Bilder vom Holocaust-Mahnmal

Mahnmal1

Mahnmal2

Mahnmal3

Mahnmal4

Aber was hast Du auf dem vierten Bild eigentlich fotografiert? Den Hubschrauber am Himmel? – das fragte mich G., dem ich die Bilder zeigte.

Ich habe das Mahnmal mit Kontext fotografiert – Hubschrauber, umliegende Häuser, Menschen die sich darin aufhalten –, denn mir ist aufgefallen, daß viele offizielle Fotos das Mahnmal als Objekt ohne Umwelt abbilden und ohne Besucher. Das Stelenfeld selbst, in „reinem“ Zustand, die Tafel mit der Besucherordnung, die verlangt, daß man nicht läuft, nicht raucht oder ißt, nicht laut redet, nicht auf den Stelen herumturnt, irritieren mich. Der „reine“ Zustand, das ist eine Interpretation dieses Monstrums, die „erhabene“ Gefühle hervorrufen will. Ich habe dann den starken Eindruck, daß es eigentlich ein Mahnmal der Selbstdarstellung der Berliner Republik ist, eine Performance fürs Ausland: „Schau her, Welt, wie perfekt wir die Sünde unserer Väter bewältigt haben“. (Kopf geneigt, Augen niedergeschlagen, Hände vorm Sack zusammengelegt und in „Betroffenheit“ gemacht.) Und gleichzeitig die obszöne geizige Art der Zwangsarbeiterentschädigung, das Feilschen um jeden Euro, der nicht gezahlt werden muß und die letztlich lächerlichen Summen, die ausgezahlt werden. Und immer weniger Überlebende, die überhaupt noch entschädigt werden können/müssen. Und immer noch aktuelles Geschehen, gerade letztens wieder: Erwiesene Täter, die nicht ans Ausland ausgeliefert werden, wo sie ihre Taten begangen haben, nach deutschem Recht aber nicht verurteilt werden, weil zwar Mord nicht verjährt, aber nur der hier als Mörder gilt, der die „Liquidierung“ eigenhändig vorgenommen hat, nicht der, der sie angeordnet oder beaufsichtigt hat. Immer noch eine Art Komplizenschaft. Im Deutschen Historischen Museum gibt es in der Abteilung Holocaust kein einziges Foto von einem Täter. Nicht einmal ein Bild von Himmler. Ein Verbrechen ohne Täter. Etwas Eigenartiges ist geschehen, wofür das Mahnmal ein Beispiel ist: Das Verbrechen wird ausschließlich mit den Opfern in Zusammenhang gebracht – nicht mit den Tätern. Man ist dabei, den Opfern individuelles Gesicht zu geben, das ist löblich. Die Ausstellung – genannt „Ort der Information“ – tut das ganz vorbildlich. Aber es ist eben kein einziger Täter zu sehen. Du siehst die Bilder von Ermordeten, aber keinen, der es getan hat. All diese grinsenden und lachend mit ihren Opfern posierenden Wehrmachtssoldaten, die man in der 1. „Wehrmachtsausstellung“ auf Landserfotos zuhauf hat sehen können – wo sind sie auf einmal? Wie weggeblasen! In Yad Vashem ist das richtig. In Deutschland ist es falsch.
Die Befürchtung Walsers, es handle sich um die „Dauerpräsentation unserer Schande“ ist völlig abwegig. Im Gegenteil: Das Denkmal heißt im Metatitel: „Wir sind wieder gut.“

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