Weblogs – der SAMPO der Wissensgesellschaft

Alle haben sie schon verlinkt – die Master Thesis von Wolfgang Schweiger:„Weblogs in der Wissensgesellschaft“. Ich möchte es trotzdem auch noch tun, denn es ist die beste Arbeit über die Bedeutung von Weblogs, die ich bisher gefunden habe. Auch über die Merkmale der Wissensgesellschaft, die Definition von Wissen und über geeignete und ungeeignete Lerntheorien erfährt man in der gut strukturierten Arbeit eine Menge.
Zusammengefaßt liegt nach Schweiger die Bedeutung des Weblogs in seiner Fähigkeit, dem Digital Divide entgegenzuwirken und eine Plattform für den Austausch potenziell aller Menschen anzubieten und damit zur Wissensproduktion beitzutragen:

„Suchmaschinen liefern nur Informationen, die zwar nützlich und erforderlich sind, manchmal aber nicht ausreichend. Weblogs hingegen liefern neben den bloßen Informationen auch Erfahrungsberichte, persönliche Wertungen und Beispiele der praktischen Anwendung, kurz gesagt Wissen. Damit kompensieren sie nach Meinung von Tschertau ‚auf eine selbstorganisierte Weise den größten Nachteil des Internets: seine Unübersichtlichkeit. Sie schaffen Metadaten für Dokumente und sie schaffen Interpretationen und semantische Zusammenhänge.‘ (Tscherteu)“

Hinzuzufügen wäre die Fähigkeit des Blogs, bei zwei grundlegenden Entwicklungsaufgaben des Menschen in der Wissensgesellschaft als vermittelnder Gegenstand zu dienen: Bei der Individualisierung und der Kommunikations-Netzwerkbildung.

Warum aber SAMPO? Wer ist das überhaupt? Gestoßen bin ich auf den Sampo in Yrjö Engeströms Einleitung zu seinem Aufsatzband „Developmental Work Research. Expanding Activity Theory in Practice“. Der Sampo ist ein magischer Gegenstand im Kalevala, dem finnischen Nationalepos, der in den Worten Engeströms

„die Quelle aller Gesundheit und allen Wohlbefindens ist. Der Sampo wurde von einem mächtigen urzeitlichen Schmied geformt. Bis jetzt sind seine Gestalt und seine genauen Eigenschaften nie beschrieben worden. Der Sampo wurde Anlaß eines Streits, er wurde zerschlagen und über Bord geworfen. Aber die Splitter des Sampo, die an die Küste gespült wurden, brachten dem Volk Reichtum (…) Der Gegenstand ist mehr als ein starres materielles Ding: Er muß geschmiedet werden, er geht durch viele Hände, er erzeugt Leidenschaften und Kämpfe, er wird fragmentiert und wieder eingesammelt. Er ist einzig, jedoch überall. Er ist ein Horizont von Möglichkeiten. Mit anderen Worten: Der Sampo ist der Kern des Gegenstands jeder produktiven Tätigkeit. „
(im Original engl., Übersetzung LR)

Mir scheint, das Weblog hilft beim Einsammeln der Fragmente. Gleichzeitig scheint es selbst so etwas wie ein Teil des Sampo zu sein.

Ein Video mit einem Interview Engeströms über seine Theorie des Expansiven Lernens fand ich bei Knowledging across life’s curriculum.

Obwohl Weblogs – wie Schweiger zeigt – so überaus potent für die Lerntätigkeit sind, sind sie in der Schule noch nicht angekommen. (Von Ausnahmen wie bei bloggenden Lehrern wie im virtuellen Lehrerzimmer von Herrn Rau oder im Herrmann-Vöchting-Gymnasium Blomberg, der Schule, die als Homepage ein Blog hat, mal abgesehen.)
Für mein Angebot, Hamburger Lehrer beim Einsatz von Blogs zu beraten, habe ich ein Exposé mit Beispielen für die Anwendung-in-der-Schule1 (pdf, 80 KB) geschrieben.

Ein Gedanke zu „Weblogs – der SAMPO der Wissensgesellschaft

  1. Hallo Lisa Rosa! Du hast eine sehr präzise Formulierung für meine
    Master Thesis gefunden – herzlichen Dank dafür. Deinen Ansatz bezüglich Sampo
    finde ich interessant und gibt mir ein schönes Bild über die Funktion von Weblogs.
    Leider war mir der Autor Engeströms bis jetzt unbekannt – werde aber versuchen
    sobald wie möglich ein Buch von ihm zu lesen. Schöne Grüße Wolfgang

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