Lernunfähige Bildungspolitik

Heute wird der Bericht-des-UN-Sonderbeauftragten (pdf, 193 KB) Vernor Munoz Villalobos in Genf vorgetragen, der vor einem Jahr das Schulwesen in Deutschland inspiziert und deutliche Kritik an dessen selektiver mehrgliedriger Struktur sowie am Föderalismus formuliert hatte.
Aber nichts hilft. Weder die critical friends von außen, noch die zunehmenden Stimmen unzähliger Bildungsforscher und Praktiker innen, noch die unabweisbaren Befunde empirischer Studien bringen Betonköpfe wie die Bildungsministerin Schavan oder den bayerischen Kultusminister Schneider aus der sturen Spur. Wie die Süddeutsche berichtet, wird anschließend an den Bericht des UN-Beauftragten eine gemeinsame Gegendarstellung von KMK und Bundesregierung verlesen, die das deutsche Schulsystem als Erfolgsgeschichte schönredet.
Auweia, was für eine infantile Haltung! Alle sehen und wissen, daß der Michel in die Hose gepinkelt hat – und der Michel weiß es auch. Aber offenbar ist es so peinlich, daß nur Verleugnung noch das Gesicht wahren kann: Nein, ich war das nicht, und die Hose ist auch nicht naß …

2 Gedanken zu „Lernunfähige Bildungspolitik

  1. Ich kenne die politische Lage in D zu wenig. Woran liegt diese Sturheit?
    In Österreich haben wir ja auch ein (anitquierters) Schulsystem, da sehr früh selektiert – aber die Mehrheit der Österreicher will das auch so!

  2. REPLY:
    Wenn die Bildungspolitik in Preußen nach den Befreiungskriegen von der Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung abhängig gemacht hätte, gäbe es vielleicht noch heute kein allgemeines öffentliches Pflichtschulwesen, das damals in ganz Europa als absolut vorbildlich galt. Obwohl es ein „Pflicht“-Schulwesen war, das den Schulbesuch der Kinder gegen den Willen vieler Eltern notfalls mit Polizeigewalt und die Finanzierung des Schulbetriebs auch durch die Kommunen damals oft genug gegen den Willen des Bürgertums durchsetzte. Fazit: Eine fortschrittliche – heißt: am allgemeinen Interesse aller Menschen interessierte – Bildungspolitik muß nicht immer mit der mehrheitlich geäußerten Meinung der Bevölkerung identisch sein. Anders: Sobald sich herausstellen sollte, daß die „konservative“ Bildungspolitik Österreichs das Land in einen ökonomisch bedenklichen Rückstand bringt, dann spätestens wird die Bildungspolitik genauso schnell geändert werden – auch gegen den Willen der Vielen – wie 1966 in Deutschland, als der Sputnikschock deutlich machte, welcher Rückstand der BRD durch die an der Mehrheit orientierte Widerstandspolitik gegen die Aufhebung der einklassigen Landschule drohte.
    Dafür gibt es viele ähnliche Beispiele.

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