Peter Krause Kultusminister

„Ex-Redakteur von Rechtspostille wird Minister“ titelt die Taz. Es handelt sich um Peter Krause, der für die CDU designierter Kultusminister in Thüringen geworden ist und der 1998 einige Monate Redakteur der Jungen Freiheit war.
Nun hat er sich nach heftiger Kritik formal von der Jungen Freiheit distanziert: „Die Junge Freiheit vertritt eine politische Linie, die ich als CDU-Politiker nicht teile.“ Na, dann ist ja alles gut?
Nein, natürlich nicht. Es ist nur gesagt worden, daß es sich für einen Politiker nicht gut macht, wenn heraus ist, dass man zur Neuen Rechten gehört. Man kann sich dann in den Politiker spalten, der die „politische Linie“ der JF nicht teilen (darf), und in den Privatmann, der sie keineswegs aufgegeben hat.
Denn es reicht nicht, darauf zu schauen, daß sich das Politikpersonal von der JF verbal distanziert. Ich habe nachgeschaut, was Peter Krause schreibt. Dazu muß man nicht in den alten Artikeln in der JF suchen. Es reicht ein Studium seiner Website heute, um festzustellen, dass der Dr. phil mit spezieller Vorliebe für Gottfried Benn und Ernst Jünger, für die deutsche Romantik und vor allem für Rhetorik den Jargon der Neuen Rechten so zu handhaben weiß, dass er sagen kann was er meint, ohne sich explizit zum Verkünder der Ideologie der Neuen Rechten zu machen:

„Eine Verständigung über die Phänomene wäre vielleicht herzustellen: Pluralität von Meinungen, Werten und Handlungsweisen, Permissivität, intellektuelle (Narren-)Freiheit, beschleunigter Wandel der Lebensformen, Auflösung von Hierarchien, totaler Egalitätsanspruch, Abbau von Bindungen, Verlust an Traditionalität, kulturelle Globalisierung, Nachlassen von festen Überzeugungen, Profanität, (scheinbare) Komplexität, Funktionalität und grenzenlose soziale Mobilität, ein seltsames Wechselspiel von Individualität und Uniformität, von Selbstentfaltung und faktischer Vermassung, die Überzeugung grenzenloser Evolution, zugleich Tendenzen der Ästhetisierung, der Wiederverzauberung… „
Unsere Kultur brauche Identität, Bindung, Tradition, die „lustvoll-suizidal“ aufgegeben worden sei.

In all dem Geschwurbel wird trotzdem implizit deutlich, dass gemeint ist, was Kernbestand der Ideologie der Neuen Rechten ist: eine antiliberale autoritäre Auffassung vom Staat, Nationalismus, „Ethnopluralismus“ (der Jargon-Begriff fürs Völkische), der sich hier hinter der formal verdeckten Kritik an „kultureller Globalisierung“ und dem „Verlust von Traditionalität“ und an der „Profanisierung“ verbirgt. Denn trotz des verbalen Diskussionshabitus „Verständigung über die Phänomene“ anzumahnen, werden Demokratisierung, Pluralität, Diversität, Individualisierung und Globalisierung hier erkennbar als negative Entwicklungen bestimmt, die es durch Rückentwicklung zu autoritären („traditionellen“) Nationalstaats-Konzepten zu bekämpfen gilt.

Die Junge Freiheit ist nicht bloß eine zu belächelnde „Rechtspostille“. Sie ist der in der Öffentlichkeit sichtbarste Knoten eines überaus großen und vielfältigen Netzwerks der Neuen Rechten, die sich zu einer modernen Variante antidemokratischer völkischer Ideologie bekennt und vielfältige Schnittstellen mit alten und neuen Nazis auf der einen Seite und ebenso viele Schnittstellen hin zur „rechten Mitte“ generiert und pflegt. Die JF ist eine Brücke zwischen „rechter Mitte“ und Rechtsextremismus. Sie testet, was aktuell an rechten Aussagen und Auffassungen hoffähig und juristisch erlaubt ist, und versucht die Spielräume für rechte Ideologie zu weiten. Es reicht auch darum eben keine formale und rhetorisch durchaus geschickte Distanzierung von der „politischen Linie“ der Jungen Freiheit durch den neuen Kulturminister, weil die 6 Siebtel des nicht sofort sichtbaren Eisbergs – nämlich die Ideologie der Neuen Rechten von dieser Distanzierung gar nicht betroffen sind.
Über die Netzwerke der Neuen Rechten, den hilflosen Umgang mit der Jungen Freiheit durch Medien, etablierte Politik, Verfassungsschutz und Empörungs-Antifa sowie einige Thesen für einen adäquaten Umgang mit neurechter Ideologie und Netzwerk habe ich letztens einen Aufsatz geschrieben, in den es sich anläßlich des Peter Krause als Kultusminister vielleicht wieder hineinzusehen lohnt:

LR_JungeFreiheit1 (pdf, 271 KB)

Nun ist dem 1964 in der DDR geborenen Krause die paar Monate Redakteurstätigkeit für die JF vielleicht als orientierungssuchende Jugendsünde nachzusehen. Auch ist er in der Welt der Botho Strauss, Nietzsche, Jünger und Benn als Kulturwissenschaftler und -politiker und als „rechtskonservativer“ Mahner vor dem Massenmedienzeitalter und dem Untergang des Abendlandes vielleicht nicht unbedingt einer der schärfsten Neue-Rechte-Ideologen. Aber eins ist sicher: Als Kultusminister, der die Aufsicht über die Entwicklung der Bildungslandschaft in Thüringen hat, die – wie jedes andere der Deutschen Länder auch – mehr als ein Jahrzehnt versäumter Modernisierung des Schulwesens nachzuholen und sich schleunigst an die Entwicklung einer der Wissensgesellschaft adäquaten Lernkultur zu machen hat, ist Peter Krause eine krasse Fehlbesetzung.

Ein Gedanke zu „Peter Krause Kultusminister

  1. Jürgen Saalfeld, http://www.schuetzenbruderschaft-natzungen.de/index.html
    ich habe Ihren Kommentar hier gelöscht, da er sich ausschließlich mit der Person eines Journalisten beschäftigt, der über Krause berichtet hat. Die Art und Weise Ihrer „Eilmeldung“, diese Person durch Hörensagen-Informationen persönlich herabzusetzen und dessen Adresse und E-Mail hier zu veröffentlichen, gehört sich nicht und kann auf meiner Website nicht stehen bleiben.

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