Projektlernen heißt, an den eigenen Fragen zu arbeiten.

„Individuelles Lernen heißt nicht, jeder lernt Dasselbe allein, sondern alle lernen gemeinsam Verschiedenes.“

Diesen Satz haben wir – Max v. Redecker und ich – auf die Rückseite unserer Lehrerhandreichung geschrieben, die gerade beim Drucker bei mir im Büro liegt. Wir finden den Satz deswegen so wichtig, weil so viele LehrerInnen mit einem Modell von Individualisiertem Unterricht arbeiten, das den SchülerInnen nur das Tempo, die Art & Weise und das Anforderungsniveau des Lernens in die eigene Verfügung stellt. „Herauskommen“ muss „hinten“ aber dann doch dasselbe, was für alle SchülerInnen als Output (früher Lernziel genannt) vorgegeben ist. Das heißt dann aber doch: Alle SchülerInnen lernen dasselbe – nur eben nicht mehr zur gleichen Zeit und vielleicht nicht auf dieselbe Art und Weise und in derselben Reihenfolge. Aber am Ende des Schulhalbjahres müssen sie doch auf dem gleichen Stand(ard) angekommen sein und Dasselbe wissen. Weiterlesen

Collaboration is it!

Danke Theo Byland für dies und den Fingerzeig zu Tim Krumkühlers das , wo es am Ende dieses für mich gab:

Genau: Zusammenarbeit ist das Hauptmerkmal des Lernens im 21. Jahrhundert, und es wird auch das Hauptmerkmal des Lernens in Schule werden, wenn Schule (wieder) funktionieren soll. Und ohne Internet ist Zusammenarbeit wie Party im Schneckenhaus des Einsiedlerkrebses.

Die Wahrscheinlichkeit für engagiertes Lernen erhöhen

Dass Lernen eine Funktion von Selbststeuerungsprozessen psychischer und sozialer Systeme ist, könnten Lehrer seit Dieter Lenzens Luhmann-Band Niklas Luhmann, Schriften zur Pädagogik wissen. Aber auch aus der eigenen Praxis und ohne die Systemtheorie zu bemühen, „wissen“ langjährig praktizierende Lehrer tief innerlich, dass SchülerInnen durch nichts gezwungen werden können, bestimmte Dinge zu lernen, und dass sie, selbst wenn sie bereitwillig lernen, am Ende nicht unbedingt das gelernt haben werden, was die LehrInnen gewünscht hatten, sondern „ihr eigenes Ding draus gemacht haben“. Dass genau das gelernt wird, was die Lehrperson möchte, ist in manchem sogar eher unwahrscheinlich. Nichts anderes ist mit der Selbststeuerung gemeint. Tests und Klassenarbeiten fragen eigentlich nur ab, ob der Schüler weiß, was der Lehrer  auf seine Frage hören möchte.

Nirgendwo wird dieser Umstand so bedeutsam und so sichtbar wie im Geschichtsunterricht beim Thema Nationalsozialismus und Holocaust. Oder auch bei anderen ideologisch und politisch besonders aufgeladenen Themen. Ein Schüler sagte mir mal vor vielen Jahren rundheraus: Weiterlesen

Hätte Kant gesurft? – #opco11

fragt die Konferenz der FES morgen in Berlin, die im Untertitel über „Wissen und Bildung im Internetzeitalter“ aufklären möchte. Teilnehmen werden laut Aussage der Veranstalter ca. 200 Akteure des Bildungssystems, vor allem also LehrerInnen und auch zwei Schulklassen.

Ich bin geladen, in einem letzten Panel um 15:00 Empfehlungen zum Thema „Notebook-Klassen für Alle? – Wie sich der Unterricht verändern muss“ auszusprechen und mit Walter Reese-Schäfer, dem Publikum und Christian Stöcker als Moderator zu diskutieren. Weiterlesen

Der Kongress der Pferdekutscher

Ich liebe historische Analogien, sie sind mir als Erkenntnis-Instrument mindestens so viel wert , wie anderen ihre Metaphern.

Nun kam mir anlässlich eines kürzlich durchgeführten Kongresses ein Zitat von  McLuhan in Erinnerung, das ich vor Jahren in einem Aufsatz von Georg Rückriem gelesen und das mich sehr überzeugt hatte:

„Worüber sprach man bei der Konferenz, Marshall?“, fragte ich. „Ach, über die Automation“, war die Antwort. „Weißt du“, sagte er dann, „es war gerade so, als ob die
Pferdekutscher um 1905 eine Versammlung einberufen hätten, um über die gesellschaftlichen Folgen des Automobils zu diskutieren. Ein Professor hält eine sehr gelehrte Vorlesung über die Umschulung von Pferden. Ein anderer legt statistische Unterlagen vor, um nachzuweisen, dass durch das Automobil die Nachfrage nach Pferden und ihren Wert stark steigen werden; man werde ja soviel mehr als bisher brauchen, um Automobile aus dem Graben zu ziehen.“

Peter F. Drucker, in: McLuhan, Marshall (1995):  Die magischen Kanäle. Understanding Media, Basel/Dresden, Verlag der Kunst (Orig. 1964), S. 12 Weiterlesen

Aktualisierung meines Beratungstools PLN/PLE

So ist das bei mir immer: Aktualisierungen von Arbeitsmaterialien kriege ich immer erst dann gebacken, wenn ich sie grade dringend brauche. Irgendwie schaffe ich es nicht, während weniger stressiger Zeiten, alles in Schuss und aktuell zu halten. Aber jetzt gab es wieder einen Anlass, endlich mein Beratungstool zum PLN zu optimieren – natürlich basierend auf den guten Tipps aus meinem PLN – (vielen Dank nochmal):

 

Lernen ist ein selbstorganisierendes System

Auf meiner Laufrunde komme ich an einem Spielplatz in einem Park vorbei und verbringe dort regelmäßig ein paar Minuten mit meinem Dehnprogramm. Dabei konnte ich jetzt schon drei mal eine gleich ablaufende Episode beobachten:

Ein Elternteil ist mit einem Kleinkind auf dem Weg zum Spielplatz. Das Kind bleibt zurück, weil es irgend etwas Interessantes am Boden entdeckt hat. Die Reaktion der Mutter bzw. des Vaters: „Komm weiter, der Spielplatz ist da vorne!“ – oder: „Wir wollen doch auf dem Spielplatz spielen!“ – Einmal fand ein Junge, der den Splitt auf dem Weg zusammenkratzte und davon kleine Häufchen bildete: „Aber ich möchte doch hier noch spielen“, worauf der Vater sagte: „Das ist kein Spielplatz und außerdem ist es schmutzig.“ Ich hatte gedacht, soetwas wäre ausgestorben. Weiterlesen

Berichtigung – Lernen im Leitmedienwechsel

Manchmal, wenn ich – wie häufig – alleine frühstücke, lese ich gedruckte Zeitungen von gestern und vorgestern. Und manchmal passiert es dabei, dass mir auch die kleineren journalistischen Formen wie z.B. die Rubrik „Berichtigung“  zu lesen nicht als Zeitverschwendung erscheint – vorausgesetzt, es ist noch Müsli oder Tee vorhanden, deren Vernichtung mit Lektüre zu begleiten ist.

Ein solcher Fall war heute früh. Ich fand in der TAZ von vorgestern (11. Oktober) auf Seite 15 in der rechten unteren Ecke gedruckt:

BERICHTIGUNG

„Wer selbst bestimmen kann, was er wann hören möchte, versäumt nichts mehr“, schrieb Norbert Bolz über die Vorteile des digitalen Radios. Gewagte These, denn sie setzt erstens voraus, dass man stets das Richtige zum Hören auswählt, also schon vorher weiß, was kommt. Und zweitens, dass die Zeit eines jeden für alles Relevante reicht, was doch sehr zu bezweifeln ist. Nichts zu versäumen – unmöglich.

Oha. Das geht mich an! Wo bitte schrieb Norbert Bolz das, was hier berichtigt wurde? Und was wurde berichtigt? Und wer hat berichtigt? Und bitte: Ist es üblich, dass in einer Berichtigung  auch zum Inhalt des Berichtigten kritisch Stellung genommen wird? Und was sagt der Berichtigte dazu?

Eine Art kognitiver Spannung trieb mich an den Rechner: Kein Problem, das Originalzitat zu finden in der Taz vom Wochenende (die nicht mehr auf dem Küchentisch lag.) Ulkig, dass Bolzens Satz, der da in der Berichtigung zur Berichtigung stand, dem Wortlaut nach gar nicht hätte berichtigt werden müssen, denn er stand ganz genauso auch im Artikel. Aber vielleicht nur online, wo er schließlich nachträglich berichtigt hat werden können? Und vielleicht nicht in der Printausgabe? Wo ist bloß die Printtaz vom Wochenende?  Im Papierkorb leider auch nicht mehr. Aber vier Treppen tiefer, in der Garage im Container – zum Glück noch nicht abgeholt.

Wieder am Küchentisch, leicht nach Luft ringend, blätterte ich in der Wochendendausgabe aufgeregt zum Bolz-Artikel. Ahja, „Radio in Eigenzeit“ auf Seite 16. Interessanter Artikel übrigens. Und das Zitat? Goldrichtig gedruckt, nichts am Wortlaut zu berichtigen.

Merkwürdig: Hat die taz da eine neue (Spaß-)gattung erfunden? Eine Möglichkeit für Redakteure, ihre Meinung zu sagen ohne es gedurft zu haben? Und alle kennen die neue Gattung schon lange, bloß ich noch nicht?

Jedenfalls: „Berichtigt“ wurde ganz offensichtlich kein Druckfehler, sondern Bolzens „gewagte These“, dass, wer selbst bestimmen kann, was er – ich erweitere das mal – aus den Medien zur Kenntnis nehmen möchte, nichts mehr versäume.  Und die Argumente zur Korrektur? Ahja. „das Richtige“ kann man nicht vorher kennen, und „Relevantes“ gibt es immer zu versäumen.

Lieber anonymer Berichtiger, wer auch immer du bist:

Du hast den Bolz leider nicht verstanden. Denn das ist es ja gerade: Ob etwas „Richtig“ ist oder ob etwas „Relevanz“ hat, das entscheidet ja seit Internet zunehmend weniger ein gewählter oder nicht gewählter Volksvertreter, Intendant, Redakteur …, sondern der „Nutzer“, also ich, bzw. alle anderen iche für sich selbst. Und unter diesem Blickwinkel gibt es in der Tat nichts mehr Relevantes zu versäumen (anderes natürlich immer, aber das war schon immer so), im Gegenteil, seit ich meine Zeit im Großen und Ganzen nur noch mit „selbst bestimmter Auswahl“ verbringe, finden mich viel mehr für mich relevante Informationen als früher. Aber du bist sicher nicht bei twitter und liest auch keine blogs, also kann dich meine Antwort gar nicht erreichen, und ich werde nen Teufel tun einen Leserbrief zu schreiben. Da hast du etwas Relevantes versäumt, aber selbst wenn, die Zeit reicht ja eh nicht.

Jetzt warte ich geduldig auf die nächste Montagsausgabe der Printtaz, um folgendes zu klären: Ist diese Sorte „Berichtigung“ ein einmaliger Gag gewesen, oder schon institutionalisierte neue Gattung? Aber vielleicht weiß es ja jemand aus meinem Netz und verrät es mir schon vorher, entweder hier als Kommentar oder bitte bei @lisarosa. Danke!

Lernen und Arbeiten – it’s about living

Für die Subkonferenz re:learn auf der re:publica 2010 habe ich mir folgendes notiert:

Computing is not about computing anymore – it’s  about living

(Nicholas Negroponte)

Eine „neue Lernkultur“ ist also ebenso eine neue Arbeitskultur und weiter noch: eine neue (Lebens-) kultur überhaupt. Mithin geht es nicht um eine Medienkompetenz im engeren Sinne, sondern um Literacy im 21. Jahrhundert, um Lebenskompetenz schlechthin.

Welches sind die Merkmale?

  • statt Klassenraum-Unterricht: Community als Bildungsraum
  • statt bloßer Vermittlung von kanonischem, also bekanntem Wissen die Entwicklung von Kompetenzen zur Generierung von neuem Wissen
  • statt Aufnahme vorgegebener Informationen das Auffinden von persönlich bedeutsamen Informationen
  • statt individueller Verarbeitung von Informationen der Austausch und die kollaborative Verarbeitung von Informationen
  • statt Übernahme feststehender Bedeutungen und Beurteilungen durch Autoritäten die Entwicklung von Kompetenzen zur eigenen Sinnbildung und zur selbständigen Bewertung

Soweit können mir inzwischen viele in meiner Lern- und Arbeits- und Lebensumgebung folgen, auch wenn sie bislang nicht mit Web 2.0-Medien arbeiten. Danach kommt aber immer die Frage:

Was soll ich denn nun für Web 2.0-Tools dafür nutzen und wie?

Auf diese Frage muss ein überzeugender Überblick her mit den wichtigsten Funktionen und Tools zum Ausprobieren, wobei es unbedingt nötig ist, sich nicht in einzelnen tollen Möglichkeiten und den vielen Alternativen von Tools und Anbietern zu verlieren. Es muss ein griffiges Modell her.

Ich bin keine E-learn-2.0-Expertin und konnte mich daher nur auf meine eigenen selbstgestrickten Erfahrungen stützen. Hier ist meine erste grobe Version für die Schnellberatung:

Was fehlt, ist zu verbessern, zu ersetzen, zu ergänzen?

Wo existieren bereits professionelle und trotzdem einfache Modelle?

Kaiserin-Augusta-Schule Köln auf der Didacta 2010 mit „Web 2.0 App’s im Unterricht“

Mit 14 Unterrichts- und Beratungsblogs (Stand März 2010), einem Blog, auf dem die Steuergruppe der Schule kommuniziert, und einem Schulwiki hat die Kaiserin-Augusta-Schule in Köln seit ihrem Web 2.0 – Schulentwicklungstag am 11. 11. 2009 eine phänomenale expansive Entwicklung gemacht. Ihre Erfahrungen präsentiert sie heute auf der Didacta 2010 in Köln.