Die Zukunft des Lernens: Sinnbildung im 21. Jahrhundert

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Foto: CC 0 Public Domain Pixelbaby

Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts besuchte mich mein Schwiegervater zum ersten Mal. Er traf mich und meinen einen Tag alten ersten Sohn in der Entbindungsklinik. Nachdem er sich höflich vorgestellt hatte, sah er das Kind an meiner Brust liegen. Das forderte ihn zu folgendem Statement heraus: „Verwöhne ihn nicht, nimm ihn bloß nicht jedesmal hoch, wenn er schreit, übertreibe es nicht mit der Liebe!“ Er war als alter Wehrmachtsoffizier der Ansicht, dass Menschen sich nur richtig entwickeln können, wenn sie ab utero (und ad mortem) von außen gesteuert werden — oder simpel ausgedrückt, von Anfang an Knüppel aufn Kopp kriegen.
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Medienbegriff, Lernbegriff und Geschichtslernen im digitalen Zeitalter

Vortrag auf der Tagung Geschichtsdidaktische Medienverständnisse #gld14 am 25./26. April 2014

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Wer diese Titelfolie hässlich findet, hat Recht. Aber warum ist sie hässlich? Weiterlesen

Übergangsgesellschaft

CC by Steve Hillebrand, U.S. Fish and Wildlife Services

CC by Steve Hillebrand, U.S. Fish and Wildlife Services

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Diesen Satz braucht man nicht mehr mit Empirie zu belegen. Seine Wahrheit ist evident für jede, die die Augen aufmacht. (Und für jeden, der.) Aber was bedeutet das?

Es bedeutet, dass sich die Widersprüche merklich zuspitzen, dass der Wind schärfer weht, dass man sich „warm anziehen“ und „gut aufgestellt“ und „resilient“ sein muss, um in dieser Zeit psychisch oder gar physisch als Einzelner zu überleben – je nach zufälligem Ort der Geburt. Es bedeutet Zunahme von Gewalt und Zunahme von Brutalität der Gewalt. Nicht nur im Handeln einzelner Personen „unten“. Auch im Systemhandeln „oben“. Es gilt für die Ökonomie genauso wie für das Politiksystem oder für Verwaltung und Polizei. Und natürlich ebenso für das Bildungssystem.

Im Bildungssystem sind diesbezüglich zwei Zuspitzungen zu sehen: Weiterlesen

Schule, Lehrer und Schüler am Limit

Wer gestern Beckmann, Lehrer am Limit gesehen hat, hat vielleicht zum wiederholten Mal den Eindruck gewonnen, den Guido Brombach in seinem Tweet folgendermaßen in Frageform fasst:

Meine Antwort: jein.
Nein, weil kein Tag vergeht, in dem Schule und Unterricht – und vor allem die Bildungsergebnisse – uns nicht in irgendeiner Form in den Massenmedien kritisch entgegentreten. Weiterlesen

Aufklärung der Konfusion über Lese- und Schreibunterricht

titelÜber die drohende Rechtschreipkaterstrofe, die der Spiegel kürzlich ausgerufen hatte  – eines der Instrumente im Orchester der reaktionären Bildungsreformkritik – ist schon eine Menge öffentlich und auf unterschiedlichen Niveaus mit teilweise hohem Emotionspegel diskutiert worden.

Hans Brügelmann hat jetzt zusammen mit Wolfgang Eichler ein gemeinsames Papier zur Aufklärung und Orientierung erarbeitet. Beide Autoren sind zweifelsfrei Experten der Didaktik der Alphabetisierung in der Grundschule. Sie schreiben in der Einleitung ihres Papiers:

„In der aktuellen Auseinandersetzung über den Lese- und (Recht-)Schreibunterricht herrscht Verwirrung. Neuerdings stehen vor allem die Methode „Lesen durch Schreiben“,der „Spracherfahrungsansatz“ und der Werkstattunterricht, also ein selbstständiges Lernen in einer vorbereiteten Umgebung, in der Kritik, während früher der Fibelunterricht und der systematische Lehrgang pauschal kritisiert wurden. Wir, zwei „altgediente“, fachdidaktisch unterschiedlich orientierte Wissenschaftler mit erziehungs- bzw. sprachwissenschaftlichem Hintergrund, möchten aufklären – und wir können beruhigen: eine „Rechtschreibkatastrophe“ in Deutschland, wie u. a. im Spiegel vom 17.6.2013 behauptet, gibt es nicht. Aber es gibt Probleme, die Schule und Didaktik herausfordern.“

Der vollständige Text hier im PDF
Hans Brügelmann, Wolfgang Eichler Konsenspapier „Lese- und Schreibunterricht heute: Gegen ideologische Verkürzungen, für Mehrperspektivität und mehr Pluralismus“

Über die Unendlichkeit des Wachstums – Wachstum neu denken

Die Erde vom Mars gesehen - CC-BY-Planet aus dem All

Die Erde vom Mars gesehen – CC-BY-Planet aus dem All

„We have had our WHY’S, HOW’S and WHAT’S upside-down, focusing too much on WHAT should be learned, than HOW, and often forgetting the WHY altogether.”

(Michael Wesch)

Kürzlich saß ich mit meinen Kollegen zusammen, die beklagten, dass die Lehrer kaum mehr Zeit für Fortbildungen zur „Demokratiepädagogik“ aufbrächten. Weiterlesen

Warum ich doch nicht Zynikerin geworden bin und wodurch meine Seele davor gerettet wurde

Natürlich wurde ich nicht als Theoriefreundin geboren. Im Gegenteil war ich von Anfang an denkfaul bis dorthinaus – jedenfalls dann, wenn ich denken sollte nach Vorschriften, die das Ergebnis bestimmen wollten und im Vorraus enthielten. Es erschien mir so langweilig wie Malen nach Zahlen. Erst später, als die unvermeidlichen Widersprüche in meiner Praxis mich bei Strafe des Untergangs zum theoretischen Denken zwangen, lernte ich die Vorschriften wissenschaftlichen Denkens und vor allem die Notwendigkeit von Vorschriften in der Vorgehensweise (nicht in den Ergebnissen wohlgemerkt) erst zu akzeptieren und dann zu lieben. Weiterlesen

Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt? – Systemtheorie für Lehrer: Helmut Willkes Grundzüge einer Theorie der Intervention in komplexe Systeme

Willke, Helmut, Systemtheorie: Systemtheorie 2. Interventionstheorie: Grundzüge einer Theorie der Intervention in komplexe Systeme, Stuttgart 2005Mein Ausgangspunkt für die Propagierung des Buchs von Helmut Willke sind zwei häufig von Lehrern beklagte Probleme, die nach der Lektüre besser zu verstehen sind. Und ein adäquates Verständnis von Problemen ist, wie wir wissen, die Voraussetzung für einen angemessenen Umgang mit ihnen.

Das erste Problem ist durch folgende Stichworte gekennzeichnet: Immer mehr „Risikoschüler“; immer mehr Schulversagen; immer mehr Schulangst (bei Schülern wie bei Lehrern, bei letzteren Burnout genannt); immer mehr Schulschwänzer; immer drängender die warnenden Stimmen aus Wirtschaft und Bildungsforschung, dass die Schule nicht (mehr) fürs Leben bilde. Und dies alles trotz mittlerweile 4 Jahrzehnte fortlaufender Reformbemühungen. Und dann das noch obendrauf: Knast für die schulschwänzenden 14-Jährigen als Therapie des Problems.  Und das bei gleichzeitigen Sparmaßnahmen und Kürzungen an verschiedenen Stellen des Bildungssystems. Irgendetwas läuft doch ganz offensichtlich dauerhaft und inzwischen schon generationenlang schief. Mancher möchte verzweifeln, weinen und laut schreien: „JA BEGREIFT IHR DENN GAR NICHTS?“ Weiterlesen

Projektlernen meets Web 2.0 – Die Workshops stellen sich vor

Die Veranstaltung am 15. 6. „Projektlernen im digitalen Zeitalter“ hat 5 Workshops im Programm. Hier stellen die Leiter ihre Workshops vor: Weiterlesen

Projektlernen im digitalen Zeitalter – Auf dem Weg zur Lerngesellschaft

CC Richard Giles

CC Richard Giles

Projektlernen, PBL, John Deweys‘ Methodology – dies sind Wiederentdeckungen in Zeiten des Web 2.0, seitdem klar ist, dass eine neue Art des Lernens außerhalb der formalen Bildung in den Institutionen von Schule, Hochschule und Weiterbildung immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Nicht mehr diskutiert werden muss auch, dass das reduktionistische Lernkonzept der Industriekultur, das ausschließlich systematisches „akademisches“ Buchlernen historisch prämiert hat, längst überholt und das Festhalten daran verantwortlich für das Scheitern der Bildungsinstitutionen auf allen Ebenen ist – gemessen an deren Funktion, die Kompetenzen/das Wissen individuell und gesellschaftlich zu bilden, die nötig sind, um die historischen Aufgaben der Menschheit des 21. Jahrhunderts bewältigen zu können. Weiterlesen