wissen:

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Schon pure Daten sind behaftet mit „Meinungs-„Partikeln – nämlich Vorannahmen, unter denen sie gesammelt und ausgewählt wurden (also von den „Sammel-Instrumenten“). Zu Informationen werden sie erst durch die bewusste Hinzufügung neuer Daten, durch Einbettung in einen Kontext. Wissen wird erst, wenn noch mehr Kontext und wenn Bedeutung hinzu kommt (durch wieder neue Daten.)

Was wir als Schüler und dann erneut als Lehramtsstudenten gelernt haben, ist, dass es v.a. darauf ankommt, objektives Wissen von subjektiver Meinung zu trennen, damit wir auf der sicheren Seite sind. Das ist heute zu wenig, es ist vom heutigen Standpunkt aus gesehen sozusagen der Stammtisch des Lehrerwissens. Wo die „sichere Seite“ ist, steht immer neu zur Debatte. Dabei war alles so schön einfach: Die Autoritäten (der Professor, das Lehrbuch, der „Qualitätsjournalismus“) präsentierten die objektiven „Fakten“. Die galt es, im Kopf zu behalten. Und dann konnte man dazu noch eine eigene Meinung haben. Oder auch nicht. Am dünnsten konnte man das Brett bohren, wenn man der Einfachheit halber vorgab (und selbst dran glaubte), keine Meinung zu haben. Das konnte man dann noch als Pluralismus verkaufen. (Aber so ist es nicht. Man hat immer eine Meinung. Man kennt sie nur oft selbst nicht.)
Die Schule, der „Qualitätsjournalismus“ und andere alte Institutionen der Meinungsbildung tun noch immer so, als könnte diese einfache Sicht noch gelten. Und darauf baut sie ihre Bildung auf.
Aber außerhalb der Schule – und ganz besonders deutlich, seitdem es das Internet gibt – sieht und erlebt man ständig und überall, dass es weder Autoritäten gibt, denen zu trauen ist, noch Wissen, das nicht mit persönlichem Sinn behaftet ist. Und: Man muss dauernd eigene Meinung bilden, denn man muss immerzu Entscheidungen treffen.

Die ehemaligen Autoritäten haben ihren Glanz verloren, seit ihre Entscheidungen über uns offenbar immer schlechter geworden sind. Das ist die Chance der 4 K, und nur die 4 K können mit der Wirklichkeit im 21. Jahrhundert zurecht kommen. Denn Kreativität z.B. heißt nicht, hübsche Bilder im Kunstunterricht zu malen, damit es ein ausgleichendes Hobby nach der anstrengenden Arbeit gibt. Kreativität heißt Erfinden. Z.B. die noch nicht erfundene Lösung des Problems, wie man die Brennstäbe in Fukushima entsorgt ohne durch das Kühlwasser das Meer bis nach Kalifornien rauf zu verseuchen. Oder ein Betriebssystem für die Wirtschaft, das nicht seine eigenen Betriebsgrundlagen vernichtet.

Kritisches Denken erschöpft sich nicht darin, die Informationen von Wikipedia infrage zu stellen, „weil Wikipedia so unsicher ist“, und lieber zum Buch zu greifen, weil es stattdessen das „gesicherte Wissen“ enthielte. Kritisches Denken muss jetzt jeder selbst lernen, wo man sich auf die (un)kritisch denkende Autorität nicht mehr verlassen kann. Jeder muss selbst so weit denken lernen, dass er seinem eigenen Denken vertrauen und misstrauen kann und sich seine eigenen vertrauten Autoritäten wählen und wieder abwählen kann.

Damit Wissen entsteht, muss gelernt werden. Aber was ist Lernen, wenn Wissen erst entsteht durch die Hinzufügung von Bedeutung zu Informationen? Es kann sich nicht erschöpfen in der Vorstellung, dass Informationen „behalten“ werden und auch nicht dadurch, dass immer mehr Informationen „behalten“ werden. Und woher sollen die Bedeutungen kommen, wenn sie nicht mehr vorgegeben werden können? Lernen muss also die Bedeutungen schaffen!
Aber was heißt Lernen dann? Funktioniert Lernen denn nicht immer gleich? Sind wir andere Menschen als früher?

Auf einer ganz allgemeinen Ebene können wir die Komponenten nennen, die immer gelten und unabdingbar sind, damit Lernen funktioniert: Lernen ist Verinnerlichen, Veräußerlichen und Kommunizieren:

GEW MainzVerinnerlichen kann ich nur, was ich auch veräußerlicht habe zu dem Zweck, mein eigenes Verständnis einer Sache zu „sehen“, indem ich es mir als Produkt vor Augen führen kann. Jetzt kenne ich meine „Meinung“. Und damit ich nicht auf meiner Meinung (Ansicht, Auffassung) sitzen bleibe, muss ich sie mit anderen austauschen. Vielleicht korrigiere ich sie dann, und verinnerliche ein Update davon. Oder ich habe neue Begründungen und Perspektiven gewonnen. Das Produkt, das aus diesem Austausch hervorgeht, ist kollaborativ entstanden, auch wenn ich es als meines empfinde. Auch ein explizit gemeinsames Verständnis kann entwickelt und erneut zur Diskussion gestellt werden. Dann ist wieder ein Update zur Verinnerlichung möglich. Und so setzt sich der Wissensbildungsprozess unendlich fort und führt zu immer neuem und immer vorläufigem Wissen. Und klar wird: Wissensbildung (Lernen also) ist etwas Soziales. Jemand, der versucht, ausschließlich für sich allein zu lernen, nichts zu teilen und auszutauschen, der lernt auf Dauer nichts.

Dieser Prozess kann unter den Bedingungen des www nicht nur schneller und vielfältiger vonstatten gehen, sondern setzt eben auch die Nutzung einer Vielzahl von digitalen interaktiven Medienformen in einem selbst geschaffenen Netzwerk und Filtersystem voraus, das sich ständig verändert, an dem während man es nutzt ständig auch gebaut wird. Der Begriff Persönliches Lern-Netzwerk (PLN) hat sich dafür mittlerweile etabliert:

Folie9Ich sammle – gefiltert durch mein selbstgewähltes und immer wieder neu gewähltes Netz, indem die Anderen als Knotenpunkte erscheinen – meine Auswahl von Informationen auf dem Hintergrund der von mir begründeten Bedeutungen, die für mich „Sinn machen“. (Auch diese verändern sich.) Ich muss sie mir selbst „aufbereiten“ durch Bearbeitungen verschiedener Art. Ich muss sie außerhalb meines Gehirns speichern, um sie kombinieren zu können und komplexe Gedanken fassen zu können.

Folie10Um all die für mich wertvollen Informationen ablegen zu können, sodass ich sie wiederfinde, ist beispielsweise ein Social Bookmarking-System eines der wichtigsten Medienformen. Hier kann ich mit einem Klick unter tausenden Aufsätzen, Bildern, Videos, dasjenige wiederfinden, wovon meine Erinnerung gerade sagte, dass es da etwas gibt, was ich früher mal kennenlernte. Z.B. erinnere ich mich daran, dass es einen interessanten Text mit der These gibt, dass soetwas wie Lerntypen nicht existiert. Bloß habe ich den Autor, den Titel und den Ort vergessen, wo ich diesen Text gefunden hatte. Macht nichts. Ich gebe „lerntypen“ als Stichwort in meine Sammlung ein, und der kostbare Text steht zur Verfügung. Diese Ablage nach selbstbestimmten Tags ist eine der wertvollsten Erfindungen des Internetzeitalters zur Wissensbildung.
Ich kann außerdem zu jedem Titel Inhaltsangaben oder Kommentare machen, damit ich auch noch Jahre später weiß, was der Titel hergibt und warum er mir damals so wertvoll erschien. Dann muss ich nicht jeden Titel zum Thema öffnen, wo ich doch nur einen ganz bestimmten Gedanken suche.

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Auch meine Textbearbeitungen – Markierungen und Annotationen – bleiben dabei erhalten und ich kann neue hinzufügen.
Das ist für mich. Ich kann außerdem Gruppen bilden. Kollegen teilen z.B. unter dem Begriff „Postwachstumsökonomie“ alles, was sie dazu bemerkenswertes finden. Und sie teilen dabei auch ihre Bearbeitungen dieser Materialien. Wenn ich ganz offen im Netz arbeite, kann jeder meine Bookmarks durchstöbern und von meiner Sammlung profitieren, der meinen Account in seinem Browser aufruft. Und ich selbst habe eine wertvolle Ressource für meine Themen, wenn ich andere Sammler durchflöhe.

Ist es bei diesen Möglichkeiten ein Wunder, wenn ich mir in der Regel nicht mehr die Mühe mache, in der Staatsbibliothek nach Wissen zu suchen? Warum sollte ich noch die Verlagsprospekte durchblättern oder als Newsletter lesen und wertvolle Zeit verschwenden, wenn ich an deren Informationssammlungen sowieso nur rankomme, wenn ich dann erst mal eine der Publikationen kaufe?

Folie12Folie13Zu sehen ist bei all diesen Medienformen, mit denen ich mein PLN betreibe: Die meisten bedienen alle drei Aspekte des Lernprozesses: Interiorisieren, Exteriorisieren und Kommunizieren. Niemand benutzt alle oder alle im gleichen Maße. Im nächsten Jahr gibt es neue. Viele davon brauche ich nicht, oder finde sie nicht einmal wert, sie zu testen. Neulich erst habe ich mir einen Pinterest-account zugelegt, aber nur, damit ich sehen kann, was Jim aus Amsterdam so sammelt, weil sein Denken mich interessiert, seitdem ich ausführliche Gespräche über die Ablenkung beim Lernen durch Mobiles mit ihm hatte. Bei Pinterest fand ich dann zufällig etwas anderes Wertvolles von jemandem, den ich vorher nicht kannte …

Mancher bekommt jetzt die Krise, weil das alles so messy, so overload, so unübersichtlich und überkomplex ist, und weil es wahnsinnig viel Zeit kostet, sich darauf einzulassen und es wachsen zu lassen.

Ja, das ist es. Aber kann das heißen, dass wir es lassen sollen? Ich finde das Lernen mit meinem PLN so viel fruchtbarer als früher ohne, es spielt sozusagen in einer ganz anderen Liga. Will ich es lassen? Wofür will ich Zeit ausgeben, wenn nicht zum Lernen? Als Pädagoge? Warum haben ausgerechnet Lehrer keine Zeit zum Lernen? Neulich wurde ich gebeten, einen Text von 50 Seiten auf die Hälfte zu kürzen und zu vereinfachen, weil er für Lehrer sei, die keine Zeit zum Lesen hätten und es auch inzwischen nicht mehr gewohnt seien, komplexere Texte zu verstehen.

Ist das ok so? Und wollen wir das so lassen?

Wenn die Bezeichnung „Lernkultur“ für die neue Epoche von Erdmann und Rückriem zutrifft, wenn die 4K von Andreas Schleicher den Kern der Sache treffen (und ich bin von beidem überzeugt), dann kann es nicht heißen, die neoliberale Vorstellung von Effizienz zu verfolgen und die Tätigkeiten der verfügbaren Lernzeit anzupassen (viel Stoff in wenig Zeit von vielen Schülern büffeln zu lassen). Dann kann es nur umgekehrt heißen, Zeit zu reservieren für wissensbildendes 4K- Lernen, und davon immer mehr. Dafür, zu lernen, ein eigenes PLN zu bauen, zu pflegen und fleißig zu nutzen. Und für Lehrer zusätzlich, dann auch noch zu erfinden, zu experimentieren und zu erproben, wie man im Laufe der Schulsozialisation Schülern die Pflege und Benutzung ihrer eigenen PLN anleitet. Das alles liegt so nahe. Und das Lernzeug ist da, im Netz zur freien Verfügung.

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Was wir brauchen, ist Lernzeit für die Wissensgesellschaft oder Lernkultur (verstanden als Epoche des Lernens). Lernzeit ist die Hauptressource und könnte der Schlüssel dafür sein, viele dringende Probleme zu lösen. Lernzeit im Überfluss bereitzustellen wäre eine großartige Investition.

5 Gedanken zu „Lernen zu lehren im Internetzeitalter

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