Ausgehandelter Sprachgebrauch

Aus den Praxisproblemen meiner Redaktionstätigkeit:

SuS

Was ist das? Eine Weile habe ich gebraucht, um zu dekonstruieren:
Schüler. Ausgehandelt korrekt wurde daraus: Schüler und Schülerinnen. Das wurde dann in der ständigen Benutzung ziemlich lästig. Weiterentwicklung also: SuS. Wohlgemerkt nicht meine Erfindung, sondern üblicher Sprachgebrauch in Unterrichtsmaterialien.
Das ganze liest sich im Text dann so: „Auf dieser Grundlage sollen die SuS eigene Diskussions- und Erörterungsübungen durchführen.“ Nicht schön, nur für Eingeweihte verständlich, dafür aber korrekt und trotzdem praktisch.

Lehrkräfte

Auch die korrekten Lehrer und Lehrerinnen werden im Dauergebrauch lästig. Klar. Da fand man die Neutralisierung als Lösung. Der Lehrer und die Lehrerin als Kräfte im System. Aber da zeigt sich doch wieder eine Diskriminierung durch Sprache! Während das Geschlechterdiskriminierungsproblem auf der Schülerebene technisch mit einer Abkürzung gelöst wurde, die Menschen dabei quasi zu Buchstaben zusammengestrichen, erfährt dasselbe Problem auf der Lehrerebene eine Lösung, die den betreffenden Menschen besondere Qualität zuspricht.
Zur Vermeidung dieses neu aufgetretenen Diskriminierungsproblems schlage ich zwei Lösungen zur Auswahl vor:

Lehrkräfte und Lernkräfte

Das spiegelte immerhin sprachlich wider, dass zur Aufrechterhaltung
einer Unterrichtskommunikation – die den Kern des Schulsystems darstellt –
zweierlei Arbeitskrafttypen gleichermaßen kraftvoll beteiligt sein müssen.

SuS und LuL

Das hat den Vorzug, dass man sie auch gemischt auftreten lassen kann:
„Die SuL erarbeiten den zweiten Textabschnitt. Auch die LuS sind heute nicht faul und lösen zusammen eine Minimax-Aufgabe.“

8 Gedanken zu „Ausgehandelter Sprachgebrauch

  1. Auch schon mehrfach untergekommen sind mir die „SuSen“. Liest sich zwar irgendwie flüssiger als SuS, erinnert mich aber doch zu sehr an Heulsusen …😉

  2. REPLY:
    Zur Debatte stand bei mir nicht SuS UND Lehrende, sondern entweder SuS UND LuL ODER Lehrende (bzw. Lehrkräfte) UND Lerndende (bzw. Lernkräfte). Weil mir nämlich LuL genausowenig gefällt wie Dir, habe ich mich gefragt, wie wohl den Schülern SuS gefallen würde, wüßten sie davon, wie wir sie in didaktisch-methodischen Texten bezeichnen. Und ich kam zu dem Schluß, daß ihnen womöglich SuS genausowenig gefallen würde, wie uns LuL. Und genau darum ging es mir. Es war einfach nur der Versuch, mal „in den Schuhen der anderen zu gehen“.

  3. REPLY:
    OK. Wir reden ja unsere SuS nicht als SuS an, sondern persönlich mit ihren (Vor)namen. Wenn dann in Texten Abkürzungen verwendet werden, die unpersönlich aber praktisch sind, dann schmerzt das in sehr bescheidenem Ausmaß.
    LuL klingt noch dazu wie Lulu …🙂
    P.S.: In Öst. ist weder SuS noch LuL in Verwendung.

  4. Ich würde ja nur von „Lehrerinnen“ schreiben, einen „Lehrer“ gibt’s bei uns sowieso nicht mehr, darf ich aber nicht, schreibt das Schulministerium:

    „Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter sind auf die Verwendung einer geschlechtergerechten Sprache in ihrer Hausarbeit hinzuweisen (à Gleichstellung von Mann und Frau in der Rechts- und Amtssprache. Gem. RdErl. d. Justizministeriums, d. Ministerpräsidenten und aller Landesministerien vom 24. März 1993, MBl. NRW.S.780)“

  5. Liebe Lisa,

    mein Schweizer Kollege (und dort wohl nicht nur er) sagt und schreibt immer von den „Lehrpersonen“. Auch das ist eine durchaus nutzbare Variante, die zwar immer noch nicht schön ist, aber doch besser als SuS!

  6. REPLY:
    Sind denn mit Lehrpersonen die Schüler und Schülerinnen gemeint? Ich hätte jetzt an die Lehrer gedacht, also statt LuL. All diese sprachlichen Verrenkungen für formal verstandene politische Korrektheit! Eine gute Bekannte – ich sag jetzt nicht, wie sie heißt – schrieb ihre Diss. über das Thema Macht, Medien und Geschlecht. Darin ist dann tatsächlich von Mitgliedern und Mitgliederinnen die Rede. Diese hat alle Korrekturlesungen unbeschadet überstanden und ist dann so in Druck gegangen …😉

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