Medienrealität in der Schule

Heute wieder mehr das Cyberspace nach Brauchbarem abgeleuchtet, denn irgendetwas Produktives gemacht. Gefunden habe ich eine Schule, die sich ein Blog angelegt hat. Aber was finde ich da? Der Administrator kontrolliert alle Beiträge, Diskussion ist in Foren verwiesen, deren Themen identisch mit den Unterrichts- und Projektthemen sind, und die Schülerkommunikation will nicht recht in Gang kommen. Kein Wunder! So ist es mehr eine leichter zu handelnde Website, denn ein Meinungsaustausch. Tja – wenn man alles erst als Beitrag „anmelden“ muß, und der Beitrag dann auch noch zensiert werden kann, wozu sollen die Schüler dann überhaupt schreiben? Die meisten Beiträge stammen von dem, der wohl das Schulblog „pflegt“ – klar ein Lehrer. Die „Ecke“ für die Schülervertreter bringt nur deren Namen. Noch nicht mal, was sie vorhaben oder machen, geschweige denn eine Diskussion darum.

In den OECD-key-competencies (S. 12) steht dazu, was ein etwas ausführlicheres Zitat lohnt:
„Die interaktive Anwendung von Medien … erfordert mehr als den Zugang und die technischen Kenntnisse für den Einsatz des „Werkzeugs“. … Die Menschen sollten ebenfalls Kenntnisse und Fertigkeiten neu entwickeln und anpassen. Dies setzt sowohl eine Vertrautheit mit dem Werkzeug voraus als auch ein Verständnis dafür, wie es die Art und Weise der Interaktion mit der Umwelt verändern, und wie es zum Erreichen von Zielen eingesetzt werden kann. In diesem Sinne dient ein Werkzeug nicht allein der passiven Übermittlung, sondern vielmehr einem aktiven Dialog zwischen dem Individuum und der Umgebung.
Menschen treten mit der Welt durch kognitive, soziokulturelle und physische Medien und Mittel in Verbindung. Die Art dieser Interaktion wiederum bestimmt, wie sie die Welt deuten und Kompetenzen darin erwerben, mit Transformation und Wandel umgehen und auf langfristige Herausforderungen reagieren. Die interaktive Anwendung von Medien und Mitteln eröffnet neue Möglichkeiten, die Welt wahrzunehmen und mit ihr in Beziehung zu treten.“

Daß diese Formulierung als kleinster gemeinsamer Nenner der OECD-Bildungsminister gegenüber der Praxis noch derart fortgeschritten sein kann – selbst gegenüber einer Schule, die medial offenbar ganz weit
vorne liegt, will man spontan nicht für möglich halten.

Natürlich gibt es in diesem Blog auch keine Anzeige, ob und wo ein frischer Kommentar eingetroffen ist. Es gibt nur eine Anzeige für den Administrator: „ungelesener Beitrag“ – aber nicht fürs Publikum.

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