Welche „digitale Bildungsrevolution“ wollen wir?

„Hauptsache digital, alles andere egal!“ war gestern

Aufregung herrscht unter den „digital affinen“ Pädagogen: Etwas ist ganz anders als noch im letzten Jahr. Mitglieder der „Netzgemeinde“, die „Computerfreaks“, die bisher fast überall „in Bildungskontexten“ als verschroben belächelt wurden, werden ernstgenommen und hoffähig. Sie sind plötzlich als Berater für die große Politik gefragt, werden als Referenten in Kultusbehörden eingestellt und zu Vorträgen vor Politikerrunden und Initiativen zur „Digitalisierung der Bildung“ eingeladen (von den üblichen Workshops und Vorträgen für Lehrer und andere Bildungsakteure ganz abgesehen). Da jubelt der Digitale-Bildung-Freak. Weiterlesen

Kommt jetzt endlich die richtige Bildungspolitik in Deutschland?

Ist das Papier „Strategie der KMK ‚Bildung in der digitalen Welt‘“ der Startschuss in eine neue Etappe der Bildungsmodernisierung in Deutschland?

Hat sich endlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass mit Computer und Internet nicht nur ein neues Werkzeug hinzugekommen ist, mit dem man das, was man schon immer gemacht hat, jetzt noch effizienter machen kann? Sondern dass etwas Epochemachendes eingetreten ist, das alle Bereiche der Gesellschaft mit zunehmender Geschwindigkeit von Grund auf umkrempelt? Dürfen wir uns also freuen?

Leider nein. Denn während im ersten Entwurf vom 1. 9. 2015, zu finden bei J&K, noch von einem „epochalen Prozess“ die Rede ist, „der alle Bereiche unserer Gesellschaft durchdringt und die Lebens- und Berufswelten grundlegend verändert“, ist der jetzt von BMBF und KMK veröffentlichte ausführliche Entwurf vom 12. 05. 2016 wieder deutlicher im alten Verständnis formuliert: Weiterlesen

PLN as a subject of teacher-training – first attempt

Recently I hold my first seminar explicitly about PLN with trainee teachers. Frankly, the seminar didn’t work exactly as I was hoping. But, as Sebastian Hirsch put it: failing forward is the new success. With one modification, I gladly agree: the next failing cycle will only be a motion forward if I can identify the problem, and find a different way for the next attempt. I’ll be grateful for your help with feedbacks, hints, and suggestions!
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Lernen zu lehren im Internetzeitalter

(für den Workshop „Lernen zu Lehren (sic) – Was gehört zu einer Medien-Grundbildung für Pädagog_innen? auf der GEW-Tagung an der Uni Mainz 19./20. September 14)

GEW MainzDies ist eine visuelle Repräsentation des Web-Verkehrs eines Erdentages, genau am 23. Nov. 2003. Wir sehen eine Abbildung von Kommunikationsvorgängen, wir sehen ein Stillbild des ununterbrochenen Gesprächs, das Gesellschaft bzw. „die Kultur“ konstituiert. Wir „sehen“ Gesellschaft.

Die Teilnahme am Gespräch unserer Weltgesellschaft ist möglich für jeden, der 1. einen Zugang zu dem Medium hat, in dem dieses Gewebe (www) stattfindet, zum Internet. Und der 2. die Fähigkeiten besitzt, diesen Zugang angemessen zu nutzen. Damit wäre auch schon die allgemeinste Forderung an eine „Mediengrundbildung“ genannt, nämlich diese beiden Voraussetzungen zu liefern.
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Medienbegriff, Lernbegriff und Geschichtslernen im digitalen Zeitalter

Vortrag auf der Tagung Geschichtsdidaktische Medienverständnisse #gld14 am 25./26. April 2014

Folie1

Wer diese Titelfolie hässlich findet, hat Recht. Aber warum ist sie hässlich? Weiterlesen

Übergangsgesellschaft

CC by Steve Hillebrand, U.S. Fish and Wildlife Services

CC by Steve Hillebrand, U.S. Fish and Wildlife Services

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Diesen Satz braucht man nicht mehr mit Empirie zu belegen. Seine Wahrheit ist evident für jede, die die Augen aufmacht. (Und für jeden, der.) Aber was bedeutet das?

Es bedeutet, dass sich die Widersprüche merklich zuspitzen, dass der Wind schärfer weht, dass man sich „warm anziehen“ und „gut aufgestellt“ und „resilient“ sein muss, um in dieser Zeit psychisch oder gar physisch als Einzelner zu überleben – je nach zufälligem Ort der Geburt. Es bedeutet Zunahme von Gewalt und Zunahme von Brutalität der Gewalt. Nicht nur im Handeln einzelner Personen „unten“. Auch im Systemhandeln „oben“. Es gilt für die Ökonomie genauso wie für das Politiksystem oder für Verwaltung und Polizei. Und natürlich ebenso für das Bildungssystem.

Im Bildungssystem sind diesbezüglich zwei Zuspitzungen zu sehen: Weiterlesen

Denken lernen lehren – mit „Making Thinking Visible“

Sowohl-als-auch und Weder-noch

Meine neueste Lieblingslektüre für Schreibtisch, Sofa und Bett ist nach Merlin Donald’s Triumph des Bewusstseins ein Buch, das eine Brücke davon zur Pädagogischen Praxis baut. Immer haben wir ja das Problem, dass viele beliebte „Schulkritiker“ und „Schulerneuerer“ ihren antiintellektuellen Affekten frönen, wenn sie im dualistischen Denkstil „das Akademische“ mit dem „Intellektuellen“ gleichsetzend dieses dann gegen die Soft und Social Skills halten, die doch #hach! *herzensbildend* das „Eigentliche“ des „gebildeten Menschen“ ausmachen. Dagegen positioniert sich dann – einerseits zu Recht – eine Art Studienratsmaffia, die aber ihrerseits ebensowenig auf diese falsche Entgegensetzung und jene falsche Gleichsetzung verzichtet. Kognitives Wissen und Können bzw. Verhalten bleiben dann immer auf zwei entgegengesetzten Seiten einer Medaille. Wenn das eine ist, kann das andere nicht sein: Fördere ich Sozialverhalten (in isolierten Verhaltenstrainings), dann haben die Schüler „nichts im Kopf“ – Bimsen sie stattdessen (fertig vorliegendes) Wissen, dann sind sie angepasste Nachbeter fremder Gedanken und mobben zum Ausgleich ihre Mitschüler, was das Zeug hält. Bitte beides! (Wissen und Verhalten) bekommt man aber nur, wenn man auch Keines von Beidem! sowohl zum Büffeln als auch zum Verhaltenstraining sagt. Weiterlesen

Lernen Lernen lernen mit dem persönlichen Lernnetzwerk. Wie im digitalen Zeitalter eigensinnig und gemeinsam gelernt wird

Hier mein Vortrag auf der #relearn der re:publica 13 verschriftlicht:

Foto: Barrett Lyon, The Opte Project, Nov. 23, 2003

Foto: Barrett Lyon, The Opte Project, Nov. 23, 2003

Oft wird viel zu früh danach gefragt, wie sich „die Bildung“ – verstanden als Unterricht und Lehre – zu verändern habe, noch bevor überhaupt begriffen worden ist, wie sich das menschliche Lernen mit dem Leitmedienwechsel verändert. Und dann gibt es eben die bekannten Kurzschlüsse. Schon historisch gesehen macht es jedoch keinen Sinn, Lernen und institutionalisiertes Lehren als Einheit zu denken. Denn Schule als allgemeinbildende Pflichtschule existiert ja noch nicht mal 1/300 der Zeit, die die ohne Schule trotzdem ständig lernende Menschheit schon existiert.
Ich beschäftige mich heute daher nicht mit Schule oder Hochschule, sondern mit dem Lernen. Weiterlesen

Über die Unendlichkeit des Wachstums – Wachstum neu denken

Die Erde vom Mars gesehen - CC-BY-Planet aus dem All

Die Erde vom Mars gesehen – CC-BY-Planet aus dem All

„We have had our WHY’S, HOW’S and WHAT’S upside-down, focusing too much on WHAT should be learned, than HOW, and often forgetting the WHY altogether.”

(Michael Wesch)

Kürzlich saß ich mit meinen Kollegen zusammen, die beklagten, dass die Lehrer kaum mehr Zeit für Fortbildungen zur „Demokratiepädagogik“ aufbrächten. Weiterlesen

Lernen von Anderen – anstatt das Rad neu erfinden!

Schleicher_Lehrerbildung„Du kriegst nur den Auftrag, den du dir selbst verschaffst!“ oder: „Als Beamte sind wir verpflichtet, unsere Vorgesetzten zu beraten.“ Das sind Weisheiten, die ich von meinem Kollegen in der Lehrerfortbildung, dem Projektdidaktiker Wolfgang Steiner gelernt habe. Den Auftrag, für das Lehrerbildungsinstitut Pasi Sahlbergs spannendes Buch Finnish Lessons: What Can the World Learn from Educational Change in Finland? zu übersetzen, habe ich leider trotz Vorgesetzten-Beratung nicht erhalten.
Aber dafür durfte ich übersetzend zusammenfassen, was uns Andreas Schleicher in eben diesem Geist des Lernens von Anderen  in seiner OECD-Publikation 2012 Preparing Teachers and Developing School Leaders for the 21st Century. Lessons from Around the World aufgeschrieben hat. Weiterlesen