Collaboration is it!

Danke Theo Byland für dies und den Fingerzeig zu Tim Krumkühlers das , wo es am Ende dieses für mich gab:

Genau: Zusammenarbeit ist das Hauptmerkmal des Lernens im 21. Jahrhundert, und es wird auch das Hauptmerkmal des Lernens in Schule werden, wenn Schule (wieder) funktionieren soll. Und ohne Internet ist Zusammenarbeit wie Party im Schneckenhaus des Einsiedlerkrebses.

9 Gedanken zu „Collaboration is it!

  1. Zusammenarbeit ist das Hauptmerkmal des Lernens im 21. Jahrhundert? Das seh ich anders: Ich lerne als Individuum. Jeder der Musiker in dem Video saß unzählige Stunden mit ihrem/seinem Instrument im stillen Kämmerlein, bevor sie diese Performance hinlegen konnten. Das Video zeigt zudem, wann Zusammenarbeit besonders gelingt: nicht im Internet, sondern wenn man sich trifft.

    • Ja, Lernen ist auch individuell. Und ja, Zusammenarbeit geht gut, wenn man sich trifft. Aber das sind m.E. nur scheinbare Paradoxien, die du da aufmachst: „Individuum vs. Kollektiv“ oder
      „Netz vs. Treffen“.
      Ich z.B. hätte dieses Video, das ich übermorgen gut in meinem Referendarsmodul gebrauchen kann, nicht „per face2face-Treffen“ gefunden und auch nicht durch Nachdenken oder Surfen im „Stillen Kämmerlein“. Darum habe ich ja nicht nur das Video gezeigt, sondern auch den Weg zu diesem Fundstück – ein Serendipity-Arbeitsmaterial 1. Güte für mich. Und dieser Weg, der mich über Byland und Krumkühler führte, zeigt a) Zusammenarbeit und b) Netz.
      Es ist auch nur ein einziges Beispiel, grad aus dem realen Praxisleben, ich habe 10 davon am Tag! Und ohne mein Netzlerncommunity wäre ich niemals dahin gekommen, wo ich bin – im Kopf, mit meiner Praxis und mit dem wirklich facettenreichen angesammelten Wissen. Ich kann mir inzwischen wirklich nicht mehr vorstellen, wie ich ohne Internet und ohne Lerngemeinschaft mich weiterentwickeln und die Sachen lernen könnte, dich ich lernen möchte und von denen ich glaube, dass ich sie lernen muss.
      Das Video zeigt einfach nur schöne Zusammenarbeit. mehr aber auch nicht. Man darf es jetzt nicht zu wörtlich und zu sehr überstrapazieren.

      Aber, by the way – was machst Du eigentlich hier? Du würdest deine Aktivitäten hier sicher nicht lernen nennen. Die kulthistorische Schule der Psychologie, die Konstruktivistische Pädagogik und die konnektivistische und viele andere nennen das aber Lernen. Implizites, vernetztes, situiertes, selbstgesteuertes Lernen. Und echt, wenn nicht ich oder du oder wir beide hier mit unserer Diskussion was lernen würden, dann würde sie doch gar keinen Sinn machen, oder?
      Ja, und genauso lernen natürlich auch Schüler, wenn man es ihnen gestattet.

  2. Was ich hier mache? Ich beherzige den Rat von Peter Kruse: Bauen Sie Systeme, die stören! In meinem Netzwerk bist du (das ist jetzt nicht als Beleidigung, sondern als Kompliment gemeint) eine Person, die mich mit ihren Thesen stört, also nach Kruse ein „creator“.

    Ich mag es, mich mit dir auszutauschen und dabei lerne ich ganz viel. Auch ich finde über die Zusammenarbeit im Netz täglich neue Texte, Termine, Videos etc., die mich weiterbringen. Das gilt natürlich auch für junge Leute – die lernen durch Twitter, Blogs etc. natürlich auch ganz viel – da bin ich völlig bei dir.

    Vielleicht hat mich an deinem kurzen Text nur gestört, dass das Wort „Zusammenarbeit“ so stark mit „Internet“ gleichgesetzt wurde. Zusammenarbeit ohne Internet ist nicht automatisch eine Party im Schneckenhaus und das Internet ist auch nicht der Retter des Schulsystems (das hast du jetzt so nicht geschrieben, aber das in deine Aussage hineinzulesen ist auch nicht ganz falsch, oder?).

    In manchen Punkten funktioniert Zusammenarbeit im Netz hervorragend. Wenn ich mit meiner Lektorin einen Text überarbeite, müssen wir uns nicht treffen – es geht alles viel effizienter und zielführender im Netz. Aber diese Arbeit im Netz macht vielleicht 5% von den Tätigkeiten aus, bei denen ich mit jemandem zusammenarbeite.

    Und besonders bei Schülerinnen und Schülern finde ich es wichtig, dass sie die Zusammenarbeit in ihrem Umfeld – sprich: in der Klassengemeinschaft vor Ort lernen. Zusammenarbeit im Netz ist für mich fast immer sekundär.

    Anders ausgedrückt: Wenn Schule (wieder) funktionieren soll, muss die Zusammenarbeit vor Ort, die Zusammenarbeit in der Klasse, im Kollegium und mit den Eltern gestärkt werden. Ist der Grundstein gelegt, kann die Zusammenarbeit im Netz fortgesetzt werden.

    • Ja, genauso. Die Systemtheoretiker nennen es – Lernen! – Perturbationen durch die Umwelt, auf die das System selbstgesteuert reagiert. Die Tätigkeitstheoretiker sehen Lernen als gesellschaftliche Tätigkeit an, und der Hirnforscher Gerhard Roth nennt das Gehirn ein „soziales Organ“. Ich ko-konstruiere mein Verständnis von Lernen mit dir zusammen, Tobias, hier in unserem gemeinsamen „Tanz“ in den Kommentaren. (So sehen es die aktuellen Konstruktivisten.)
      Wenn wir uns auf dieses Verständnis von einem komplexen – nicht bloß additiven – Zusammenhang zwischen Individuellem / autopoietischen /subjektivem Lernen und kollaborativem / sozialen / kollektivem Lernen einigen könnten, dann hätten wir auch noch ein gemeinsamens Verständnis ko-konstruiert. Aber muss ja nicht! Ich freue mich, wenn es hier Widerspruch und Auseinandersetzung gibt. Ohne das gibt es für mich wenig zu lernen. Ich brauche Sparringspartner, um mein Verständnis von der Welt zu konstruieren.

      Aber die Schule, in der und für die ich seit nunmehr 52 Jahren spiele/lerne/arbeite: Wie funktioniert sie?
      Sie ist noch bis weit in die Internetzeit hinein in allen ihren Aspekten bemüht, so wenig Zusammenarbeit wie möglich zu gestatten. Nein, nicht nur bei der Klassenarbeit darf man nicht „abschreiben“. Auch die Hausaufgaben muss man ganz alleine machen, und während des Lernens darf nicht unaufgefordert gesprochen werden. Und wenn es denn doch mal eine Gruppenarbeit geben soll (wegen Teamfähigkeit, das verlangt das spätere Leben und der Arbeitgeber), dann werden die Teampartner vom Lehrer bestimmt, es werden Rollen verteilt (nummerierte Köpfe), und es wird arbeitsteilig gearbeitet und hinterher zusammengesetzt. Und wehe, man kann nicht sehen, wer was in dem addierten „Gemeinschaftsprodukt“ hergestellt hat! Man muss ja schließlich die Individuen einzeln bewerten können! Die gemeinsam bespielte Gitarre kommt bei so etwas jedenfalls nicht heraus – höchstens eine in ihre Einzelteile zerlegte Gitarre. Auch keine ko-konstruierte Weltsicht.

      Neulich war bei Gabi Reinmann http://gabi-reinmann.de/?p=3103 die Klage, dass wenig in Blogs diskutiert würde. Ja. Ich glaube, das hat mit dem traditionellen Lernverständnis zu tun, das noch in allen Bildungssystemen herumspukt, die zusammen mit ihm entstanden sind: Lernen = fertiges „objektiv richtiges“ Wissen aufnehmen/aneignen/fressen. Da gibt es dann natürlich auch nichts zu widersprechen – oder wenn, dann wird es als Unhöflichkeit oder gar als persönlicher Affront aufgefasst. Drum widerspricht dann auch keiner, denn wer will schon soziale Beziehung oder gar institutionellen Zusammenhalt ruinieren?

      Übrigens da oben die Musiker: Ich bin überzeugt davon, dass sie viel mehr zusammen üben mussten für dieses Stück als für sich allein, denn die einzelnen Parts für sich allein genommen können solche Musiker natürlich aus dem Stand. Aber wahrscheinlich meinst du ja sicher die vielen vielen Jahre, in denen sie durch fleißiges Üben überhaupt ihr Instrument gelernt haben. Ja. Aber auch dieses „Üben im stillen Kämmerlein“ würde niemals stattfinden, wenn „Die Anderen“ (eine Band, ein Orchester, ein Auditorium, eine Youtube-Userwelt) nicht wenigstens in der Fantasie des Übenden vorhanden wären. Das erst macht den Sinn, denn der ist ohne „Gesellschaft“ nicht zu haben. Selbst wenn ich für mich alleine etwas lernen würde – sagen wir: Stricken – , dann hätte es irgendwie in den Produkten schon wieder spätestens einen gesellschaftlichen Bezug (ein Mützchen für den Enkel?), und wo ist die Stricktechnik, die Anleitung, die Muster, die Wolle her? Ich finde, man kann es einfach nicht trennen: Was ist nur meins, was ist sozial oder sozietal in der Lerntätigkeit? Und auch: Ist das, was ich in meinem höchst einzelnen individuellen Gehirn als Lernprodukt habe WIRKLICH nur meins?

      Ich denke so:
      Individuell lernen bedeutet nicht, dass alle das Gleiche für sich alleine lernen. Es bedeutet im Gegenteil, dass jeder (sein eigenes) Verschiedenes lernt, während er in ständigem Austausch darüber mit anderen ist.

      • Dieser Post gefällt mir besonders gut in diesem Dialog, der mir gut gefällt. Und staune einmal mehr, dass es nach wie vor Lehrpersonen gibt, die ernsthaft glauben, am Ende einer Lektion seien die Studierenden alle „gleich weit“ (zB. meine Wohnungsnachbarin)…..

    • Nein, „Internet ist auch nicht der Retter des Schulsystems“, da hast Du vollkommen Recht. Aber die Zusammenarbeit, die Schüler und andere Menschen außerhalb der Schule im Internet lernen, die muss als Lernerfahrung dringend in die Schule hinein. Sonst verpasst die Schule den Anschluss an die Entwicklung der Menschheit, und wie funktional ist denn so ein Subsystem für die Gesellschaft?
      Schon seit Jahren trainieren die Jugendlichen in den social media, übrigens auch in WoW – das weißt du ja selbst! – eine Zusammenarbeit mit allem drum und dran, die in der Schule nicht nur in dieser Medienform (facebook, WoW etc.) bisher nichts zu suchen hat, sondern überhaupt nicht zum System gehört und in der Regel auch analog verboten ist.
      Und jetzt zu sagen: ok, wir lernen das in der Schule jetzt erst mal analog und danach, wenn wir das können, dann dürft ihr auch mit den social media lernen? Das verkennt doch, wie sehr überhaupt die Einsicht, dass Lernen ein sozialer Vorgang ist, überhaupt erst durch das Internet erfahrbar wurde.

      • Der von dir vorgeschlagene Kompromiss zwischen individuellem und sozialem Lernen ist gut: Ich lerne FÜR mich DURCH den Austausch mit anderen und mein Gehirn erledigt selbstgesteuert den Rest🙂 Und ich darf ergänzen: Das Gehirn lernt immer und vor allem dann, wenn man von einer Sache begeistert ist. (Darüber habe ich vor kurzem auch einen kurzen Blog-Eintrag geschrieben: http://medienistik.wordpress.com/2012/02/12/einladen-ermutigen-und-inspirieren/)

        Thema Schule: Deine Bestandsaufnahme ist traurig, aber wahr. Jede Schülerin und jeder Schüler soll dort für sich lernen und mit Kooperation hat das Ganze oft wenig zu tun. Obwohl ich anmerken muss, dass sich diesbezüglich in den letzten Jahren viel geändert hat, vor allem für unsere Referendare gehören neue Methoden des kollaborativen Lernens mittlerweile zum Standard.

        Auch wenn ich der Meinung bin, dass Kooperation vor Ort „wervoller“ sein kann als im Netz, kann ich den gesamten Schlussteil deines Kommentars voll unterstreichen: Neue Medien müssen in die Schule – Schüler müssen soziale Netzwerke aufbauen und diese müssen auch in der Schule genutzt werden.

        Wir sind da gerade voll dabei, wie ein Blick auf die Homepage unserer Schule zeigt: http://www.st-ge.org. Wir nutzen jetzt Twitter, Facebook und Google+. Die Resonanz bei den Schülern ist enorm: Endlich entsteht ein Austausch, z. B. über die geplanten Umbaumaßnahmen. Das ist ein ganz interessanter Prozess, der da momentan im Gange ist.

  3. Pingback: Paducation « Methoden « riecken.de

  4. Pingback: Collaboration would be it! | mstammeier

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