Kulturrevolution des Lernens

Im  Taz.lab am Samstag, dem 24. April wird es um 14:00 eine Veranstaltung geben zum Thema:

Kulturrevolution des Lernens. Wie Wissen (von) morgen entsteht.

In Vorbereitung darauf, und weil ich nicht besonders gut im Extemporieren bin, habe ich hier schon mal ein paar Essentials meiner Gedanken zusammengeschrieben. Wer nicht live dabei sein kann, oder dort nicht ausreichend zu Wort kommt, kann hier mein Statement kommentieren und als Kommentar auch gerne ein eigenes Statement abgeben.

Kulturrevolution des Lernens. Wie Wissen (von) morgen entsteht

Leitfrage des Panels: Läßt sich im digitalen 21. Jh. noch mit dem kanonischen Wissensbegriff des 19. Jh. arbeiten?

 Nein, natürlich nicht!😉

1. Warum nicht?

Wir befinden uns in einem gesamtgesellschaftlichen, die gesamte Menschheit betreffenden Transformationsprozess – alle ernstzunehmenden Medienwissenschaftler (-Historiker, -Soziologen, -Philosophen) und auch die Systemtheoretiker und Wissenssoziologen (z.B. Helmut Willke) sprechen seit vielen Jahren schon von einer Medienrevolution als Kulturrevolution, die vergleichbar ist mit der sozialen Revolution im Gefolge der Erfindung des Buchdrucks, der Industriellen Revolution. Sie betrifft die gesamte Gesellschaft in allen ihren Systemen und Subsystemen:

Die Hauptressource der gesellschaftlichen, also zuvörderst der ökonomischen Entwicklung, ist jetzt nicht mehr materieller Natur – also Grund und Boden, Kapital und physische Arbeitskraft – sondern symbolischer Natur. Wissen ist die Hauptproduktivkraft menschlicher Gesellschaft geworden. Schon jetzt. Das ist empirisch nachweisbar und offensichtlich.

Die Gesellschaft reproduziert sich über die Weitergabe ihrer Kultur an die nachfolgenden Generationen. Kultur, das ist das kollektive Gedächtnis bzw. das zur Aufrechterhaltung der Gattung relevante Wissen der Menschheit. Die Weitergabe erfolgt durch geeignete Organisierung von Lernprozessen – sowohl solche der Individuen (psychischen Systeme) als auch der sozialen Systeme (also der Organisationen und Institutionen der Gesellschaft). Letzteres wird immer gerne vergessen in den öffentlichen Diskursen um „Neues Lernen“.

Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit hat gezeigt, dass sich die Trajektorie der Entwicklung – in Koevolution mit der Medienentwicklung – nicht nur in quantitativem Zuwachs von Erkenntnissen und Fähigkeiten und den daraus resultierenden Verbesserungen des Bestehenden bewegt, sondern in Kurven, die nach langen Phasen der Optimierung zu einem alle Bereiche des Lebens betreffenden Qualitätssprung führen, eben zu einer neuen Kulturstufe, die einen Höhepunkt erreicht und dann zunehmend in eine Zuspitzung ihrer eigenen Widersprüche gerät, die dann wiederum zu ihrem Absterben und zur erneuten Herausbildung einer neuen Qualität führt.

Aber dieser Sprung geschieht nicht plötzlich, sondern zieht sich hin über Generationen. In einer Übergangszeit von der alten Kultur in die sich mühsam herausbildende neue gibt es eine Menge Widersprüche mit einer Menge Turbulenzen und Kämpfen in allen Bereichen. Alles Bestehende kommt auf den Prüfstand, nicht nur ob, sondern insbesondere inwiefern es in der neuen Kultur einen Platz hat. Es gibt Altes, das verschwindet (das sind die notwendigen „Verluste“), es gibt Altes, das einen völlig neuen Systemplatz und eine neue Bedeutung erhält, also verwandelt wird, und es gibt Neues, das sich erst herausbildet. Diese drei Prozesse laufen parallel und in wechselseitiger und widersprüchlicher Abhängigkeit.

2. Neuer Wissensbegriff

Dabei muss sich notwendigerweise auch das Verständnis, also die Begriffe von allem verwandeln. Wie verstehen wir Gesellschaft, wie sehen wir unsere Ökonomie, unsere Politik, unsere Beziehungen, unsere Kommunikation, was verstehen wir unter Entwicklung und Fortschritt, und eben auch hier bezogen auf die neue prämierte Produktivkraft Wissen:

  1. Was verstehen wir unter Wissen?
  2. Wie erwerben wir dieses Wissen? Also wie konzeptionalisieren wir Lernen (als Operationsform von Wissenserwerb und -produktion)?
  3. Wie prozessieren und organisieren wir dieses Lernen?

Der Wissensbegriff, mit dem wir am Ende der Buchgesellschaft/Industriegesellschaft noch sozialisiert worden sind, und der noch immer in der Regel das Funktionieren unserer Bildungsinstitutionen beherrscht, lautet kurzgefasst so:

Das kultur-relevante Wissen ist gespeichert in Büchern, Bibliotheken und einzelnen Köpfen der Akademischen Elite. Diese verwaltet auch die Unterscheidung in relevant/nicht relevant.

Die dazugehörige Konzeption von Lernen lautet: Dieses archivierte Wissen als „Inhalte“ und „Handlungs- bzw. Prozesswissen“ wird durch Unterricht in die Köpfe der nächsten Generationen übertragen, die dann das Wissen weiterentwickeln und in neuen Büchern abspeichern und ihrerseits das verbesserte Wissen in derselben Art und Weise (nämlich durch Unterricht) an ihre Nachfolger weitergeben. Dies entspricht genau der Phase der Entwicklungstrajektorie, die sich im Optimierungsmodus auf der Höhe einer etablierten Kultur befindet.

Durch Koevolution mit dem neuen Leitmedium Internet befinden wir uns jedoch an einer anderen Stelle der Entwicklungskurve, nämlich im Übergang zu einer neuen Qualität. Diese ist jedoch noch längst nicht ausentwickelt und gesamtgesellschaftlich implementiert, geschweige denn institutionalisiert.

Das alte kanonisierte Wissen hilft uns nicht mehr weiter. Wir müssen neues, d.h. noch unbekanntes Wissen schaffen und altes korrigieren. Wir müssen zum Teil überhaupt erst lernen, die Probleme, auf die dieses neue Wissen als Lösung antworten soll, zu identifizieren und lösungsgerecht zu formulieren.

Wir müssen vom Fokus der Weitergabe bekannten Wissens wechseln auf den Fokus der Erfindung und Entdeckung von noch unbekanntem Wissen. M.a.W: Wir müssen uns um das Nichtwissen kümmern und bekanntes Wissen infragestellen.

Der neue Wissensbegriff muss also kurz gesagt so lauten:

Interessant ist nicht das, was die Menschheit schon weiß, denn was sie weiß, stimmt mit der neuen Realität nicht mehr überein. Wissen heißt dann: Korrektur von Wissen, heißt also Vergessen und Ersetzen mit noch Unbekanntem.

X ist bekannt, aber es gilt nicht mehr. Y gilt, aber es ist nicht bekannt.

Wie kommt man nun von X nach Y?

Nur über E. E wie Experiment, E wie Erfindung, E wie Erprobung, E wie Erfahrungen machen und E wie Erkenntnisse aus den notwendigen Fehlern gewinnen.

Dieses E gab und gibt es natürlich. Es war in der Buchgesellschaft den institutionalisierten forschenden Wissenschaften vorbehalten. Das Outcome dieser Wissensproduktion kam dann, wenn’s gut ging, ein bis zwei Generationen später im Kanon des Unterrichts (universitär: in der Lehre) an.

Warum funktioniert diese Form nicht mehr?

  1. Weil es zu lange dauert gemessen am Druck der Probleme und am Ausmaß des inzwischen zum Teil gefährlichen Nichtwissens;
  2. weil es eine Operationsform im Optimierungsmodus statt im Changemodus ist;
  3. weil die Probleme, die zu lösen sind, eine Komplexität erreicht haben, die nicht mehr von einzelnen Forscher-Individuen, sondern nur noch kollektiv vernetzt zu lösen sind;
  4. weil diese Art Wissensproduktion auf eine kleine Minderheit von Menschen konzentriert ist, wir aber in Zeiten der Haupt-Produktivkraft Wissen die Mehrheit und tendenziell die Gesamtheit der Menschen als Wissensproduzenten brauchen;
  5. weil der Zugang zu bekanntem Wissen und die Möglichkeit zur Generierung von unbekanntem Wissen durch das neue Leitmedium jetzt prinzipiell allen offen steht;
  6. weil das neue Medium unbegrenzte Möglichkeiten der Vernetzung des nur noch verteilt existierenden Wissens bietet. 

E – also Erfindung, Erprobung, Experiment, Erfahrung, Erkenntnisse sammeln und aus Fehlern Erkenntnisse korrigieren, das kann und muss von allen gelernt werden.

Die Fähigkeit, Bereitschaft und die Befugnis (!) zu dieser Forschungstätigkeit kann man nicht durch Unterricht transferieren. Die Bildungsinstitutionen müssen den Unterrichts- und Lehrmodus verlassen und sich von Lehranstalten zu Lerninstitutionen verwandeln, d.h. im wörtlichen Sinne auch expansiv lernende Institutionen werden. Jedes Kind, jeder Jugendliche, jeder Erwachsene wird in der neu enstehenden Lerngesellschaft gebraucht, um zur kollektiven Wissensproduktion beizutragen.

Ein Wort zur historischen Form der Allgemeinbildung:

Comenius‘ Devise hieß: „Allen alles lehren.“

Diese Art kanonbezogener Allgemeinbildung hat sich in der Bürgerlichen Gesellschaft der Moderne nur durchsetzen können als Kanon für Eliten. Heute würde es jedoch auch nicht mehr ausreichen, diesen Kanon bekannten Wissens über die Eliten hinaus an alle zu transferieren (zu „unterrichten“, zu „vermitteln“).

Allgemeinbildung kann heute nur noch heißen, die oben genannten „E“-Kompetenzen zu lernen, von Anfang an und im Lauf des gesamten Lebens durch Anwendung zu trainieren, indem die Individuen an der Vernetzung des verteilten Wissens der Gattung teilnehmen.

Die Skills dazu, die gleichzeitig Bestandteil des neuen Wissensbegriffs darstellen, lauten:

  • wissen, wo die relevanten Informationen zu finden sind
  • wissen, wie diese Informationen zu beurteilen und zu bewerten sind
  • wissen, wie sie zu synthetisieren sind
  • wissen, wie sie anzuwenden sind
  • wissen, wie sie kommuniziert werden
  • wissen, wie mit ihnen kollaboriert wird
  • wissen, wie aus ihnen Probleme definiert werden 

Der Schlüssel zu den „Inhalten“, besser gesagt, zu den Gegenständen (objects) des Wissens ist für den Einzelnen die jeweilige persönliche Sinnbildung, oder wie Sir Ken Robinson es nennt, das (persönliche) Element.

Schon bilden sich in der Praxis neben den traditionellen Lehranstalten neue Organisationsformen, die diese Aufgabe der vernetzten kollektiven Wissensproduktion übernehmen.

Beispiel: Das „Facebook für Forscher“. 2008 wurde eine Netzplattform gegründet mit dem Namen ResearchGate; in den knapp zwei Jahren seines Bestehens haben sich schon über 300.000 Forscher aus allen Ländern – bisher fast ausschließlich aus den Naturwissenschaften – in diesem Netzwerk organisiert. Sie tauschen ihre Forschungsfragen, -Ergebnisse und vorläufigen Ergebnisse frei aus, diskutieren und lernen voneinander. Interessant ist hier nicht nur, dass sich diejenigen mit dem gleichen Fach treffen; der Hauptprofit besteht darin, dass sich über alle Fächergrenzen und engsten Spezialgebiete hinaus wichtige Kontakte ergeben über die Fragen und Probleme, die beantwortet werden wollen. In einem Interview sagt ein Netzmitglied: Eines der besten Dinge an diesem Netzwerk ist, dass wir vor allem über methodische Probleme und über Fehler und gescheiterte Forschung kommunizieren. In der alten Publikationsweise kann man aus Fehlern nicht lernen, weil sie nicht zur Veröffentlichung gelangen.

(vgl. Facebook für Forscher, in: Der Spiegel (nur Print) 14/2010, S. 114-115)

Leider haben sich bisher gerade diejenigen Forscher so noch nicht zum Management ihres verteilten Wissens vernetzt, die die überlebenswichtigen gesellschaftlichen Entwicklungsfragen der Menschheit bearbeiten: Philosophen, Kulturwissenschaftler, Soziologen, Politologen, Erziehungswissenschaftler und Medienwissenschaftler.

Ein schönes Beispiel dafür, wie produktiv Fehler für die Wissensbildung zu machen sind, findet sich bei Mike Wesch in seinem Interview mit Sebastian Hirsch:

Die Studenten bewerteten ihre Arbeiten gegenseitig.

Es wurden Noten mit ganz falschen Begründungen vergeben. Daraus haben wir (paradoxerweise) am meisten gelernt. Die Studenten haben gemerkt, dass sie jeden im Seminar auf ein bestimmtes Niveau bringen müssen. Sonst kapiert der andere Student ihre eigene Arbeit womöglich nicht – und gibt ihnen möglicherweise eine schlechte Note. Jeder muss also in die Lage versetzt werden, den Essay eines Kommilitonen einzuschätzen und zu bewerten.

6 Gedanken zu „Kulturrevolution des Lernens

  1. Hallo Lisa,

    erstmal vorne weg: es ist wie immer ein sehr gelungener systemtheoretischer Artikel, der kurz und knapp die Theorien auf den Punkt bringt. Allerdings fehlt mir der Praxisbezug: Wie könnte denn konkret eine solche Umsetzung aussehen, dass das Internet in die Gesellschaft implementiert ist? Wie bekommt man denn Professoren oder Seminarleiter an der Uni dazu sich dem Medium zu öffnen?
    Ich denke nämlich so lange sich an den Unis die Strukturen nicht aufbrechen lassen, so lange wird sich auch bezüglich der Integration des Internets in der Ausbildung wenig tun. Letzen endes werden wohl nur die üblichen Verdächtigen versuchen etwas voranzutreiben.

    P.S.: Du musst die Fragen nicht allein beantworten – vielleicht ergibt sich ja auch etwas in der Diskussion am Samstag.

  2. „Wie könnte denn konkret eine solche Umsetzung aussehen, dass das Internet in die Gesellschaft implementiert ist?“, fragst Du, Melanie.
    Ja, es ist ja schon längst „implementiert“. Alles, was stattfindet, findet unter den Bedingungen des Internet statt! Es ist allerdings eine ganz andere Frage, ob der „ideologische Überbau“, die Denke der Gesellschaft das schon genügend reflektiert und die entsprechenden Konsequenzen gezogen hat. Insbesondere in den Bildungsinstitutionen stehen wir damit tatsächlich – wenigstens in D – ziemlich am Anfang und es wird noch ein hartes Brot für länger.
    Was die Praxisbeispiele angeht, habe ich nun am Ende zwei ausgewählte angeführt. Und gerade in Auswertung der Republica in Jörans relearn-Subkonferenz drei wunderbare Beispiele aus der Schule für Trojaner- bzw. gelungene Katalysatorwirkungen beschrieben.
    Der Ruf nach Praxisbeispiel zum theoretischen Verständnis ist vielleicht schnell beantwortet.

    Allerdings müssen wir uns, wenn wir das entsprechende Verständnis voraussetzen können, jetzt damit beschäftigen, Strategien zu entwickeln, wie man aus den einzelnen gelungenen Pilotelementen was in die Fläche kriegt. Eine Strategiediskussion ist aber eine neue Ebene, die ist auf dem Panel mit Christian Füller nicht gemeint. Dort geht es – der Frage folgend – erst mal um ein adäquates Verständnis dessen, was ist und allenfalls noch dessen, was sein soll.

    Und wenn Du mich fragst, wie man Dozenten zu einem neuen Verhalten „kriegt“, dann kann ich nur ganz allgemein antworten: Durch Kontextsteuerung. Die muss aber „von oben“ aus der Unipolitik kommen. Und da fehlt’s vielleicht wieder am Verständnis und / oder an der entsprechenden Strategie, wie die Kontextsteuerung aussehen muss. Wenn die Dozenten nicht wollen, kriegt ihr sie als Studenten zu gar nichts. Nicht nur, weil es eine Machtfrage ist (Zensuren, Prüfungen, Zertifikate), sondern auch, weil man niemanden zu etwas „überreden“ kann, seien die Argumente auch noch so gut. Aber eure Argumente als Thesen und Forderungen laut vortragen – ob mit oder ohne Streik und brennender Uni – das müsst ihr!

  3. Gerade habe ich eine Mail von Sören Hofmayer, Co-Founder von ResearchGate erhalten, die ich hier einpflegen darf:

    Hallo Frau Rosa,

    ich habe grad Ihren Blogpost „Kulturrevolution des Lernens“ gelesen, in dem Sie auch ResearchGATE erwähnen, vielen Dank dafür.
    Zwei, nein drei kurze Anmerkungen:

    – den Spiegel Artikel gibt es jetzt auch online: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69821859.html
    – (auch wenn der Beitrag vielleicht nicht mehr direkt auf ResearchGATE bezogen war) ein paar Philosophen haben es doch schon zu ResearchGATE geschafft…hier z.B. http://www.researchgate.net/group/Philosophy/ und auch sonst gibt es eine Menge an Diskussionsgruppen, die sich nicht nur mit den Life Sciences befassen
    – durch Ihren Artikel bin ich auf die Veranstaltung am Samstag aufmerksam geworden; das klingt sehr spannend und da ich selber in Berlin bin werde ich versuchen mir das anzusehen! Danke dafür!
    Beste Grüße aus Berlin,
    Sören Hofmayer

  4. Grundsätzlich stimme ich diesem Ansatz zu, und denke, Bildung hat heute vorrangig die Aufgabe die aufgelisteten Skills zu vermitteln. Ob Bildung aber nicht doch auch Wissen vermitteln muss, da bin ich mir nicht so sicher.
    Wissen ist doch eine Grundlage, auf deren Basis beispielsweise Informationen bezüglich ihrer Relevanz und Qualität beurteilt werden können. Ich glaube, wer ein umfangreiches Wissen plus Erfahrung mit den Skills verknüpfen kann, der ist klar im Vorteil. Dabei denke ich immer an Menschen wie den Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker, der höchst gebildet ist (sicher der typische Vertreter des Bildungsbürgertums). Seine Bildung erlaubt ihm dann den Diskurs auf einem extrem hohen Niveau. Er hat ein Perspektive auf die Dinge und die Welt, die eben diese Bildung und natürlich Erfahrung benötigt.
    Die Frage stellt sich dann natürlich, wie viel und welches Wissen sollte z.B. Schule vermitteln, und schnell landet man wieder beim Kanon.
    Wissen sammelt das Individuum auch mit der Zeit, doch ist eine solide Startplattform nicht sinnvoll?

    • Die Trennung zwischen „Wissen“ und „Skills“ ist ja selbst Teil des alten Wissensbegriffs. Und der Begriff „Vermittlung“ enthält eigentlich die dazugehörige Vorstellung, wie gelernt wird (durch Transfer).
      Natürlich kann man ohne Informationen kein Wissen erwerben bzw. produzieren.
      Der neue Wissensbegriff enthält die Skills und die Erfahrung. Die Vorstellung, man bräuchte erst einen Berg von (vermitteltem) Wissen, dann kann man anfangen damit zu arbeiten, läuft dem Lernprozess zuwider. Der Wissenserwerb (mal reduziert auf kognitives Wissen, was ich nicht gerne mache), ist sowohl Voraussetzung als auch Produkt von Lerntätigkeit, in der immer auch die „Skills“ und die Erfahrungen, Beurteilungen, Sinnbildungen usw. enthalten sind. Man kann es eben nicht temporalisieren, wie Schule (der alte Wissensbegriff) das behauptet und versucht: Erst Wissen, dann Erfahrung, dann Urteil.
      Der Kompetenzbegriff von Weinert bindet z.B. alles zusammen (kognitives Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen) – wird aber in der versuchten Umsetzung in Schulreformen und neue Lehrpläne/bildungspläne meist wieder so weit „runtergebrochen“, dass die Integration wieder verloren geht. Wenn man ihn jedoch wirklich ernst nimmt kommt man zu eben denselben Vorstellungen wie mit den postmodernen Wissenskonzepten 2.0

      • Danke für den Hinweis auf den Kompetenzbegriff von Weinert. Im Netz findet man dazu ja genug und ich habe den Kommentar zum Anlass genommen, mein Wissen mal wieder auffrischen. Man redet im Alltag zwar viel von Kompetenzen, dabei ist bleibt der Begriff aber oft unscharf. Viele Kollegen setzen ihn einfach gleich mit Fertigkeiten und Fähigkeiten und meinen, es wäre nur ein neumodischer Ausdruck für eine alte Sache.

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