Lernen und Arbeiten – it’s about living

Für die Subkonferenz re:learn auf der re:publica 2010 habe ich mir folgendes notiert:

Computing is not about computing anymore – it’s  about living

(Nicholas Negroponte)

Eine „neue Lernkultur“ ist also ebenso eine neue Arbeitskultur und weiter noch: eine neue (Lebens-) kultur überhaupt. Mithin geht es nicht um eine Medienkompetenz im engeren Sinne, sondern um Literacy im 21. Jahrhundert, um Lebenskompetenz schlechthin.

Welches sind die Merkmale?

  • statt Klassenraum-Unterricht: Community als Bildungsraum
  • statt bloßer Vermittlung von kanonischem, also bekanntem Wissen die Entwicklung von Kompetenzen zur Generierung von neuem Wissen
  • statt Aufnahme vorgegebener Informationen das Auffinden von persönlich bedeutsamen Informationen
  • statt individueller Verarbeitung von Informationen der Austausch und die kollaborative Verarbeitung von Informationen
  • statt Übernahme feststehender Bedeutungen und Beurteilungen durch Autoritäten die Entwicklung von Kompetenzen zur eigenen Sinnbildung und zur selbständigen Bewertung

Soweit können mir inzwischen viele in meiner Lern- und Arbeits- und Lebensumgebung folgen, auch wenn sie bislang nicht mit Web 2.0-Medien arbeiten. Danach kommt aber immer die Frage:

Was soll ich denn nun für Web 2.0-Tools dafür nutzen und wie?

Auf diese Frage muss ein überzeugender Überblick her mit den wichtigsten Funktionen und Tools zum Ausprobieren, wobei es unbedingt nötig ist, sich nicht in einzelnen tollen Möglichkeiten und den vielen Alternativen von Tools und Anbietern zu verlieren. Es muss ein griffiges Modell her.

Ich bin keine E-learn-2.0-Expertin und konnte mich daher nur auf meine eigenen selbstgestrickten Erfahrungen stützen. Hier ist meine erste grobe Version für die Schnellberatung:

Was fehlt, ist zu verbessern, zu ersetzen, zu ergänzen?

Wo existieren bereits professionelle und trotzdem einfache Modelle?

12 Gedanken zu „Lernen und Arbeiten – it’s about living

  1. Bin zwar auch kein Experte, würde aber bei „Zusammenarbeiten und Produzieren/Publizieren“ unbedingt Google Text & Tabellen nennen.

    Ja und dann würde mir bei „Zusammenarbeiten“ noch die Screensharing-Lösung Mikogo fehlen, denn so etwas kann kein anderer Anbieter schneller.

  2. Ebenfalls nix Experte, aber vielleicht findest Du in den Beiträgen unter http://eventualitaetswabe.de/?tag=pln was Mitteilenswertes. (Teil 1 Allgemeines, die dort verlinkte Slideshare fand ich seinerzeit sehr informativ, Teil 2 auf PC / Browser / Mailclient / Cloud-Dienste bezogen, Teil 3 auf mobile Anwendungen). Begrifflichkeit PLN / PLE nicht sauber getrennt – man sehe es nach.
    Zusätzlich: Ohne Evernote (oder eine Alternative) mag ich auch nicht mehr sein.

  3. Nachtrag, ganz vergessen: Man mag ja nicht immer das abgedroschene (und nicht ganz stimmige) Klischee von den digital natives bemühen, aber als Eröffnung zum Thema wunderbar geeignet:

    Enjoy.

    • Eine sehr schöne Idee, die neue Lern- und Arbeitskultur zu konzeptionalisieren und einen ersten Überblick über die Funktionen und Web 2.0-Tools zu geben, die diese Kultur unterstützen können. Ich war selber ebenfalls daran, mir Gedanken über ein solches Konzept zu machen.

      Hier nun aus meiner Sicht nun zusätzliche Gedanken und Ergänzungen:

      Für die Begleitung von Menschen in komplexen Arbeits- und Lernsituationen braucht es aus meiner Sicht auch noch sog. Caretakers / Coaches bzw. Caretaking- bzw. Coaching-Kompetenzen:
      vgl. auch: http://daretoshare.wordpress.com/2010/04/04/key-social-learning-roles/

      Mögliche Kompetenzen von Caretakers/Coaches:
      – Reflexion (WordPress, Evernote, Springnote)
      – Dialogische Prozesse gestalten (z.B. über ein Forum in einem geschützten LMS, z.B. Moodle)
      – Zuhören statt Downloaden (vgl. Theorie U) z.B. mit Lernkartei-Tools (z.B. Cobocards) enthaltend diverse Kommunikations- und Fragetechniken und Miniübungen für den Offline- u. Online-Alltag, die übers Web ergänzt und ausgetauscht werden können.

      -Querdenken (z.B. nach Edward de Bono)
      Eher Denktools, die jedoch mit diversen Webtools unterstützt/umgesetzt werden können, Beispiel: 6 Thinking Hats:
      http://www.blueskyskills.co.uk/tools/hats

      Produzieren/Publizieren
      auch in Form von Comics, Musikproduktionen, Trickfilmen, Präsentationen

      – Prezi (www.prezi.com) Alternative zu PP-Präsentationen
      http://reaper.fm/ (Audio Production)
      – Storybird (collaborative storytelling)
      – GoAnimate (Trickfilme herstellen)
      – Pixton (Click-N-Drag-Comic)
      http://vue.tufts.edu/ Visual Understanding Environment (Concept Mapping)

      Zusammenarbeiten
      (z.B. auch visuell, z.B. mit MindMap und ConceptMap-Tools)
      – MindMeister

      Sammeln / Reflektieren
      (z.B. auch eigene, teilweise nicht öffentliche Notizen)
      – Springnote, Evernote
      – E-Portfolios wie z.B. Mahara

      • Hallo Max, das sind ja wunderbare Ergänzungen und Anregungen! kollaboratives MindMapping gehört unbedingt in die Basics und Prezi als pp-Alternative und viele andere muss ich ergänzen.
        Mich „erschlägt“ diese Masse an Möglichkeiten nicht. Ich knöpfe mir bei Bedarf oder wenn ich Zeit habe, für mich selbst ein neues vor. Aber wenn wir all diese Möglichkeiten – den ganzen Supermarkt – in ein Basismodell zum Einstieg einpflegen: Kriegen wir da nicht das Problem (für unsere „Kunden“), dass sie sich von den Möglichkeiten, deren Sinn für sie selbst sie ja erst mal erproben müssen, vollkommen erschlagen fühlen? Keine Zeit und so?
        Und wenn wir sie nur nach ihren eigenen Angaben dessen, was sie brauchen, beraten, dann machen sie die Angaben natürlich aus ihrer Unkenntnis, dessen was möglich ist, und beschränken sich auf die Optimierung dessen, was sie ohnehin schon tun.
        Wie löst Du dieses Problem?

      • @lisarosa

        Ist das, was Du als Frage formulierst, nicht die Frage nach der didaktischen Reduktion? Was kann ich den „Kunden“ zumuten, damit sie von der Masse des möglichen nicht erschlagen werden?

        Ich habe es für mich wie Du gelöst: Habe für viele Einsatzgebiete meine Tools, die funktionieren. Bei Bedarf schaue ich mir das ein oder andere Tool an und integriere es vielleicht – vielleicht aber auch nicht. Es spielt ja auch keine Rolle, welche Angebote man nutzt, solange eine Möglichkeit der Kollaboration gegeben wird.

        Als Einstieg in das „Denken“ eignen sich Blogs. Da würde ich zur Zeit einfach auf wordpress.org zurückgreifen. Und danach kann sich jede/r seine Tools selber suchen. Jede/r, der schon eine Lösung für „sein“ Problem gefunden hat, kann dann Tipps geben. Wir müssen dazu kein neues Expertenwissen
        generieren… Die Umsetzung soll der Indikator dafür sein, ob etwas situationsgerecht angewendet worden ist.

        Was Deine Bedenken der „Optimierung“ betrifft: Ist das nicht ein Prozess, in den man eintreten darf, um die neuen Möglichkeiten zu entedecken? Im Grunde tue ich ja nur genau das: Ich optimiere meine Informationsflüsse indem ich versuche, sie mit verschiedenen Werkzeugen zu strukturieren.

  4. Vielen Dank für die wertvollen Anregungen! Google Text und Tabellen, Mikogo und Evernote muss ich überhaupt erst mal für mich selbst entdecken! Aber natürlich braucht man für eine Beratung auch die Kenntnis von tools und ihren Funktionen, auch wenn man sie nicht für sich selbst benutzt.
    Mein Entwurf oben war für einen bisher offline publizierenden etablierten Ewi-Prof. Das interessante ist, dass ich das gleiche aber auch Oberstufenschülern, Studenten und Referendaren empfehlen würde. Vielleicht brauchen die aber auch noch besondere tools für ihre besondere Lernsituation in den entsprechenden Institutionen?

      • gute Idee! Habe zwar noch nicht damit gearbeitet, aber das Demo-Video auf der Zoteroseite sieht ganz vielversprechend aus. Viele Funktionen dort kriege ich mit diigo für mich. Aber ich muss ja auch nicht mehr institutionell wissenschaftlich arbeiten und keine Hausarbeiten, Diplomarbeiten oder Schlimmeres abliefern.🙂

    • Ich persönlich habe meine Erfahrungen mit der Sammlung und Sortierung von Informationen aus dem Studium in die jetzige Arbeit „gerettet“ und profitiere davon enorm. Texte für Klausuren oder für die Besprechung im Unterricht lassen sich über meine Datenbank (DevonThink Pro) in Sekunde finden. Ich würde daher keine Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem Betrieb und „echtem Leben“ hinsichtlich der zu verwendenden Werkzeuge machen.

      • Ok. So läuft es bei mir auch! Es heißt ja auch Personal LE und Personal LN. Das heißt nicht nur, dass es halt das Individuum betrifft, sondern sicher auch, dass es bei jedem Einzelnen notwendigerweise anders aussehen muss, weil jeder anders ist.
        Oben sprichst Du von „didaktischer Reduktion“. Hm. Irgendwie ist mir das zu bevormundend pädagogisch gedacht. Max Woodtli hat mir neulich erklärt, wie er das mit Lehrern macht: Alle sollen für den Anfang sich mit den wichtigsten tools beschäftigen, soweit, dass sie beurteilen können, welche ihnen liegen. Dann sollen sie sich eines speziell und und tiefergehend in die Erprobung nehmen, das ihnen im Überlick besonders zugesagt hat. Ich denke, so kann man gut einen Einstieg machen. Wenn ich mich recht erinnere, macht Ralf Appelt es auch so (wenn man ihn denn lässt am LI).
        Wichtig finde ich vor allem Deinen letzten Satz oben:
        „Ist das nicht ein Prozess, in den man eintreten darf, um die neuen Möglichkeiten zu entedecken? Im Grunde tue ich ja nur genau das: Ich optimiere meine Informationsflüsse indem ich versuche, sie mit verschiedenen Werkzeugen zu strukturieren.“ Ganz genau. Man tritt in einen eigenen reflexiven Lernprozess ein, indem man im Laufe der Zeit immer mehr entdeckt und optimiert. Die Vorstellung, dass man irgendwann „ausgelernt“ hat, oder die Vorstellung, dass man die neue Lernkultur so mal eben in einer zweistunden Fortbildung lernt, aufzugeben zugunsten einer eigenen echten Erfahrung in LLL (long life learning) ist dabei sicher einer der wichtigsten Lerneffekte.

  5. Pingback: Aktualisierung meines Beratungstools PLN/PLE « shift.

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