Das Geheimnis, zweiter Teil

Endlich mal was Gescheites zum Thema Nationalfahnenschwenkerei:

Klaus Hurrelmann, Bielefeld – oder war es nun Klaus Boehnke, Bremen? – das ist etwas unklar, aber nicht so wichtig, dafür ist wichtig, daß die Einschätzung richtig:
via amazemans journal (Rechtschreibung bereinigt):

„Also ich würde garnicht mal das Argument bemühen, daß Deutschland ein schwieriges Vaterland ist, dem man sich nicht wirklich mit der Nationalfahne irgendwie präsentieren sollte.
Was mir als wichtiger erscheint ist, daß diese nationale Symbolik ja etwas aus meiner Sicht völlig Altmodisches ist. Nation und Patriotismus und Schwarz, Rot, Gold ist etwas, das kommt aus dem 19. Jahrhundert, und hier wird einfach so getan, als würde es taugen für das 21. Jahrhundert, und in diesem Sinne wird Rückbesinnung verlangt. Und das kann eigentlich nicht stimmen – wir können uns nicht auf etwas rückbesinnen, das im 19. Jahrhundert hervorgebracht wurde.“

Und hinzuzufügen wäre: Wir wollen und dürfen uns auch nicht auf etwas rückbeziehen, was wir im 21. Jahrhundert, in dem es mit der Bedeutung des Nationalstaats rasant zuende geht, nicht nur nicht mehr gebrauchen können, sondern was uns auch am Erwerb von Zukunftsfähigkeit behindert.

Im Gegensatz dazu stimmt die Freude über die „Normalität“ nationalstaatlicher Gefühlswelten der Linken, die Gysi als Vertreter der nationalen Linken befällt, eher traurig. Zeigt das doch, daß diese Linke nicht Avantgarde, sondern Nachhut ist:

„Die Konservativen haben Deutschland immer als eine Nation verstanden, zu der zumindest bestimmte Linke nicht dazugehören. Diese Linken haben das irgendwann akzeptiert und sich nur noch außerhalb und gegen die Nation definiert. Das war zwar verständlich, aber ein Fehler. Eine Linke mit einem so gestörten Verhältnis zur Nation kann natürlich nie mehrheitsfähig werden. Eine Nation, die man nicht will, kann man nicht führen. Da ist ein Widerspruch im Kopf und ein Widerspruch im Herzen.“

Na gut, Nachhut hat auch ihre Funktion und wird gebraucht. Allerdings hat „die Linke“ eigentlich andere Aufgaben. Und wer übernimmt diese jetzt?

4 Gedanken zu „Das Geheimnis, zweiter Teil

  1. Mit diesen Interview von Gysi, wird eines deutlich, die linke verabschiedet sich aus der diskussion.
    Die Gründe sind durchaus nachvollziehbar, sehen wir doch täglich wie über derzeit gegen Mahner gehetzt wird, aber es ist dennoch bedauerlich, dass Gysi diesen Schritt geht.
    Aber geht ihn nich ganz kritiklos, dass habe ich auch bei mir erwähnt, Länder die einfach zu viele Fahnen schwenken haben ein Minderwertigkeitsproblem. Er spricht zwar die DDR an, meint aber auch die Gesamtdeutsche Vergangenheit, denn eigentlich hatten wir immer diesen Minderwertigkeitskomplex.
    Genauso traurig ist auch der Fakt, dass die Gewerkschaften wieder einen Rückzieher machen.
    Du hast Recht, dass Thema Nationalstaat gehört der Vergangenheit an, gerade wo wir doch dabei sind einen einheitlichen europäischen Staat zu gründen. Eigentlich müsste doch mittlerweile jeden klar sien, dass wir Europäer sind.

  2. nun ja, es gibt ja verschiedene arten von fahnen. mein nachbar zum beispiel hat schon nachmittags eine besonders unangenehme. aber das thema heisst ja: nationalfahnenschwenkerei. du behauptest, der langweilige hinweis, dass nationalstaatliche symbolik aus dem 19. jahrhundert stamme und deswegen im 21. jhr. nicht mehr „taugen“ koenne, sei „gescheit“.
    na ja nationale symbolik scheint mir noch ein wenig aelter zu sein und die frage, die sich mir stellt ist, wozu sie taugen sollte? in diesem fall soll sie wohl auf die fussi-wm hinweisen. ich wuerde das schwenken dann auch nicht als ausdruck einer konservativ-nationalistischen weltanschauung, sondern als ergebnis der jahrelangen medienberieselung fuer das tolle event bewerten. wenn morgen abend your heimspiel dann vorbei ist, und die welt wieder nach hause gefahren ist hat der spuk hoffentlich ein ende und dann hoeren wohl auch endlich die debatten auf, was fuer ein verhaeltnis die deutschen zu ihrer nation haben und wie es sein sollte.
    es sei denn, jan ullrich gewinnt die tour de france, aber das wollen wir ja wirklich nicht hoffen

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