Werteerziehung

Respekt als Grundprinzip fordert der Kommentar von Christian Füller zum Taz-Interview mit Wilhelm Heitmeyer. Heitmeyer sieht einen Zusammenhang zwischen Schulsystem und Fremdenfeindlichkeit.„Demokratieentleerung“ ist seine Gesellschaftsdiagnose. Auf die Frage, ob er etwas von Wertevermittlung in der Schule hält, hat Heitmeyer ein klares Nein:
„Wenn ich höre, dass wir Werte im Schulunterricht behandeln sollen, werde ich unruhig … Das ist ein Selbstbetrug, der nur der Gewissensberuhigung dient. Wer in der Schule Werte lehren will, hat schon verloren, denn diese proklamierten Werte stimmen mit den prämierten Werten, wie Durchsetzungsvermögen, nicht überein. Die Erfahrungen der Jugendlichen sind doch völlig anders. Dagegen kommt Werteunterricht nicht an. Die Jugendlichen haben diese Heuchelei längst durchschaut.“
Ganz richtig: Werte oder Normen –Einstellungen, Haltungen, die sich in einem bestimmten gesellschaftlich erwünschten Verhalten ausdrücken, lassen sich nicht durch Belehrung und kognitiven Unterricht in den Schülern „herstellen“. Vor allem dann nicht, wenn die Schüler ständig die Erfahrung machen, dass diese Werte – Solidarität, Mitmenschlichkeit, Akzeptanz, Toleranz, Respekt, freie Meinungsäußerung, usw. – offensichtlich nicht für alle gelten: Davon, daß in der Gesellschaft „draußen“ – außerhalb des angeblichen „Schonraums Schule“ die Fetzen fliegen und Hauen und Stechen ist, mithin also die Werte und Normen offenbar auch in der Erwachsenenwelt nicht eingehalten werden – soll hier gar nicht die Rede sein. Ich beschränke mich auf mein Tätigkeitssystem: Schule. Und ich spreche von einer guten Schule. Vom Gymnasium. Nicht vom dekompensierten System, von „Rütli“, „Emsdetten“ oder „Erfurt“. Sondern vom funktionierenden System, von einem Gymnasium mit einem guten Ruf. Sogar von einem Gymnasium, das als „schülerfreundlich“ im Stadtteil gilt.

Eine ganz normale Begebenheit in eben dieser Schule:

Große Pause. Ein Kollege ist mit mir zusammen im Lehrerzimmer. Geschrei im Flur. Es rumpelt mächtig an die Tür. Der Kollege bekommt eine Zornesfalte über der Nase und knurrt, öffnet die Tür und herrscht den davor stehenden Fünftklässler an: „Kannst Du nicht manierlich klopfen? Noch mal versuchen!“ und wirft die Tür vor der Nase des Schülers wieder zu. Erneut großes Geschrei und Poltern an der Tür. Jetzt ist der Lehrer wirklich erbost. So eine Unverschämtheit! Er stürmt zur Tür, reißt sie auf … und behende huscht eben jener Fünftklässler herein, schaut sich suchend um und rennt dann unter einen Lehrertisch, wo er sich hinkauert. Der Kollege weiß gar nicht, wohin mit seiner Wut: „Was fällt Dir ein, Du hast doch hier gar nichts zu suchen. Das ist doch kein Spielplatz hier!“ schreit er und versucht, den Schüler unter dem Tisch hervor zu zerren. Ich sage: „Moment. Langsam. Das ist wohl etwas anderes. Frag doch erst mal, was der Schüler hat. Da stimmt doch was nicht!“ Aber der Kollege ist von seiner „Erziehungsberechtigung“ so überzeugt, einer Berechtigung, die nicht fragen muß, weil sie weiß, daß Regeln übertreten wurden, und weil es nicht anders sein kann, als daß der Schüler im Unrecht ist. Ich muß ernsthaft mit ihm streiten, um den Schüler im Lehrerzimmer behalten und fragen zu können, was denn los sei. Erst jetzt kommt „man“ überhaupt dazu, den Schüler wahrzunehmen: Dieser macht einen gehetzten und verängstigten Eindruck, jetzt mischt sich allerdings Erleichterung hinzu, weil er hier bleiben darf. Und jetzt darf er sprechen. Und jetzt stellt sich heraus, daß er von älteren Schülern verfolgt wurde und in seiner panischen Angst versucht hat, sich ins Lehrerzimmer zu flüchten und dort Hilfe zu holen.

Eine ganz normale Schulgeschichte also. Nichts Aufregendes also. Doch! Aufregen muß man sich! Gerade darüber, daß es eine so normale Geschichte ist!
Welche Werte hat der Schüler in dieser Geschichte wohl gelernt? Daß die Schwachen zu schützen sind, daß Solidarität und Mitgefühl wichtig sind, daß Achtung und Respekt einem jeden zustehen? Wohl kaum.

In der Schule bedeutet Respekt fast immer einseitig das Respektieren von Erwachsenen-Autoritäten. Respektvoller Umgang mit Schülern? „Die sollen erst mal lernen … (anständig zu grüßen, pünktlich zu sein, ordentlich mit ihren Sachen umzugehen, ihre Leistung zu erbringen…)“ In der Schule gilt: Respekt und Akzeptanz kann man sich nur mit Anpassung und „Leistung“ verdienen. Sie stehen dem Schüler nicht von vorneherein zu, dem Lehrer als Erwachsenem jedoch generell und qua Amtsautorität sowieso. Dieser kann sie auch kaum verlieren und muß sich wirklich einiges an Schweinereien in Folge „leisten“, um sich offizielle Abmahnung zu „verdienen“. Den wirklichen Respekt der Schüler kann der Lehrer allerdings schnell verlieren und leicht gewinnen. Denn erstens sind Schüler sensibel und klug und lassen sich nicht einfach hinters Licht führen, und zweitens sind sie zum Glück nicht nachtragend.

Im Konfliktfall mit einem Lehrer ist auch der schon mühsam erarbeitete und verdiente Respekt, den ein Schüler sich erworben hat, wieder hin, denn es gilt: Der Schüler hat im Zweifelsfall immer Unrecht. Immer noch gelten Normen und Systemregeln in der Schule, in denen zumindest implizit die Denkfigur enthalten ist, dass ein Mensch ein Erwachsener sei. Kinder müssten erst noch Menschen werden. Dazu müssten sie – wild und unzivilisiert, wie sie nun einmal als halbe Tiere sind – zur Anpassung an die herrschenden menschlichen Regeln, Normen und Werte gezwungen werden. Triebunterdrückung, Schliff, Brechung des Eigensinns … Welche Werte kann man damit wohl „vermitteln“? Im Systemblick der Schule, der sich als Blick des Lehrers auf den Schüler konkretisiert, hat Erziehung auch heute noch dasselbe Menschenbild wie im Kaiserreich – auch wenn nicht mehr geschlagen wird: Demütigung, Mißachtung, Verachtung gehören immer noch zum System. Sie sind zwar nicht mehr explizite Erziehungsmethoden, denn das Selbstverständnis ist ein anderes geworden. Aber darum fallen sie denjenigen, die sie praktizieren, den Lehrern, überhaupt nicht auf. Weit von sich weisen sie jeden Vorwurf der Ungerechtigkeit, der Demütigung, der Mißachtung. In Wirklichkeit sind die Lehrer in der Schule jedoch pausenlos angehalten, ungerecht zu urteilen und zu handeln, zu demütigen und zu mißachten. Sie sind dazu ausgebildet worden und sind es gewohnt, so zu handeln ohne sich selbst so zu sehen.

In manchem Lehrerdasein müssen pro Woche Hunderte von Schülern in zig Klassen zu je 25-30 Individuen zusammengefaßt im Kollektiv und im Einzelnen belehrt, ermahnt, erzogen, korrigiert, beurteilt, bestraft, kontrolliert, zensiert werden. Natürlich sollten sie auch ermuntert, amüsiert, erfreut und gelobt werden. Aber dazu ist meist keine Zeit mehr. Denn das System fordert nur die andere Seite ein. „Warum keine Hausaufgaben?“ schrieb der Direktor in mein Unterrichtsbuch, das er zur Kontrolle studiert hatte. Und: „Ihr Zensurenschnitt ist zu gut, er weicht von denen der Parallelklassen ab“, sagte er auf der Konferenz. Nie habe ich die Anweisung gehört, freundlicher mit den Schülern zu sein, gnädiger oder nachgiebiger. Wenn Schüler einen Lehrer als ungewöhnlich streng oder als ungewöhnlich ungerecht erleben, dann müssen sie kämpfen mit allen Mitteln, damit sie überhaupt gehört und ernst genommen werden. Denn das System reagiert nicht von selbst auf solche Abweichungen. Es dauert meist viele Wochen, in denen Schülervertreter, Elternvertreter, ganze Schulklassen mit Unterstützung der Eltern und unter Einbeziehung des Vertrauenslehrers und gar des Direktors einen solchen Lehrer dazu bringen, seine Abweichung von der geltenden Ungerechtigkeits- oder Strengenorm einzusehen und etwa Noten nach oben zu korrigieren. Nein – letzteres ist unmöglich. Auch eine förmliche Entschuldigung – womöglich öffentlich – eines Lehrers an einen ungerecht behandelten Schüler ist eher nicht zu erwarten. Es würde das System untergraben. Die Schüler müssen sich also damit zufrieden geben, daß erst in der nächsten Klassenarbeit weniger streng bewertet wird, und der ungerecht behandelte Schüler muß froh sein, wenn die Ungerechtigkeit zähneknirschend zugegeben und wortlos rückgängig gemacht wird. Und die Schüler geben sich damit zufrieden. Schüler sind überhaupt leicht zufrieden zu stellen, denn sie erwarten gar keine Wunder. Sie sind eigentlich unglaublich systemkonform. Sie sind überhaupt immer eher defensiv eingestellt und kämpfen überhaupt nur im Notfall, wo es gar zu grob daneben gegangen ist. Aber genau da lauert die Gefahr: Wenn Schüler abwinken und sagen: „Mit dem Lehrer reden? Das hat überhaupt keinen Zweck!“ Und sich dann mit einer als zutiefst ungerecht empfundenen Bewertung „zufrieden“ geben.

10 Gedanken zu „Werteerziehung

  1. REPLY:
    danke für Dein bestätigendes Feedback. Ja, ich war 20 Jahre lang Lehrerin und bin heute in der Lehrerfortbildung tätig. Weil wir Lehrer in der Ausbildung auf ein Rollenverständnis hin trainiert wurden, daß wir besser wissen, was gut für unsere Zöglinge ist, als diese selbst, und sie darum auch gegen ihren Willen belehren und erziehen dürfen und sollen, fällt es uns schwer, überhaupt einen Sinn darin zu finden, die Schüler zu fragen, was sie wollen, ihnen zuzuhören und ihre Anwort ernst zu nehmen. Wozu auch? Wir wissen es doch sowieso besser. Mit dieser Haltung zeigen viele Lehrer nicht nur keinen Respekt vor Kindern und Jugendlichen – was ja in unserer Gesellschaft auch außerhalb der Schule gang und gäbe ist, sondern gehen häufig auch anderen Erwachsenen auf die Nerven. Da fällt es dann erst richtig auf. Die Erwachsenen können sich aber wehren oder dem Lehrer einen Vogel zeigen und sich über diese deformation professionell lustig machen. Die abhängigen Schüler leider kriegen eins drauf, wenn sie sich mit solchen Verhaltensweisen von dem Erlebnis der Demütigung entlasten.
    Die Lehrerausbildung muß schleunigst für ein anderes Leitbild vom Lehrer sorgen, damit wenigstens die nächste Lehrergeneration anders an ihren Beruf rangeht. Die jetzigen Lehrer kriegen die Wende dann hin, wenn sie endlich ernst nehmen, was sie immerzu schmerzhaft erleben müssen: Daß ihre Arbeit wenig Erfolg hat. Denn gegen die eigenen Bedürfnisse und Interessen lernt kein Mensch. Wenn die Lehrer also Spaß an ihrer Tätigkeit haben wollen – und das kann man ja nur, wenn die Tätigkeit erfolgreich ist -, dann müssen sie sich um ein neues Rollenverständnis kümmern.
    Herrn Raus Posting im Lehrerzimmer darüber, wie er Schüler – trifft er sie außerhalb der Schule – plötzlich ganz anders wahrnimmt, ist darum sehr interessant. Ein neues Rollenverständnis hat nämlich mit einem veränderten Blick auf die Schüler – die ja der Gegenstand unserer Arbeit sind – zu tun.

  2. REPLY:
    Dem kann ich nur zustimmen… (was meine Sichtweise an Beobachtungen zulässt).

    Aber ich möchte mal etwas ganz anderes einbringen:
    von Lehrerfortbildungen habe ich bisher nur Schlechtes gehört (von wem möchte ich hier nicht sagen, da der/diejenige möglicherweise mit Konsequenzen rechnen müsste – so weit sind wir also schon!). Mir wurde von einer Fortbildung erzählt, auf der man – in Gruppenarbeit – Eier in Strohhalmen verpacken und dann aus dem Fenster werfen muss. Die Gruppen – bestehend aus studierten Lehrkräften – sollte sich Gedanken darüber machen, wie man die Eier am besten verpacken könnte, damit sie beim Aufprall nicht beschädigt werden. Und wenn das nicht schon schlimm genug wäre: die AUSGEBILDETEN Lehrer, die sich eigentlich >FORT

  3. REPLY:
    Tut mir ganz herzlich leid, aber der Blog bzw. die Blogsoftware scheint wegen dem < und > meinen Kommentar halb abgeschnitten zu haben. Sorry…
    hier der zweite Teil:

    (…) die AUSGEBILDETEN Lehrer, die sich eigentlich FORTbilden „wollten“ (mehr oder weniger), mussten Gedichte für jedes Ei verfassen und den Eiern sogar Namen geben… und das Gedicht musste am Ende jede Gruppe vortragen… ich krieg dabei immer Lachkrämpfe, wenn ich mir das vorstelle. Das hat in meinem Weltbild leider nicht den Begriff „Fortbildung“ verdient… und wer auch immer anders darüber denkt, der war nie in der Schule. Tut mir echt leid, ich will niemanden beleidigen, aber im Moment kann ich solche Aktionen wirklich nicht nachvollziehen.

    Also angesichts dieser und anderer Erzählungen denke ich natürlich einseitig negativ über Fortbildungen. Vllt. könntest du mir eine etwas andere Seite an diesen Fortbildungen aufzeigen. Oder läuft das bei dir genauso, weil man ja „modern“ sein muss?

    MfG

  4. Lieber Robert, klar gibt es unmögliche Fortbildungsstunden – genauso wie es unglaubliche Unterrichtsstunden gibt. Und natürlich gibt es jede Menge Geschichten. Die Eiergeschichte sagt gar nichts darüber aus, ob sie sinnvoll war oder nicht, wenn man den Kontext nicht kennt. Das ist das Merkmal solcher Geschichten, daß sie etwas als möglichst schrill und verrückt darstellen , indem sie es aus dem Sinnzusammenhang reißen, denn das Motiv, solche Geschichten zu erzählen, ist ja, die gesamte Fortbildung zu desavouieren. Aber klar ist auch, dass sie nicht allgemein Auskunft darüber geben können, „wie Lehrerfortbildung ist“. Die Lehrerfortbildner sind selbst Lehrer an einer Schule – nicht nur jahrzehntelang gewesen, sondern meist auch noch gleichzeitig mit ihrer Beschäftigung als Fortbildner. Und es sind gewiss nicht die schlechtesten Lehrer. Am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg wird – mir vor allem bekannt in den Naturwissenschaften und im Mathematikunterricht und in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern – den Lehrern ein wirklich seriöser und den neuesten Forschungen der Unterrichtswissenschaft und Fachdidaktik enstprechender Unterricht vermittelt. Neu ist für viele Lehrer – aber auch Fortbildner – die nötige Umstellung von der Rolle eines Belehrenden, der als der Wissende den unwissenden Schülern/Kollegen „Wissen beibringt“, zu einer Rolle des „Lernexperten“, also eines Experten, der den Schülern/Lehrern bei ihrer Wissensbildung professionell hilft. Die nötige Rollen-Neudefinition der eigenen Tätigkeit führt natürlich zu Spannungen und Widersprüchen, denn es ist nicht einfach, sich einzugestehen, dass man vielleicht jahre- sogar jahrzehntelang etwas falsch gemacht hat in der Arbeit mit Schülern, das man jetzt ändern kann/soll. Da fällt es vielen leichter, diese Zumutung einfach abzuwehren, indem sie Annekdötchen erzählen.

  5. REPLY:
    Liebe Lisa Rosa😉,

    deinem Kommentar entnehme ich, dass du meine Geschichte nicht für voll nimmst. Ich garantiere dir aber, dass diese Geschichte so geschehen ist und nicht übertrieben ist.
    Oder hast du das ganz anders gemeint in deinem Kommentar?
    Und wo ist diese Geschichte aus dem Zusammenhang gerissen? Ich habe vllt. nur das eine oder andere Detail vergessen, zu erzählen. Zum Beispiel war der „Sinnzusammenhang“, den du als absichtlich verworfen darstellst, die „Teamfähigkeit“ zu verbessern und die Lehrer in die Rolle des Schülers zu versetzen, um ein besseres Verständnis zu ermöglichen. Ich habe die Geschichte wohl ein bisschen in ein schlechtes Licht gerückt, weil ich nicht alles aufgezählt habe, was mir meinerseits erzählt wurde.

    Ich will auch noch hinzufügen, dass ich mir darüber bewusst bin, dass ich nicht anhand einer einzigen Geschichte ein Gesamturteil für alle Fortbildungen treffen kann. Es gibt bestimmt auch bessere Fortbildungen… aber erstmal sollten wir obige Fragen klären, die mich wirklich interessieren (wie die ganze Diskussion). Wenn ich falsch liege, möchte ich ja nicht noch länger falsch liegen. :O
    (Ich hoffe, dass dir das nicht zu dumm wird, einem Schüler die Lehrerfortbildungen zu erklären.)

  6. ich fürchte, Du hast mich mißverstanden, Robert. Ich fand die Beschreibung dessen, was da auf der Fortbildung vorgegangen ist, durchaus glaubhaft. Außerdem habe ich überhaupt keinen Grund, dir irgend etwas zu unterstellen! Entschuldige bitte, wenn dieser Eindruck entstanden ist.
    Ich habe den Bericht noch mal gelesen. Es fehlt mir immer noch der Kontext, in dem diese Eiergeschichte sich abgespielt hat. Ich kann erst entscheiden, ob ich es für Unsinn halte oder für etwas Sinnvolles, wenn ich weiß, was die Eier bedeuten sollen, was der Fortbildner vorher gesagt hat usw. Gedichte an jemanden zu schreiben und dann im Plenum vorzutragen, halte ich z.B. nicht für Blödsinn. Die Eier könnten stellvertrende Objekte für etwas sein. Was weiß ich? Ich kenne auch solche „Geschichten“, aus denen man nicht so recht schlau wird, und die einem verrückt erscheinen. Wenn man die gleiche Geschichte dann im Zusammenhang dessen erfährt, was „drumherum noch war“, dann versteht man plötzlich, was das ganze sollte und es bekommt einen Sinn. Das will natürlich nicht heißen, daß in der Lehrerfortbildung nicht auch großer Blödsinn vorkommt – wie übrigens überall.

  7. REPLY:
    Ich habe Dir jetzt zweimal ganz ausführlich auf Dein Blog kommentiert –
    zum Beitrag „Erster Schultag – verkehrte Welt“ – aber jedesmal ist beim Klicken auf submit der Beitrag gelöscht worden. Auch wenn ich zuerst den Blödmann-Test gemacht und abgeschickt habe, hat es nicht geklappt. Guck doch mal, ob da was faul ist an Deiner Kommentarfunktion.

  8. REPLY:
    1. Das Kommentieren in meinem Blog sollte wieder funktionieren. Tut mir ganz herzlich leid, dass da etwas schief gelaufen ist (offenbar verwendete das alte „Theme“ eine relativ neue Web-Technik, die sich AJAX nennt; diese wird aber nur in neuen Browsern unterstützt).

    2. Ich werde es erstmal unterlassen, auf dieser Geschichte mit den Eiern weiter rumzuhacken. Du hast natürlich Recht, dass man so etwas als Außenstehender schlecht beurteilen kann.
    Aber die Geschichte kommt mir deshalb so authentisch vor, weil bei mir in der Schule oft genug dasselbe aufgedrängt wird. Absolut kindische Methoden … und das in der Oberstufe! Man hat die Pflichten eines Erwachsenen (sogar noch mehr, denn man als Schüler ja alles perfekt machen) aber wird wie ein Kleinkind behandelt. So kommt es mir manchmal vor.
    Beispiel: im Französischunterricht mussten wir „tanzen“… das war wirklich unter aller Sau. Die Lehrerin war ja ganz nett und hatte durchaus Ahnung. Sie hat auch ordentliche, gerechte Noten gegeben. Aber das mit dem Tanzen war einfach zu viel (+ diverse Ballspiele und solche Sachen). (Natürlich machen solche Spiele in der Unterstufe/Mittelstufe durchaus Sinn. Aber eben nicht in der Oberstufe…)

    Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass man wegen der vielen modernen „Methodiken“ gar nicht mehr zum Lernen kommt. Die Lehrer sind derart damit beschäftigt uns Schüler mit ihren Methoden zu motivieren und zu begeistern und uns in Gruppenarbeit zu trainieren, dass wir gar nicht mehr dazu kommen mal etwas einfach auswendig zu lernen. Es gab in meiner bisherigen Schulzeit nur wenige Lehrer, die uns „durchgepeitscht“ haben, und die hatten immer durchschlagenden Erfolg. Auch ohne Gruppenarbeit und ohne großartige Methodiken. Das ist im Grunde der Punkt, bei dem bei mir das Verständnis aufhört. Die einfachsten Dinge sind nämlich nach wie vor die besseren. „Never change a running system.“🙂

  9. Jetzt verstehe ich, was Du meinst. Ja, viele glauben, man muß nur „moderne“ Methoden einsetzen, dann wird der Unterricht besser und die Schüler lernen lieber, schneller oder mit länger anhaltenden Effekten, oder was auch immer. Die „modernen“ Methoden, die da im Angebot sind, sind in Wirklichkeit schon alt bzw. Varianten alter Methoden aus der Reformschulzeit der 20er Jahre oder aus der Psychogruppenzeit der 60er oder woher auch immer. Ich halte weder was von der Ansicht, mit einer anderen Unterrichtsmethode würde das Schul- bzw. Lernproblem gelöst, noch glaube ich, daß Methoden „an sich“ richtig oder falsch sind. Ob eine Methode richtig oder falsch ist, zeigt sich an der konkreten Situation und an dem, was konkret gelernt werden soll. Form follows function. Das ist meine Devise. Manchmal ist ein Lehrervortrag richtig, manchmal eine selbständige Gruppenarbeit, in der die Schüler selbst ihre Arbeitspartner wählen, manchmal ist es besser, der Lehrer stellt die Arbeitsgruppen zusammen, manchmal paßt am besten Einzelarbeit am Buch mit einer Arbeitsblattvorlage, in die Lösungen einzutragen sind … usw.
    Falsch ist, wenn man glaubt, das MOTIVATIONSproblem mit irgendwelchen „Ringelpietz“-Methoden zu lösen. (Das war vielleicht Dein Eierbeispiel.) Das Motivationsproblem halte ich für eines der größten Lernverhinderer in der Schule. Es hat mit Methoden gar nichts zu tun, sondern damit, daß der Unterricht mit seinem Inhalt und Stoff pfeilgrad am persönlichen Sinn der Schüler vorbeigeht.

  10. REPLY:
    So habe ich das in etwa gemeint…😉
    Und kann nichts mehr hinzufügen. (Wollte aber trotzdem antworten als „Ich habe es gelesen“-Bestätigung.)

    MfG

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