#echb11 – perfekte „Umgebung“ für selbstbestimmtes Lernen

Organisierter Erfahrungsaustausch mit Menschen, die mit der Gestaltung von Lernprozessen beschäftigt sind – das ist, was mir an den Educamps  so gut

gefällt. Und auf dem #echb11 waren diesmal besonders gute Bedingungen gegeben, um – jedenfalls für mich – ein selbstbestimmtes Lernen für die eigene Praxis zu ermöglichen. Torsten Larbig formulierte es so:  „Wir machen educamp“ (nicht „wir sind auf dem educamp“) – was das besondere Merkmal aller Unkonferenzen bzw. Barcamps ist. Hier ist die klassische Trennung zwischen Konferenzveranstalter, Speaker, bzw. Workshopleiter und Teilnehmer weitgehend – aber nicht ganz – aufgehoben. Das klassische Konferenzformat mit seinen Inputtern vs. Konsumenten entspricht der  Schule-Lehrer-Schüler-Formatierung bzw. dem Uni-Prof-Student-Format. Dabei wird oft genug ignoriert, dass die „Konsumenten“ häufig selbst Fachleute sind. Verpasst wird dadurch fast immer die Gelegenheit, die vorhandene kollektive Intelligenz einzusammeln, wo doch so viele Praxis-Erfahrene und Theorie-Experten versammelt sind.

Nicht so beim Educamp.  Was jedoch in der Barcamp- und Unkonferenzlogik (die Teilnehmer sind die „Inputter“) zuweilen ein weniger gut gelöstes Problem darstellt, ist die Struktur, in denen die kollektiv eingesammelten oder entwickelten  „Inhalte“ überhaupt erst Form erhalten können. Zwar gibt es Rituale – wie die Vorstellung aller Teilnehmer im konstituierenden Eröffnungsplenum mit Namen und drei #tags – und Regeln, wie z.B. die, dass man jede Session verlassen kann und auch mitten in eine Session als neuer Teilnehmer dazustoßen kann.  Aber ob diese Rituale immer passen (Vorstellung aller bei 300 TN?) oder wie genau man die Vorstellung der Session-Angebote gestaltet und das Anfangsgewusel der Raum- und Zeitlogistik in den Griff zu bekommen versucht – das kann sehr verschieden ausgehen. (Mal ganz abgesehen von den verschiedenen Gestaltungen der Sessions – manche sind einfach nur Diskussionen, in denen nichts visualisiert wird, manche folgen tatsächlich dem Vortragsmodell mit anschließender Fragemöglichkeit, andere wieder stammen eher aus der modernen Unterrichtsmethodik (Think-Pair-Share) …)

Beeindruckend war für mich, wie professionell Thomas Bernhardt diesem Großgruppen-Ereignis #echb11 die Struktur gegeben hat.  Da ich nur den ersten Tag dabei war, möchte ich auf die Schilderung von Teilnehmern verweisen, die die ganzen zweieinhalb Tage dabei waren, z.B. bei Torsten Larbig (eine meiner beiden interessantesten Real-Life-Entdeckungen auf dieser Unkonferenz).

Was mich besonders fasziniert hat an diesem 7. Educamp ist, dass sich auch hier wie in anderen freien Lernformen wie Lernprojekten  oder anderen Großgruppenformen (Open Space oder World Café) wieder gezeigt hat:

Wenn selbstbestimmt und frei gearbeitet/ gelernt /gespielt werden soll – also die Inhalte und Ziele den Teilnehmern/ Lernenden vor Ort selbst überlassen sind – dann kommt es umso mehr darauf an, dass

1. die Strukturen sorgfältig durchdacht wurden und vorgegeben werden. Dies bedeutet einerseits, dass jede vorhersehbare Situation eine strukturelle Entsprechung haben muss, und eben nicht nach dem Motto vorgegangen wird: ‚das ist ja ein selbstorganisierendes Ereignis, das wird sich schon irgendwie ergeben‘. Mit etwas Chance ergibt es sich dann tatsächlich irgendwie, dass eine hingewurschtelte Lösung für alles gefunden wird, was man hätte vorhersehen können, aber nicht hat voraussehen wollen; aber die Zeit und die Kraft für das, worum es eigentlich geht, nämlich um die „Inhalte“, ist dann vergeudet. Es bedeutet außerdem, dass diese Strukturen auch situativ modifizierbar sind und den nicht erwarteten unvorhersehbaren Teilnehmerwünschen angepasst werden können.

Als 2. Voraussetzung konnte man auch hier wieder feststellen: ohne ein reiches Angebot an Ressourcen (hier speziell: tolle Räumlichkeiten, viele Sponsoren, wunderbare Versorgung mit Essen, Getränken, WLan und Mehrfachsteckdosen, Beamern und Flipcharts, sowie Raum/Zeit/Gelegenheit für informellen individuellen Austausch, für Socializing und für Spaß und Unterhaltung) geht es auch nicht.

Diese beiden Kriterien erfordern ein hohes Maß an Fantasie und Kreativität. Ohne sie geht es gar nicht. Aber perfekt wird es erst, wenn auch noch Erfahrung hinzukommt, wie bei @thbernhardt, der nicht nur einer der Educamp-Gründer ist, sondern offenbar aus allen bisherigen Camps gelernt hat. Chapaux! Nicht nur fürs Leben gilt der Seneca:

Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft.

Exzellente Vorbereitung war dank der Veranstalter, der „Educampstrukturbesorger“ bereitgestellt; die Gelegenheit brachten die Teilnehmer, die „Educampinhaltsmacher“ mit ihren Erfahrungen und ihren Beiträgen mit.

Für mich war es toll, dass so viele Lehrer da waren. Und ich fand’s außerdem toll, auf Lutz Berger @lutzland zu treffen, den ich bestimmt noch einmal nerven werde, mir bei meiner gewünschten Video-Weiterbildung zu helfen!

3 Gedanken zu „#echb11 – perfekte „Umgebung“ für selbstbestimmtes Lernen

  1. Pingback: Neue Lernräume gestalten - Literatenmelu

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