Die Eva, der Johannes und die Deutschen

Leider gab es den erfrischenden Artikel im aktuellen Stern über die Herman, den Kerner und die Deutschen nicht online, weil er der Titel ist, und so muß man den Stern mal wieder kaufen. Aber er ist wirklich gut: „Eva in der Nazifalle“, von Stefan Schmitz. Da stehen solche Sätze drin, wie:

„Aber ist es richtig, dass vor den Fernsehern Millionen Zuschauer sitzen, die denken, was man im Fernsehen nicht sagen darf? Natürlich nicht. Eine einfache Regel würde weiterhelfen: Volksverhetzer muss man bekämpfen, Ahnungslose informieren.“ Und:

„Wenn sich die Klassensprecher der Ahnungslosen melden, sollen sie reden. Auch Falsches und schwer Erträgliches. Das nervt. Aber wir müssen ihnen antworten, statt sie rauszuschmeißen.“

Richtig! Aber trotzdem: Was für ein Armutszeugnis für 50 Jahre Geschichtsunterricht nach Auschwitz durch Massenmedien und Schule, daß solche einfachen Fakten wie die Bedeutung der Autobahn, die Ursachen für die drastische Verringerung der Arbeitslosigkeit, und die Wahrheit über Mutterglück und Familienpolitik im NS-Staat von 20% der Deutschen heute nicht gewußt sind! Entweder lernt man in Deutschland gaaaaanz langsam, oder man hat ein furchtbar schlechtes Gedächtnis, oder irgendetwas stimmt nicht mit den Lehranstalten oder mit der Lehre.

5 Gedanken zu „Die Eva, der Johannes und die Deutschen

  1. stimmt schon, leider, wirklich ein erschreckendes armutszeugnis, ebenso wie diese unsägliche sendung mit der eva (wobei sie ja erst kurz vor schluß rausflog, also alles halb so wild – wer weiß, vielleicht war das ja sogar abgesprochen unke ich jetzt mal bösartig…)
    in diesem lande stimmt so einiges nicht…

  2. Ich glaube, dass einfach unheimlich viel Verdrängung im Spiel ist. Man fühlt sich für etwas schuldig, gleichzeitig aber unschuldig, weil man ja selbst nicht dabei war, und soll jetzt noch Trauerarbeit heucheln.
    Da verdrängt es sich einfach von selbst.
    Als Hinweis auf diesen Tatbestand würde ich anführen, dass das Leid einzelner Personen wesentlich mehr berührt als eine Meldung, dass zig- oder hunderttausende wegen Überschwemmung ums Leben kommen oder obdachlos werden.
    Vielleicht benötigen wir diesen Verdrängungsmechanismus auch, um am Leben zu bleiben und nicht kollektiven Massenselbstmord zu begehen. Lernen tun wir aus der Geschichte leider rein gar nichts, da gibt es auch keine Hinweise, dass man das früher gekonnt hätte.

  3. Ich merke bei den Schülern, dass sie sich für die NS-Zeit so wenig interessieren wie für den 30-jährigen Krieg. Das ist alles Vergangenheit. Und vll. ist das sogar gut.

  4. REPLY:
    Ich erlebe unter den Schülern viel Interesse an der Geschichte der NS-Zeit. Das heißt nicht, dass sie unbedingt Interesse am herkömmlichen Geschichtsunterricht darüber haben. Das darf man nicht verwechseln. Fehlendes Interesse an der Behandlung dieses Themas im Geschichtsunterricht sagt meiner Erfahrung nach zunächst etwas über den Geschichtsunterricht aus.
    Das Walter Moers-Video „Adolf, du alte Nazisau …“ kennt jeder Jugendliche bei uns. Es ist kult. Das wäre es nicht, wenn das Interesse an der NS-Geschichte marginal wäre. Dann könnte man nämlich mit der Gestalt Hitlers gar keine so hohe Aufmerksamkeit erzeugen.

  5. REPLY:
    Wenn „man“ – wer ist das? – sich gleichzeitig „für etwas“ – was denn? – schuldig, unschuldig und unter der Nötigung zu einer geheuchelten „Trauerarbeit“ fühlt, was auch immer hier damit gemeint sein soll – vermutlich nicht der psychoanalytische Begriff – , dann hat „man“ offensichtlich große innere Widersprüche. Was bedeutet „es verdrängt sich“? Der Beitrag klingt jedenfalls, als handele sich es um einen irgendwie automatisch ablaufenden Vorgang von irgendetwas, den irgendjemand in Gang gesetzt hat, von dem man auch nicht weiß, wer es ist. Bei so vielen Unbekannten ist es natürlich schwierig irgendetwas zu verstehen oder zu lernen außer der Botschaft: Bloß nicht damit beschäftigen, hat gar keinen Sinn!

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