Ist das normal?

Fänden Sie es normal, an einem Tisch mit einem überführten Massenmörder zu sitzen, anstatt ihn aus dem Haus zu werfen und ihn der Polizei auszuliefern? Natürlich nicht.

Fänden Sie es empörend, wenn die Nachfahren der Opfer immer wieder auf die nichtbestraften Täter zeigen und Bestrafung und Restitution verlangen, anstatt endlich Ruhe zu geben und die Hand zur Versöhnung auszustrecken? Natürlich nicht.

Beides ist in unserem Land jedoch normal. Hier nur ein aktuelles Beispiel, stellvertretend für viele:

Anlässlich einer Demonstration von „Antifaschistischen Gruppen“, die am Samstag vor die Haustüren zweier in Italien des Massenmords überführten deutschen Männer gezogen waren, titelt die taz heute: Die netten Opas bekommen Besuch.

„Gerhard S. war Untersturmführer der 16. SS-Division „Reichsführer SS“. Er wurde 2005 zusammen mit neun weiteren Angeklagten von dem italienischen Militärgericht La Spezia des „fortgesetzten Mordes mit besonderer Grausamkeit“ schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass S. an der Tötung von 560 Einwohnern des Bergdorfes Sant’Anna di Stazzema am 12 August 1944 beteiligt war. Ein Revisionsantrag wurde abgelehnt. Der 86-Jährige lebt heute in einer Seniorenresidenz in Hamburg. Er behauptet bis heute, bei dem Massaker nicht dabei gewesen zu sein.“

Italienisches Fehlurteil? „Siegerjustiz?“ Wahrscheinlich bloß, um wieder Geld aus Deutschland rauszuleiern???? Hm.

Weiter in der taz: „Knapp zwei Monate nach dem Massaker in Civitella fiel die 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“, deren 4. Kompanie S. anführte in Sant’Anna di Stazzema ein. Binnen vier Stunden hatte die SS 440 Männer und Frauen sowie 120 Kinder erschlagen, erschossen oder verbrannt…“
„S. selbst beteuert bis heute seine Unschuld, sagt, er habe ein ‚absolut reines Gewissen‘… Auch die juristischen Ermittlungen gegen S. treten auf der Stelle. ‚Kein neuer Stand‘, sagt eine Sprecherin der für den ‚Komplex St’Anna‘ zuständigen Staatsanwaltschaft Stuttgart. Seit 2002 ermittelt sie gegen 15 Personen. ‚Wir müssen dem einzelnen die Tatmerkmale Mord nachweisen – objektiv und subjektiv‘“

Aha, jedem einzelnen einer Mordtruppe. Nur dabeigewesen, sogar Kommandeur einer Untereinheit gewesen zu sein, reicht nicht.

Die deutsche Regierung hatte sich gleich nach Gründung der Bundesrepublik sehr darum bemüht, eine schnelle Generalamnestie der Täter zu erreichen. Ganz so einfach ging es zwar nicht. Trotzdem war es überhaupt nicht selbstverständlich, daß 1965 endlich nach jahrelangem Kampf der Befürworter der Täterbestrafung mit einer bedeutenden Anzahl von Gegenstimmen (vorwiegend aus der CDU) im Bundestag das Gesetz zur Nichtverjährbarkeit von NS-Verbrechen verabschiedet werden konnte, das die lebenslange Strafverfolgung von NS-Tätern ermöglichte. Gebunden ist die Strafverfolgung jedoch an die „Tatmerkmale Mord“ – und das meint vor allem: „aus niederen Beweggründen“. Selbst wenn die direkte Beteiligung nachgewiesen ist, so sind häufig bei den Nazitätern eben keine „niederen Beweggründe“ nachzuweisen – oder jedenfalls fällt es der deutschen Justiz immens schwer. Mord liegt nämlich nur vor, wenn aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder anderen niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, getötet wurde. Tja, aber weisen Sie mal eines dieser Motive nach in einer Truppe von Kriegern!

Weiter in der taz: „Enio Mancini vom ‚Verein der Opfer von St’Anna‘ weist die Behauptung, eine konkrete Tatbeteiligung von S. sei nicht nachweisbar, zurück. Das habe sich während des italienischen Gerichtsverfahrens herausgestellt. Gegenüber den Alliierten hatten Angehörige seiner Kompanie bezeugt, S. habe den Schießbefehl erteilt …“
Alles das reicht für die deutsche Justiz nicht.

Die VVN/BdA NRW fragte in Stuttgart an. Sie bekam folgende Antwort:

Für eine Anklageerhebung reicht die Beweislage bislang vorbehaltlich möglicher weiterer Erkenntnisse bei keinem der Beschuldigten [15 noch lebende Angehörige der Einheit] aus. Ein Verbrechen des Totschlags wäre nach deutschem Recht seit langem verjährt. Deshalb kann die Staatsanwaltschaft die Täter ausschließlich wegen Mordes oder wegen Beihilfe zum Mord verfolgen. Eine entsprechende Verurteilung setzt aber nach den Regelungen des deutschen Strafgesetzbuches und der Strafprozessordnung voraus, dass jedem Beschuldigten über seine konkrete Beteiligung an der Tat hinaus auch ein Mordmerkmal nachgewiesen werden kann. Allein die Zugehörigkeit einer Person zu den in Sant’Anna di Stazzema eingesetzten Einheiten der Waffen SS kann den individuellen Schuldnachweis nicht ersetzen. Nach deutschem Recht muss in Bezug auf jeden einzelnen Beschuldigten festgestellt und belegt werden, dass und in welcher Form er bei dem Massaker beteiligt war und dass er persönlich, sowohl objektiv wie subjektiv, entweder grausam oder mit niedrigen Beweggründen gehandelt hat.“

Was bedeutet denn dabei „subjektiv“ im Gegensatz zu „objektiv“? Daß er sich selbst als grausam oder niedrigbeweggründet erlebt haben muß?

Also war es wohl wieder keiner gewesen – es war bloß wieder das Kollektiv insgesamt. Keine Einzeltäter, keine Schuld, keine Verurteilung, keine Bestrafung.

Und dann mal ganz abgesehen von der hochoffiziellen Verweigerung von Restitution an den Opfern des Massakers … in Distomo etwa, um wieder nur ein Beispiel von vielen zu nennen.

Sehen Sie, und daß da irgendetwas faul daran ist, daß da mit so überaus rechtstaatlichen Mitteln immer noch eine alte Kumpanei spürbar wird, die Kumpanei mit den Massenmördern als Individuen, während andererseits eben jenes Morden allgemein immerfort öffentlich laut verurteilt, und dessen Opfer insgesamt und als Kollektiv ständig ritualisiert von den Repräsentanten der Täternachfahrengesellschaft „betrauert“ werden, das finde ich einfach nicht normal. Und neben unbestraften Tätern einherlebend werden wir hier auch nicht normal. Und wenn der letzte unbestraft unter uns lebende Täter in hohem Alter beim Heckenschneiden im Garten seines Reihenhauses – sagen wir beispielsweise in Bielefeld -, bezahlt mit seiner Kriegerpension, oder wenn er bei der Waffen-SS gewesen, mit Spendenmitteln der HIAG, endlich von der Leiter gefallen ist, dann haben wir auch gar keine Chance mehr, wenigstens am letzten lebenden Fall noch etwas in Ordnung zu bringen. Dann haben wir die letzte Chance vertan, normal zu werden.
Solche bösen Gedanken kommen mir immer, wenn ich durch den momumentalen most exciting tourist sightseeing point of the Hauptstadt gehe.

Die Eva, der Johannes und die Deutschen

Leider gab es den erfrischenden Artikel im aktuellen Stern über die Herman, den Kerner und die Deutschen nicht online, weil er der Titel ist, und so muß man den Stern mal wieder kaufen. Aber er ist wirklich gut: „Eva in der Nazifalle“, von Stefan Schmitz. Da stehen solche Sätze drin, wie:

„Aber ist es richtig, dass vor den Fernsehern Millionen Zuschauer sitzen, die denken, was man im Fernsehen nicht sagen darf? Natürlich nicht. Eine einfache Regel würde weiterhelfen: Volksverhetzer muss man bekämpfen, Ahnungslose informieren.“ Und:

„Wenn sich die Klassensprecher der Ahnungslosen melden, sollen sie reden. Auch Falsches und schwer Erträgliches. Das nervt. Aber wir müssen ihnen antworten, statt sie rauszuschmeißen.“

Richtig! Aber trotzdem: Was für ein Armutszeugnis für 50 Jahre Geschichtsunterricht nach Auschwitz durch Massenmedien und Schule, daß solche einfachen Fakten wie die Bedeutung der Autobahn, die Ursachen für die drastische Verringerung der Arbeitslosigkeit, und die Wahrheit über Mutterglück und Familienpolitik im NS-Staat von 20% der Deutschen heute nicht gewußt sind! Entweder lernt man in Deutschland gaaaaanz langsam, oder man hat ein furchtbar schlechtes Gedächtnis, oder irgendetwas stimmt nicht mit den Lehranstalten oder mit der Lehre.

Holocaust und Nationalsozialismus im Unterricht

– „Überlegungen zu einer zeitgemäßen Vermittlung“ war das Thema einer Fachtagung der Bundeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Kultusministerkonferenz am 23./24. 4. 07 in Berlin. Etwa 70 Lehrer, Lehrerausbilder und –fortbildner, Vertreter der Bundeszentrale, Mitarbeiter und Repräsentanten von Kultusministerien und Schulbehörden, von Gedenkstätten, Instituten, Stiftungen und Berufsverbänden, sowie Fachdidaktiker für Geschichte und Politische Bildung trafen sich zu Erfahrungsaustausch und Debatte.

Ausgangspunkt der Diskussion um eine neue Didaktik der Erziehung nach Auschwitz waren verschiedene Ereignisse bzw. Befunde:

1. das Aussterben der Zeitzeugen und die Historisierung des Holocaust sowie die daran anknüpfende Forderung des Zentralrats nach Einführung eines Unterrichtsfaches „Holocaust Education“ in den Schulen;
2. empirische Befunde im paradoxen Feld von „Übersättigung“ bzw. „Ahnungslosigkeit“ der Jugendlichen bezüglich des Themas Holocaust;
3. die Frage, was die Beschäftigung mit dem Holocaust für die wachsende Zahl von Jugendlichen mit Migrationshintergrund bedeutet.

Dietmar von Reeken, Prof. für Geschichtsdidaktik an der Universität Oldenburg, sprach in seinem Vortrag über den Stellenwert des Geschichtsunterrichts in der Auseinandersetzung mit Holocaust und NS. Seine Analyse: Der Gegenstand ist geprägt durch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und hohe mediale Präsenz, die bisher im Unterricht nicht thematisiert wird; wegen des Chronologie-Prinzips im Geschichtsunterricht kommt das Thema erst spät im Unterricht vor, obwohl die Schüler in ihrer außerschulischen Sozialisation schon Jahre früher damit in Berührung kommen; neue Unterrichtsmodelle orientieren sich weitgehend an der gymnasialen Oberstufe, obwohl die meisten Schüler mit Affinität zum Rechtsextremismus aus „bildungsfernen“ Schichten stammen; der traditionelle Unterricht berücksichtigt bisher nicht den völlig anderen Zugang von Schülern mit Migrationshintergrund; die Einstellung zum Gegenstand ist moralisch vorgegeben: „Schüler wissen genau, welche Haltung dazu von ihnen erwartet wird“, was zu einer Anpassung an fertige gesellschaftliche Urteile führt; statt Pluralismus im Geschichtsunterricht, der verschiedene Deutungen zur Debatte stellen müsste, orientiert sich der traditionelle Unterricht zum Thema Holocaust an dem Wunsch, eine solide kognitive Basis und eine Verinnerlichung der gesellschaftlich erwünschten Haltung herzustellen. Fazit: „Vieles davon spricht für eine geringe Wirksamkeit des Geschichtsunterrichts.“
Von Reekens Forderung an kompetenzorientierten Geschichtsunterricht: Schüler müssen Strategien entwickeln, mit gesellschaftlichen Diskursen und mit den Medien umgehen zu können – und zwar dann, wenn sie aktuell sind, nicht erst, wenn das Thema Holocaust im Rahmenplan „dran“ ist.

Dirk Lange, Leiter des Instituts für Politikwissenschaft an der Universität Oldenburg und Vorsitzender des Deutschen Verbands für Politische Bildung (DVPB), formulierte vier Kompetenzen der Politischen Bildung, in denen er die von von Reeken geforderte Diskurskompetenz noch weiter zuspitzte: Mit der vierten, der geschichtspolitischen Kompetenz verstehen die Schüler, daß die Deutung von Geschichte ein interessengeleiteter politischer Prozeß ist. Sie begreifen, wie in der Gesellschaft versucht wird, individuelle Geschichtsdeutung zu allgemein verbindlicher zu erklären. Die Schüler müssen diesen Prozess nicht nur verstehen, sondern ihn auch selbst mitgestalten lernen.

Robert Sigel, Historiker und Mitarbeiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, legte erste Auswertungen seiner Studie an bayerischen Schulen vor, in der sich zeigte, daß Schüler in der Regel ein großes Interesse am Thema Holocaust und NS mitbrachten – schon lange vor der Behandlung im Unterricht – und sich meist zufrieden mit dem Unterricht zum Thema zeigten. Diejenigen, die unzufrieden mit dem Unterricht waren, wollten anschließend keinen weiteren Unterricht in dieser Weise. Die befragten Lehrer waren jedoch weit mehr enttäuscht von den Unterrichtsergebnissen als die Schüler – was daher rührte, daß sie häufig die von ihnen bei den Schülern intendierte Form der Betroffenheit vermißten.
Deutlich wurde hier vielen Tagungsteilnehmern, daß eine Abwehrreaktion von Schülern gegen eine Wiederaufnahme des Themas in einem zweiten Geschichts-Durchgang in der Oberstufe des Gymnasiums daher rührt, daß der erste Unterricht meist nicht am persönlichen Sinn der Schüler angeknüpft und stattdessen die Schülerfragen ignoriert hatte. Das scheinbare Paradox „Übersättigung“ und „Ahnungslosigkeit“ löst sich somit in dem Befund auf, daß eine andere Art von Unterricht erforderlich ist, statt mehr vom selben.

Deutlich wurde in diesen Beiträgen, in der Plenumsdiskussion sowie im Workshop III („Außerschulische Lernorte als Bausteine zur Unterrichtsgestaltung“) zum zweiten, daß eine solche andere Art von Unterricht nur in der Entwicklung einer neuen Lernkultur liegen kann, die in Abkehr vom normativ bevormundenden Unterricht nach instruktivistischer Tradition Modelle projektartigen, subjektorientierten und selbstbestimmten Lernens auch mit außerschulischen Kooperationspartnern entwickelt, erprobt und institutionalisiert. Auf die von einigen Teilnehmern skeptisch erhobene Behauptung hin, solche Art Unterricht sei nur etwas für die gymnasiale Oberstufe und Schüler müßten überhaupt erst eine mit vielem kognitiven Wissen abgestützte „Fragekompetenz“ entwickelt haben, gaben andere Teilnehmer Hinweise auf erfolgreich durchgeführte Projekte mit professionellen Produkten als Ergebnis auch in der Hauptschule.

Der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) stellte seine Thesen und Forderungen zum Geschichtsunterricht über NS und Holocaust vor, die in einer Broschüre veröffentlicht werden, herausgegeben vom Leo Baeck-Institut.
Zentralen Stellenwert hat darin das Konzept der
„Integrierten deutsch-jüdischen Geschichte“ , das in einem aktuellen Heft der bpb-Publikationsreihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ 14-15/2007) von Saul Friedländer vorgestellt wird.

Hingewiesen sei noch auf die interessanten Vorträge von Karl-Peter Fritzsche zur Menschenrechtserziehung und von Robert Sigel zum internationalen Ansatz der Holocaust Education. In beiden Konzepten geht es um die Universalisierung der Lehren aus dem Holocaust, um Werteerziehung und Erziehung zur Demokratie. Vor allem Karl-Peter Fritzsches Vortrag zeigte dabei deutlich, daß die Schule nicht nur einen neuen Unterricht und eine neue Lehrerrolle, sondern ebenso die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur benötigt, in der Schüler nicht nur ÜBER den Holocaust als worst case–Folge undemokratischer Gesellschaft kognitives Wissen sammeln, sondern Demokratie durch eigene Partizipation an der Gestaltung ihrer Umwelt – der Schule – erleben können.

Bilder vom Holocaust-Mahnmal

Mahnmal1

Mahnmal2

Mahnmal3

Mahnmal4

Aber was hast Du auf dem vierten Bild eigentlich fotografiert? Den Hubschrauber am Himmel? – das fragte mich G., dem ich die Bilder zeigte.

Ich habe das Mahnmal mit Kontext fotografiert – Hubschrauber, umliegende Häuser, Menschen die sich darin aufhalten –, denn mir ist aufgefallen, daß viele offizielle Fotos das Mahnmal als Objekt ohne Umwelt abbilden und ohne Besucher. Das Stelenfeld selbst, in „reinem“ Zustand, die Tafel mit der Besucherordnung, die verlangt, daß man nicht läuft, nicht raucht oder ißt, nicht laut redet, nicht auf den Stelen herumturnt, irritieren mich. Der „reine“ Zustand, das ist eine Interpretation dieses Monstrums, die „erhabene“ Gefühle hervorrufen will. Ich habe dann den starken Eindruck, daß es eigentlich ein Mahnmal der Selbstdarstellung der Berliner Republik ist, eine Performance fürs Ausland: „Schau her, Welt, wie perfekt wir die Sünde unserer Väter bewältigt haben“. (Kopf geneigt, Augen niedergeschlagen, Hände vorm Sack zusammengelegt und in „Betroffenheit“ gemacht.) Und gleichzeitig die obszöne geizige Art der Zwangsarbeiterentschädigung, das Feilschen um jeden Euro, der nicht gezahlt werden muß und die letztlich lächerlichen Summen, die ausgezahlt werden. Und immer weniger Überlebende, die überhaupt noch entschädigt werden können/müssen. Und immer noch aktuelles Geschehen, gerade letztens wieder: Erwiesene Täter, die nicht ans Ausland ausgeliefert werden, wo sie ihre Taten begangen haben, nach deutschem Recht aber nicht verurteilt werden, weil zwar Mord nicht verjährt, aber nur der hier als Mörder gilt, der die „Liquidierung“ eigenhändig vorgenommen hat, nicht der, der sie angeordnet oder beaufsichtigt hat. Immer noch eine Art Komplizenschaft. Im Deutschen Historischen Museum gibt es in der Abteilung Holocaust kein einziges Foto von einem Täter. Nicht einmal ein Bild von Himmler. Ein Verbrechen ohne Täter. Etwas Eigenartiges ist geschehen, wofür das Mahnmal ein Beispiel ist: Das Verbrechen wird ausschließlich mit den Opfern in Zusammenhang gebracht – nicht mit den Tätern. Man ist dabei, den Opfern individuelles Gesicht zu geben, das ist löblich. Die Ausstellung – genannt „Ort der Information“ – tut das ganz vorbildlich. Aber es ist eben kein einziger Täter zu sehen. Du siehst die Bilder von Ermordeten, aber keinen, der es getan hat. All diese grinsenden und lachend mit ihren Opfern posierenden Wehrmachtssoldaten, die man in der 1. „Wehrmachtsausstellung“ auf Landserfotos zuhauf hat sehen können – wo sind sie auf einmal? Wie weggeblasen! In Yad Vashem ist das richtig. In Deutschland ist es falsch.
Die Befürchtung Walsers, es handle sich um die „Dauerpräsentation unserer Schande“ ist völlig abwegig. Im Gegenteil: Das Denkmal heißt im Metatitel: „Wir sind wieder gut.“

Israel – Deutschland – Israel

Empfehlen möchte ich ein Buch, das der Autor gestern in Hamburg vorstellte :

Moshe Zuckermann, Israel – Deutschland – Israel. Reflexionen eines Heimatlosen, Wien 2006 (Passagen Verlag), 219 Seiten, 26 Euro

Moshe Zuckermann, geboren 1949 in Tel Aviv als Sohn Shoah-Überlebender, verbrachte seine zweite Lebensdekade in Frankfurt, wo er mit Adorno und Horkheimer bekannt wurde. In der Hoffnung auf das spezifisch zionistische Projekt eines sozialistischen Staates im Nahen Osten zog Zuckermann 1970 zurück nach Israel, wo er seine wissenschaftliche Karriere mit einem Soziologiestudium begann und seither lebt. Zuckermann ist marxistischer Soziologe und Historiker. Seit 1990 lehrt er am Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas an der Universität Tel Aviv und war von 2000 bis 2005 Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte in Tel Aviv. Als heimatlos erlebt er sich nicht nur wegen der Unmöglichkeit, sich als überlebender Jude in Deutschland beheimatet zu fühlen, sondern auch wegen der fundamentalen Enttäuschung seiner sozialistisch-zionistischen Hoffnung, die durch die Folgen der Besatzungspolitik Israels seit dem Sechstage-Krieg 1967 ausgelöst wurde. Heimat – so zitiert Zuckermann Ernst Bloch – ist erst möglich, wenn die Gesellschaft befreit ist.

Sein neues Buch verknüpft persönliche Lebenserfahrung mit weltgeschichtlich bedeutsamem Kontext. Eine Autobiografie zu verfassen, hält sich Zuckermann für nicht bedeutend und noch nicht alt genug, wie er gestern bei der Buchvorstellung in der Universität Hamburg bekannte. „Seinen Narzißmus sollte man privat ausleben – nicht öffentlich“, befand er. Jedoch besteht durch die Kontingenz seiner Geburt in den besonderen zeiträumlichen Zusammenhang die Möglichkeit, soziale und politische Geschichte anhand ihrer Spuren im persönlichen Erleben Zuckermanns aufzudecken. „Weil ihm das besondere Schreibtalent eines Klaus Mann“ fehle, habe er besondere Aufmerksamkeit auf die Methode seiner Darstellung verwenden müssen – und dabei eine Methode entwickelt, mit der die Umsetzung seiner Intentionen gelungen ist, wie ich finde:
Das Buch besteht aus drei Teilen – der erste Teil: die 50er Jahre in Israel, der zweite: die 60er Jahre in Deutschland und der dritte wieder Israel seit 1970. Die einzelnen Kapitel – jeweils fünf in den ersten beiden Teilen und acht im dritten Teil – behandeln jedes einen besonderen Aspekt der israelischen bzw. deutschen Geschichte. Sie sind alle ebenfalls dreiteilig konstruiert: Zunächst schildert Zuckermann ein persönliches Erlebnis oder eine Anekdote, an deren Kern im zweiten Teil ein besonderer Aspekt des historischen Kontexts entfaltet wird; schließlich rekurriert er im dritten Abschnitt wieder auf die Anekdote, die er nun mittels des gewonnenen Kontextwissens abschließend interpretiert.

Die Verknüpfungen und Befunde sind durchweg interessant und überzeugend. In den historisch-soziologischen Teilen des gesellschaftlichen Kontexts ist Zuckermanns Sprache dem Gegenstand angemessen diszipliniert – in den anekdotischen Teilen ist sie durch unnötige Überladung mit Adjektiven, Pathos und Selbstparaphrasierungen umständlich, wirkt wie eine versuchte Thomas-Mann-Stilkopie und verleiht den Anekdoten beinahe tragisches Gewicht. Schade – ein wenig Humor und Leichtigkeit hätte den Anekdoten besser gestanden und dafür dem Kontext mehr Gewicht beigemessen, der – zumindest laut Absichtserklärung – der Hauptgegenstand sein sollte.
Ich kann dem Eindruck nicht widerstehen, hier den Narzißmus, der privat bleiben sollte, doch noch veröffentlicht zu sehen.

Auf der gestrigen Veranstaltung wurde – wie zu erwarten war – nur zum dritten Teil des Zuckermannbuches gefragt und diskutiert: Welche Perspektive sieht Moshe Zuckermann für Israel? Zuckermann wiederholte und präszisierte hier den schon 2003 in seinem im Konkret-Verlag vorgelegten Band Zweierlei Israel? überzeugenden Befund:
„Israel hat alle Karten in der Hand“, so Zuckermann. Weil die Region in Zukunft die zentrale Bedeutung in der Auseinandersetzung zwischen dem Westen und dem sich herausbildenden neuen Osten (China, Indien) haben wird, kann Israel nur überleben, wenn es zu einem Frieden in Nahost kommt. Israel braucht den Frieden für seine Existenz, die davon abhängen wird, ob es als ein Land in der Region akzeptiert wird. Diese Akzeptanz wird jedoch nicht – oder zumindest nicht allein – mit militärischer Stärke erreicht. Aber auch die Palästinenser brauchen zum Überleben den Frieden. Israel muß sich mit Notwendigkeit aus den besetzten Gebieten zurückziehen, alle Siedlungen abbauen, die Jerusalemfrage zur Verhandlung stellen und symbolisch das Rückkehrrecht der Flüchtlinge anerkennen. Das sind nach Zuckermann die Voraussetzungen für eine Zukunft Israels. In einer ersten Phase liege die Zukunft in der Zweistaatenlösung mit der nationalen Selbstständigkeit der Palästinenser. Für eine langfristige Perspektive sieht Zuckermann die Notwendigkeit der Überwindung des Nationalstaats – parallel zur globalen Entwicklungstendenz der Entstaatlichung –, nämlich die Entwicklung zu einer föderativen Struktur (Israel, Palästina, Syrien, Jordanien), in der gravierende gemeinsame ökologische und ökonomische Probleme – wie etwa das zentrale Problem der Wasserversorgung – in gemeinsamer Aushandlung gelöst werden können.

Auf die Frage aus dem Publikum, wer denn „Israel auf die Sprünge helfen“ könne, da es offenbar selbst diesen Weg in die Zukunft nicht fände, antwortete Moshe Zuckermann unmißverständlich: Deutschland jedenfalls nicht! Auch Amerika wird es nicht können, da es seine Nahost-Politik erst dann ändere, wenn es Israel nicht mehr für seine geopolitischen Interessen einsetzen könne, sondern sich im Gegenteil durch Israel in seinen geopolitischen Interessen bedroht fühlt. Dann aber würde Amerika „Israel möglicherweise fallen lassen wie eine heiße Kartoffel“. Israel wird seine Gesellschaft selbst befreien müssen, so Zuckermann. Die Ermordung Rabins sei eine Tragödie gewesen, denn dieser habe die Unvermeidlichkeit der Rückgabe der Gebiete begriffen und auch das nötige Charisma besessen, um in Israel diese Politik ohne Bürgerkrieg durchzusetzen.

Trotz des kritisierten Stils – Geschmacksfrage vielleicht – ist das neue Zuckermann-Buch nicht nur eine Fundgrube für Informationen über die Geschichte Israels und des Nahostkonflikts, es gibt auch eine interessante Perspektive auf deutsche Geschichte in den 60er Jahren.

In ak – analyse & kritik – ein sehr interessantes Interview mit Moshe Zuckermann über sein Buch, die deutsche Linke und Israel und über den vergangenheitspolitischen Diskurs in Deutschland

Das Geheimnis, zweiter Teil

Endlich mal was Gescheites zum Thema Nationalfahnenschwenkerei:

Klaus Hurrelmann, Bielefeld – oder war es nun Klaus Boehnke, Bremen? – das ist etwas unklar, aber nicht so wichtig, dafür ist wichtig, daß die Einschätzung richtig:
via amazemans journal (Rechtschreibung bereinigt):

„Also ich würde garnicht mal das Argument bemühen, daß Deutschland ein schwieriges Vaterland ist, dem man sich nicht wirklich mit der Nationalfahne irgendwie präsentieren sollte.
Was mir als wichtiger erscheint ist, daß diese nationale Symbolik ja etwas aus meiner Sicht völlig Altmodisches ist. Nation und Patriotismus und Schwarz, Rot, Gold ist etwas, das kommt aus dem 19. Jahrhundert, und hier wird einfach so getan, als würde es taugen für das 21. Jahrhundert, und in diesem Sinne wird Rückbesinnung verlangt. Und das kann eigentlich nicht stimmen – wir können uns nicht auf etwas rückbesinnen, das im 19. Jahrhundert hervorgebracht wurde.“

Und hinzuzufügen wäre: Wir wollen und dürfen uns auch nicht auf etwas rückbeziehen, was wir im 21. Jahrhundert, in dem es mit der Bedeutung des Nationalstaats rasant zuende geht, nicht nur nicht mehr gebrauchen können, sondern was uns auch am Erwerb von Zukunftsfähigkeit behindert.

Im Gegensatz dazu stimmt die Freude über die „Normalität“ nationalstaatlicher Gefühlswelten der Linken, die Gysi als Vertreter der nationalen Linken befällt, eher traurig. Zeigt das doch, daß diese Linke nicht Avantgarde, sondern Nachhut ist:

„Die Konservativen haben Deutschland immer als eine Nation verstanden, zu der zumindest bestimmte Linke nicht dazugehören. Diese Linken haben das irgendwann akzeptiert und sich nur noch außerhalb und gegen die Nation definiert. Das war zwar verständlich, aber ein Fehler. Eine Linke mit einem so gestörten Verhältnis zur Nation kann natürlich nie mehrheitsfähig werden. Eine Nation, die man nicht will, kann man nicht führen. Da ist ein Widerspruch im Kopf und ein Widerspruch im Herzen.“

Na gut, Nachhut hat auch ihre Funktion und wird gebraucht. Allerdings hat „die Linke“ eigentlich andere Aufgaben. Und wer übernimmt diese jetzt?

'Was "wir" nie sagen durften …'

Bei Thomas Immanuel Steinberg heute entdeckt:
„Helmut Kohl soll dem iranischen Präsidenten Achmadi Nedschad beigepflichtet haben: Der Holocaust sei ein Mythos.
Iran Focus meldet, der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl habe Geschäftsleuten in Deutschland erzählt, er stimme mit Erklärungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadi Neschdad überein: Der Holocaust sei ein Mythos. Das habe die halb-offizielle Tageszeitung Jomhouri Islami am Montag, dem 6. März 2006 berichtet, die auf Farsi erscheint. Iran Focus ist ein westlich orientierter englisch- und französisch-sprachiger Internetauftritt. Die regierungseigene Jomhouri Islami behaupte, so Iran Focus, Kohl habe sich bei einem Gala-Diner mit iranischen Hoteliers und Unternehmern für „herzlich einig“ mit Ahmadi Nedschad erklärt. „Was Ahmadi Nehdschad über den Holocaust gesagt hat, war in unserer Brust… Seit Jahren wollten wir das sagen, aber wir hatten nicht den Mut, es auszusprechen.““

weiter bei SteinbergRecherche

Empörende Kontinuität

Die BRD – pardon: Deutschland! – hat sowohl Diskontinuität als auch Kontinuität zu ihrer – seiner – Vorgängergesellschaft, dem Deutschen Reich Nr. 3 – sprich der NS-Gesellschaft. Hartnäckig scheinen sich die Kontinuitäts-Aspekte vor allem in der Bundeswehr zu erhalten, bzw. im Umgang mit dem Erbe der Deutschen Wehrmacht – konkret: im Bundesbesoldungsgesetz vom März 1992.
Einen Bericht über ungeheuerliche Identifikations-Praxis mit der NS-Armee kann man in der aktuellen Zeit lesen – leider mal wieder nicht online -: In der Ausgabe Nr. 48, S. 21 ist eine gekürzte Fassung des Artikels „Die Braunlage“ von Daniela Dahn abgedruckt, der im Kursbuch Nr. 162 „Ritter, Tod und Teufel“ heute erschienen ist.
Darin wird z.B. aufgedeckt,

  • daß „militärische Ehren (etwa bei Begräbnissen) neben Bundeswehrangehörigen auch ehemaligen Berufssoldaten der Deutschen Wehrmacht, der Reichswehr und der Armeen und der Marine des Kaiserreichs zustehen, nicht aber einstigen NVA-Angehörigen“, es sei denn, sie hätten vorher auch in der Wehrmacht gedient
  • daß „nach wie vor geächtet sind diejenigen Militärs, die zu den Partisanen, zur Résistance oder zu den Truppen der Alliierten übergelaufen sind, die die Zivilbevölkerung gewarnt oder gar die eigenen Soldaten über die Lautsprecher des Nationalkomitees Freies Deutschland aufgefordert haben, ihre Waffen gegen Hitler zu richten, wie etwa Graf Heinrich Einsiedel. Sie alle gelten bis heute als Kriegsverräter. Ihre Jahre im Widerstand werden nicht auf die Rente angerechnet.“
  • daß „das Bundesbesoldungsgesetz vom März 1992 (…) alle öffentlich-rechtlichen Dienstherren in Nazideutschland und in den besetzten Gebieten gemäß Art. 131 des GG weiterhin als rentenrelevant an(erkennt), während ’systemnahe‘ DDR-Angestellte Abstriche bei der Rentenberechnung hinzunehmen haben. So wurde einem Dozenten einer Ingenieur-Fachschule mitgeteilt, dass seine DDR-Rente von 1200 Mark eingefroren werde, bis überprüft sei, ob sie auf ‚Unrechtsentgelten‘ beruhe. Er bekam zunächst nur eine Anhebung um etwa 100 Mark. 1994 erfolgte die Neuberechnung nach dem Sozialgesetzbuch VI. Nun holte der Ingenieur seine Vergangenheit als junger Ministerialbeamter in Görings Luftfahrtministerium ein. Den alten Mann traf fast der Schlag, aber vor Freude: Die monatliche Rente betrug nun 4997 Mark, und obendrein gab es auch noch eine Nachzahlung von 149 900 Mark.“

Wie war das? Wir sind ein Vorbild für die Welt in der „Vergangenheitsbewältigung“? Das möchten wir wohl gerne! Und gerne läßt sich die Öffentlichkeit dieses auch noch mit jüdischem Siegel versehen, denn dann gilt es besonders und wäscht die Weste so weiß, weißer gehts nicht. Vielleicht sollte man Daniel J. Goldhagen und Avi Primor, deren Persilscheine für die geläuterte bundesdeutsche Gesellschaft immer gern genommen und zitiert werden, doch mal den Aufsatz von Daniela Dahn zukommen lassen, damit sie mit der Scheinvergabe etwas vorsichtiger werden.

Der ZEIT immerhin ist dieser Vorabdruck hoch anzurechnen. Und als optimistischer Pessimist hoffe ich mal wieder, daß es etwas bewirkt – nämlich einen entsetzten Aufschrei in der Öffentlichkeit, die auf sofortige Gesetzesänderungen dringt. (Aber womöglich verhalte ich mich damit auch nur wie Goldhagen und Primor – man kann es einfach nicht lassen mit dem Glauben an das Gute im Deutschland.)

Du bist Deutschland – Bundesbesoldungsgesetz vom März 1992!

Simon Wiesenthal

Zum Tod des „Nazijägers“ Simon Wiesenthal gibt es angemessene Nekrologe in SZ und Taz. Die SZ betont vor allem, daß nicht Rache, sondern Recht das Leitmotiv für Wiesenthals einzigartige Dedektivarbeit war, die Taz zitiert sein Ziel: „Der einzige Wert meiner Arbeit ist es, die Mörder von morgen zu warnen“. Für dieses Ziel sowie für seine Recherche-Erfolge ist Simon Wiesenthal von vielen, denen daran gelegen war, daß die Naziverbrechen und vor allem die Verfolgung der Täter dem Vergessen anheimfallen sollten, geschmäht und angegriffen worden. In beiden Nachrufen wird Wiesenthals „Nicht Rache-sondern Recht“- Motto belegt mit dessen Haltung in der Waldheim-Affäre. Die SZ begründet die Feindschaft gegenüber Wiesenthal mit der Aufdeckung der Nazivergangenheit von Ministern im Kreisky-Kabinett und mit dem Kalten Krieg. Hier wäre – was aber in beiden Zeitungen fehlt – auch davon zu reden gewesen, daß die Errichtung und Konsolidierung der Bundesrepubliken Deutschland und Österreich auf einem Kompromiß mit den ehemaligen Nazi-Eliten in AA und Justiz sowie auf einem Arrangement mit dem fortdauernden antisemitischen Affekt in weiten Teilen der Bevölkerungen beruhte: So mußte das Simon-Wiesenthal-Zentrum häufig erleben, daß von ihm aufgespürte und überführte Täter von Polizei oder Gericht wieder ungestraft in die Freiheit entlassen wurden.
Befremdlich ist eine weitgehend unbekannte Animosität des beliebten Kinderbuchautors Janosch, der in seinem Kinderbuch „Hasenkinder sind nicht dumm“ die Figur des Hasen „Wiesenthal“ auftreten läßt, der nicht müde wird, die Hasenkinder vor dem Fuchs zu warnen. Der „Hase Wiesenthal“ ist dort aber eine lächerliche Figur, denn er ist nicht in der Lage, die Tarnungen des Fuchses zu durchschauen, den er immer nur an seinem „buschigen Schwanz“ erkennen kann. Merkwürdige und angesichts der Fahndungserfolge Wiesenthals unangebrachte Häme. Und wozu im Kinderbuch??
Spannend Auskunft über sein Lebenswerk und seine dedektivische Arbeit und ebenso über den Umgang der staatlichen Stellen mit seinen Erfolgen gibt Simon Wiesenthal selbst in seiner Autobiographie „Recht, nicht Rache“.

60 Jahre

Die bisher beste KURZE ÜBERSICHT über die Geschichte der deutschen Vergangenheitsdebatte gibt es kostenlos auf der Website der „Blätter für deutsche und internationale Politik“: Niederlage, Befreiung oder Sieg. Der 8. Mai im Spiegel seiner Jubiläen, von Gerd Wiegel. Zum Schuppen-von-den-Augen-Fallen für alle, die sich aus Zeit- oder Euromangel den Norbert Frei (s. Sidebar Bücher) nicht leisten dürfen zu erlauben können möchten.
Der Wiegel war im Maiheft der Blätter. Die Juni-Ausgabe ist so voll von interessanten Beiträgen zur Hilflosigkeit der Linken wg. Globalisierung und „dürftigen Geschichtsbewußtseins“ (Norman Birnbaum), zu Europa und Holocaust-Gedenk- und ebenso Schlußstrichpolitik, daß wer jetzt keinen hat, sich schleunigst einen Fortbildungsurlaub nehmen sollte. Und wenn das geklappt hat, dann geht auch der Götz Aly.