Lernen ist ein selbstorganisierendes System

Auf meiner Laufrunde komme ich an einem Spielplatz in einem Park vorbei und verbringe dort regelmäßig ein paar Minuten mit meinem Dehnprogramm. Dabei konnte ich jetzt schon drei mal eine gleich ablaufende Episode beobachten:

Ein Elternteil ist mit einem Kleinkind auf dem Weg zum Spielplatz. Das Kind bleibt zurück, weil es irgend etwas Interessantes am Boden entdeckt hat. Die Reaktion der Mutter bzw. des Vaters: „Komm weiter, der Spielplatz ist da vorne!“ – oder: „Wir wollen doch auf dem Spielplatz spielen!“ – Einmal fand ein Junge, der den Splitt auf dem Weg zusammenkratzte und davon kleine Häufchen bildete: „Aber ich möchte doch hier noch spielen“, worauf der Vater sagte: „Das ist kein Spielplatz und außerdem ist es schmutzig.“ Ich hatte gedacht, soetwas wäre ausgestorben. Weiterlesen

Zitate für 2010, Nr. 8

Zur Differenz von „gesellschaftlicher Bedeutung“ und „persönlichem Sinn“:

Die seit der Reformpädagogik transportierte normative Überzeugung, daß Lehrende Moderatoren und nicht Instruktoren von Lernprozessen zu sein haben, findet hier ihre theoretische Begründung: Gemeint ist nicht, daß Lernende „von selber“, also nicht „fremdbestimmt“ auf die bereits feststehende Lösung eines Problems kommen, „sondern daß sie auf ihre Lösung kommen“(1).

Georg Rückriem

(1) Volker Schürmann, Prozeß und Tätigkeit. Zur Spezifik der Tätigkeitstheorie. In: Behindertenpädagogik 47 (2008) 1, S. 9, Kursivierung vom Autor

Interiorisieren & Externalisieren

Kürzlich stellte unser Medienpädagogik-Team den Kollegen in der Fortbildung seine Fortbildungswerkstatt (früher „Trainings“)  für die Lehrer vor. Mich hat sie wirklich sehr überzeugt, und ich wünsche sie möglichst vielen Schulen, denn die Anforderungen sind niedrigschwellig und auch Lehrer, die noch nicht viel mit dem Computer arbeiten (auch nicht für sich selbst) können sich zutrauen, damit im Unterricht erste Erfahrungen zu machen. Die Lehrer lernen, wie sie selbst und anschließend mit den Schülern Netzrecherche üben,  Gefundenes bewerten und anschließend zu einer Präsentation aufbereiten können. Auch eine Geschichte wird erarbeitet und als Hörspiel in einem Podcast präsentiert. Ein schönes Einsteigerprogramm!

In der Diskussion dieses Werkstattmodells hat mich der Einwand einer Kollegin  nachdenklich gemacht:  Sie fragte, ob denn so ein Podcast unbedingt nötig sei. Es wäre vielleicht was für Darstellendes Spiel, aber für andere Fächer …

Abgesehen davon, dass wir älteren Lehrer Lernen viel zu sehr textfixiert betrachten (Schüler lesen, geben schriftlich wieder, hören, geben mündlich wieder …), scheint mir dabei noch ein anderes Problem sichtbar zu werden.

Dass Lernen etwas mit „Verinnerlichen“ von Wissen zu tun hat (Internalisieren), wissen die meisten.  Dass dieses Nachinnennehmen jedoch nicht direkt geht, sondern ein Prozess der Verinnerlichung einer zuvor äußerlichen Tätigkeit ist, das ist schon weniger bekannt.  (Wir können dies nachvollziehen an dem Umstand, dass Lesen lernen zunächst immer laut sprechend vor sich gehen muss, dabei auch noch vom Finger unterstützt, der in der Zeile zeigt, wo es lang geht, anschließend werden nur noch lautlos die Lippen bewegt, bis schließlich vollständig Lesen gelernt ist, indem der Leser erst nur noch innerlich „spricht“, später gar nicht mehr, und weder die Tätigkeit von Lippen noch Fingern nötig ist.)

Vygotskij, auf den diese Erkenntnis zurückgeht, hat jedoch auch noch etwas anderes herausgefunden. Nämlich, dass es zum erfolgreichen Lernen auch noch der Externalisierung bedarf, d.h. des Produzierens von neuen Gegenständen, der kreativen Vergegenständlichung von Wissen. Genauer: Lernprozesse sind ein beständiger Wechsel zwischen Interiorisierung (Verstehen) und Externalisierung (Schöpfungsprozesse der Vergegenständlichung).  Exteriorisierungen können alle Sinne berücksichtigen und jedes mögliche Medium benutzen (alle z.B. in einem Blog).  Die Umformung von kognitivem Wissen  – etwa über den Klimawandel – in ein Hörspiel vergegenständlicht dabei nicht nur das interiorisierte Wissen, sondern verarbeitet es in neuen Kontexten mit Urteilen und Einstellungen zu wirklich neuem Wissen.

Wichtig scheint mir außerdem dabei zu sein: Dieses neue Produkt – sei es ein selbst geschriebener Essay („Besinnungsaufsatz“) , eine Theaterszene, ein kleines Video oder eben ein Podcast – ist nicht das „Endprodukt“, sondern kann wieder zur Diskussion gestellt werden. Dem Produktionsteam, der Klasse, den Eltern auf dem Elternabend, der ganzen Schule oder sogar der außerschulischen Öffentlichkeit. Es befördert neue Lernschleifen enorm, wenn über die Präsentation Kommunikationen entsteht und die Produzenten mit neuen Fragen konfrontiert werden, die sie lösen wollen.

In meiner Schulzeit haben wir immerfort nur Gehörtes und Gelesenes auf Abfrage wiedergegeben. Selten durften wir eigenes produzieren. Die einzige Möglichkeit war der Deutschaufsatz – darum habe ich schreiben gelernt. Was hätte ich sonst tun können? Dann kamen mit der Oberstufenreform der 70er Jahre die Referate. (Dies erwischte mich erst an der Uni.) Es wurde Geschriebenes vorgetragen, oft vorgelesen. Später durften die Schüler auch mal auf einem Plakat etwas visualisieren, als diejenigen Lehrer wurden, die in der Zeit der Studentenbewegung gelernt hatten, große Plakate zu gestalten. Und mit Powerpoint und den Web 2.0 – Medien  schließlich stehen den Schülern Präsentationsmöglichkeiten zu Verfügung, die sowohl Visualisierungen mit Bildern und Grafiken, als auch  Videos und eingebettete Audios ermöglichen. Endlich ist das Zeitalter des Externalisierens beim Lernen angebrochen. Mit allen Sinnen. Kreativ. Einfach zu realisieren. Und in allen Fächern und für alle Lerngegenstände sinnvoll anzuwenden und ab jetzt unverzichtbar.

Externalisiert haben schon immer die künstlerischen Fächer. Es wird Theater gespielt, Bilder werden gemalt, Skulpturen geschaffen und die Schulband tritt auf mit ihren fleißig geprobten Stücken.

Ein Kollege, der viel Theater gespielt hat mit seinen Schülern, machte mich neulich auf etwas Wichtiges aufmerksam: In den künstlerischen Fächern sind Schüler und Lehrer es gewohnt, Fertiges vorzuführen. Fertige Bilder werden ausgehängt, die fertig geprobten Szenen werden am Theaterabend gezeigt und das fertige Weihnachtsmärchen mit Musik aufgeführt. Das externalisierte Produkt steht am Ende des Lernprozesses. Alles das ist jedoch nie etwas Fertiges. Wir merken das schmerzlich, wenn die Blockflöten an der falschen Stelle piepen oder das Drama allzu laienspielmäßig geraten ist. Wie soll auch! Die Schüler sind keine professionellen Schauspieler, Musiker und Tänzer – und die Lehrer keine professionellen Regisseure und Dirigienten. Es ist also in Wirklichkeit auch alles vermeintlich „Fertige“ immer etwas Vorläufiges – ein Zwischenprodukt der Lerntätigkeit. Wenn wir uns mehr trauen würden, solche Zwischenprodukte zur Diskussion zu stellen, dann könnten sie großartige Lernanlässe abgeben.

„Soweit sind wir gekommen“ könnte die Einleitung zu einer Präsentation des Zwischenergebnisses vor der Klasse, vor Eltern, vor dem Parallelkurs Darstellendes Spiel sein. „Bitte sagt uns, was ihr davon haltet und macht Vorschläge zur Verbesserung!“ könnte das Schmoren im jeweils eigenen Saft und die Fixierung auf den einen Lehrer aufheben. Seit einiger Zeit ist es üblich geworden, dass Promovierende ihre Dissertation schon in einem frühen Stadium auf Tagungen als „Poster“  zur Diskussion stellen, um sich bei KollegInnen Anregungen zur Lösung von Problemen zu holen oder um überhaupt mal zu testen, ob die Idee und die Anlage der Arbeit trägt und ihre Vergegenständlichung / Präsentation verständlich und sinnvoll ist.

Wir müssen auch in der Schule viel mehr Externalisierung in die Lernprozesse einbauen. Und zwar nicht erst, wenn abgefragt wird im Test oder in der Klausur, und dann kommt der nächste Lerngegenstand, sondern an vielen Stellen als notwendige Phasen des Lernprozesses selbst. Zur Klärung, zur Diskussion, zur Weiterarbeit. Kunstlehrer lassen schon immer Skizzen anfertigen und stellen sie zur Diskussion. Aber diese Art des Lernens kann auf andere Fächer übertragen werden. Wenn die SchülerInnen ihren Stadtteil erforschen und dabei Interviewmaterial im Voicerecorder gesammelt haben, können sie anschließend das Material verarbeiten zu einem präsentierbaren Podcast, in dem sie selbst sprechen und sorgfältig ausgewählte Interviewpassagen als O-Töne einbinden. Und die Zuhörer lernen, auf die Präsentation zu reagieren: Wie war das Problem dargestellt? Ist wichtiges unverständlich geblieben oder gar nicht angesprochen worden? Welche neuen Fragen sind entstanden, die wir unbedingt noch klären wollen?

Zu sehen ist daran auch: Ständiges Bewerten und Benoten solcher Externalisierungen hemmt in jeder Hinsicht den Lernprozess. Schüler klatschen bei jeder Präsentation ihrer Klassenkameraden und vermeiden kritische Rückfragen, damit sie ihren Freunden nicht schaden. (Und das gehört sich so und passt zum System.) Wenn ein Produkt das Ende der Unterrichtseinheit ist, gibt es nur noch eine Note dafür, aber man kann nicht mehr viel draus lernen,  nichts mehr verbessern, sich nicht mehr selbst korrigieren und vervollkommnen.  Ein blödes Gefühl. Man sollte viel mehr Zwischenprodukte präsentieren dürfen, um daran zu lernen, indem man Feedback zu nutzen lernt. Wenn man die Chance nicht hat, dann ist jedes Produkt ein Endprodukt und das Ende des Lernens zu diesem Thema – besiegelt mit einer unveränderlichen Ziffernote.

Ja klar, „soviel Zeit haben wir nicht, um jedes Thema so ausführlich zu unterrichten“, „der Lehrplan ist zu voll“, „wir müssen weiter, um alle Zentralabiturthemen bearbeitet zu haben“. Solche Einwände haben unbedingt ihre Berechtigung, denn es  ist die Logik der Kanon-Schule. Wenn aber erst mal im Lehrplan steht: „Selbstrecherchiertes Wissen zu einem selbstgewählten Gegenstand Externalisieren können und aus dem Feedback des Auditoriums auf die Präsentation Hinweise zur Verbesserung entnehmen und umsetzen können“ anstatt „Die Schüler kennen Karl den Großen und wissen um seine Bedutung für die Entstehung des Deutschen Reiches“, dann sind wir schon einen großen  Schritt weiter.  In Hamburg soll jedenfalls der erste Jahrgang der Profiloberstufe  im mündlichen Abitur demnächst nicht mehr Prüfungsfragen beantworten, sondern Wissen präsentieren. Nun muss ein nicht unerheblicher Teil der Lehrer erst mal selbst seine Präsentationskompetenz kritisch durchsehen und verbessern. Und dann lernen, wie er Schülern soetwas beibringt.  Viel neues zu Lernen für alle! Hoffentlich gibt es auch Zeit dafür! Ich bin gespannt!

WissensWert Blog Carnival Nr. 6 „Sein Wissen ins Netz stellen“

Im neuesten Wissenswert Blogcarnival fragt Lore Reß „Sein Wissen ins Netz stellen – bedeutet das, das Wissen an Diebe zu verlieren oder etwas zu gewinnen? Wird mir die Butter vom Brot genommen, oder kann ich damit auch etwas gewinnen?“

Mein Fazit gleich vorweg: Es gibt kein Wissen, das nicht angewendet wird. Als Lehrer gehört es zu meinen wichtigsten Arbeitszielen, dass andere mit „meinem“ Wissen arbeiten.

Nun habe ich einen großen Vorteil und kann natürlich leicht reden: Ich bin keine Freelancerin oder Ich-AGlerin, die sich ihre zahlende Kundschaft suchen muss. Ich bin in Amt und Brot beim Staat und muss mich nicht ums Geld kümmern, sondern nur um meine Arbeit. Das macht einen himmelweiten Unterschied.
Der Kern meiner Arbeit ist trotzdem vergleichbar mit dem von Akteuren auf dem privaten Lernmarkt: Ich organisiere und begleite Lernprozesse. Meine Professionalität besteht darin, wie gut oder schlecht ich das kann. Ich brauche dazu passende Instrumente aber ebenso die Kompetenzen, mit ihnen professionell umzugehen. „Ins Netz stellen“ – also publizieren – kann ich allenfalls die Instrumente und Erklärungen dazu, wie ich diese verwende. Meine professionelle Kompetenz kann ich jedoch nicht publizieren, ich kann sie nur in Ausübung meiner Tätigkeit, Lernprozesse zu organisieren, anwenden. Und da ich Lernprozesse für Lehrer und angehende Lehrer organisiere, habe ich ein Interesse daran, dass sie mein Wissen teilen. Mein spezifisches Kompetenzbündel ist an meine Person gebunden. („Das wichtigste Curriculum eines Lehrers ist seine eigene Person“, so Hartmut v. Hentig). Keineswegs besteht mein Wissen nur aus den Werkzeugen – die ich vielleicht in Teilen selbst erfunden habe – sondern auch aus der Fähigkeit zur Gestaltung der Prozesse, die ich jeweils situativ an die konkrete Lerngruppe anpassen und mit ihr zusammen entwickeln muss. Mein Wissen besteht also auch aus der Praxis-Erfahrung, über die ich zwar reflektierend schreiben kann, die ich aber durch Publikation nur bedingt an andere „weggeben“ kann. Erfahrungen kann man nicht vermittelnd übertragen. Man muss sie selbst erwerben. Ich habe also gar nicht die Möglichkeit, mein professionelles Wissen als Ganzes „wegzugeben“, sodass ich mir damit etwa selbst die „Butter vom Brot nehmen“ würde.

Wenn ich meine Reflexionen und Instrumente publiziere – ganz wurscht ob in Printmedien oder online, dann sind sie mit meinem Namen verknüpft. Dass sie trotzdem enteignet werden können, kann man natürlich nicht gänzlich verhindern. Ärgerlich ist bei solchen Fällen natürlich nicht nur, wenn ein Anderer sich damit „schmückt“, sondern ebenso oder erst Recht, wenn sie in anderem Sinne benutzt werden als ich das für richtig halte, „verfälscht“ und dann noch mit meinem Namen verbunden werden. Auch das kommt vor. Aber: Dieses Problem ist ein Problem von Publikation überhaupt – nicht nur ein Problem der Online-Veröffentlichung. Und was die „Bezahlung“ angeht: Wer publiziert schon, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen? Selbst viel publizierende Wissenschaftler kratzen über VGWort wenn’s hoch kommt 1000 Euro pro Jahr zusammen. Manchmal muss man sich für eine Printpublikation sogar an den Kosten beteiligen. Man muss publizieren, gerade wenn man seine „Kunden“ selbst finden muss. Womit soll man sie sonst überzeugen, wenn nicht mit den eigenen „Produkten“, die Ausweis der Kompetenz sind? Und wo kommt man besser an möglichst viele potenzielle Kunden heran als im Netz?

Wenn ich nicht publiziere, dann passiert noch etwas anderes Schreckliches:
Ich kann nur im eigenen Saft rühren, meine Ideen nicht kritisch diskutieren – außer mit den jeweiligen „Kunden“ und im engen f2f-Kollegenkreis. Ich verzichte dann auf die wichtigste Möglichkeit, meine professionelle Kompetenz zu verbessern: auf den Austausch und die Zusammenarbeit mit möglichst vielen, die für mein Weiterkommen Wichtiges beizutragen haben. Das brauche ich aber dringend und kontinuierlich. Wo geht es besser als im Netz? Eine Print-Publikation dauert ewig (wenn man überhaupt einen Herausgeber oder Verleger dafür findet), wird von wenigen gelesen und es gibt wenig Feedback, manchmal erst nach Jahren (von Austausch und Diskussion ganz zu schweigen). Im Web ist das ganz anders: Nach einiger Zeit entsteht ein Netz von Peers, das ich inzwischen als professionelle Lerngemeinschaft begreife und ohne das ich mir meine Arbeit überhaupt nicht mehr vorstellen kann. Seit ich während dieser Netztätigkeit – die nur funktioniert, wenn ich auch meine eigenen Sachen zum Austausch anbiete – englisch gelernt habe, freue ich mich besonders, wie groß meine Lernwelt inzwischen geworden ist. Alles was vor dem Web war, war demgegenüber Krähwinkel. Und erst seitdem habe ich eine vage Ahnung davon, was Professionalität in Zukunft überhaupt erst werden könnte.

Eines meiner entscheidenden Erlebnisse in dieser Hinsicht war vor vier Jahren die Entdeckung eines kanadischen Lehrers, der mit seinen Schülern bloggte. Er stellte seine Instrumente (auch die Schülerarbeitsbögen) erst ins blog, später in flickr, und seine Praxisreflexionen teilte er offen im Netz mit. Ich verwende in meinen eigenen Seminaren seine Strategie und seine „Papiere“ – und trage damit nebenbei auch ein Stück dazu bei, dass sein Name hier bekannt wird.

Zweimal ist es mir bislang passiert, dass jemand in meiner Gegenwart mit meinen Instrumenten arbeitet, ohne die „Quelle“ anzugeben. Wahrscheinlich war sie ihm gar nicht bekannt. Beim ersten Mal war ich noch versucht zu sagen: Höhö, das ist von mir! Beim zweiten Mal erlebte ich ein Glücksgefühl: Sie an, was du erfunden hast, taugt offenbar und verbreitet sich!

Was kann einem „Lehrer“, einem „Wissensverbreiter“ Befriedigenderes zustoßen?

Persönlicher Sinn und historisch-politisches Lernen. Ein Schulbeispiel zum Thema Holocaust

Zunehmender Rechtsextremismus – Anwachsen von Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft – fast keine Woche vergeht, in der wir nicht auf verschiedenen Ebenen der Politik, wissenschaftlicher Studien oder im Zusammenhang mit der Diskussion um Schule und Bildung und den mageren Ergebnissen des Geschichtsunterrichts mit diesen Befunden konfrontiert werden. Ist Holocaust Education als neues Unterrichtsfach oder Unterricht über Auschwitz in allen Fächern nötig? Oder muss die Gestalt des Geschichts- und Politikunterrichts auf den Prüfstand? Wie kann der Geschichtslehrer mit diesem Problem umgehen? Hat er einen besonderen Beitrag für die Bekämpfung von Rechtsextremismus und Antisemitismus für die Gesellschaft zu leisten? Gibt es neue Ansätze zur Vermittlung der „Lehren aus dem Holocaust“, die ihn dabei unterstützen können?

Weil mich das Thema Holocaust umtreibt, seit ich denken kann, und die Vermittlung des Themas und die Frage der „Erziehung nach Auschwitz“ beschäftigen, seit ich Geschichtslehrerin bin, habe ich mich im letzten Jahr daran gemacht, den Problemzusammenhang „Schulunterricht zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust – Lernen und Wissen der Schüler – Einstellungen und Verhalten der Schüler“ gründlicher unter die Lupe zu nehmen. Ich habe Lerntheorie, allgemeine und Fachdidaktik sowie die Projektdidaktik geprüft, neue Unterrichtskonzepte untersucht, schließlich selbst ein Unterrichtsmodell entworfen und es anschließend mit Schülern in einem Pilotprojekt und danach mit Studenten, Referendaren und Lehrern ausprobiert. Das Projekt hieß:

„‚Richtiges‘ Erinnern? Wie können wir angemessen mit der Gegenwart unserer Vergangenheit umgehen? Ein (Selbst-)Erkundungsprojekt am Beispiel des Holocaust-Mahnmals in Berlin.“

Was dabei herausgekommen ist, ist nun ausführlich in meinem Aufsatz zu lesen:

„Was hat das mit mir zu tun“? Persönlicher Sinn und historisch-politisches Lernen

Download (pdf, 516 KB)