“Du kriegst nur den Auftrag, den du dir selbst verschaffst!” oder: “Als Beamte sind wir verpflichtet, unsere Vorgesetzten zu beraten.” Das sind Weisheiten, die ich von meinem Kollegen in der Lehrerfortbildung, dem Projektdidaktiker Wolfgang Steiner gelernt habe. Den Auftrag, für das Lehrerbildungsinstitut Pasi Sahlbergs spannendes Buch Finnish Lessons: What Can the World Learn from Educational Change in Finland? zu übersetzen, habe ich leider trotz Vorgesetzten-Beratung nicht erhalten.
Aber dafür durfte ich übersetzend zusammenfassen, was uns Andreas Schleicher in eben diesem Geist des Lernens von Anderen in seiner OECD-Publikation 2012 Preparing Teachers and Developing School Leaders for the 21st Century. Lessons from Around the World aufgeschrieben hat. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Schulentwicklung
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt? – Systemtheorie für Lehrer: Helmut Willkes Grundzüge einer Theorie der Intervention in komplexe Systeme
Mein Ausgangspunkt für die Propagierung des Buchs von Helmut Willke sind zwei häufig von Lehrern beklagte Probleme, die nach der Lektüre besser zu verstehen sind. Und ein adäquates Verständnis von Problemen ist, wie wir wissen, die Voraussetzung für einen angemessenen Umgang mit ihnen.
Das erste Problem ist durch folgende Stichworte gekennzeichnet: Immer mehr „Risikoschüler“; immer mehr Schulversagen; immer mehr Schulangst (bei Schülern wie bei Lehrern, bei letzteren Burnout genannt); immer mehr Schulschwänzer; immer drängender die warnenden Stimmen aus Wirtschaft und Bildungsforschung, dass die Schule nicht (mehr) fürs Leben bilde. Und dies alles trotz mittlerweile 4 Jahrzehnte fortlaufender Reformbemühungen. Und dann das noch obendrauf: Knast für die schulschwänzenden 14-Jährigen als Therapie des Problems. Und das bei gleichzeitigen Sparmaßnahmen und Kürzungen an verschiedenen Stellen des Bildungssystems. Irgendetwas läuft doch ganz offensichtlich dauerhaft und inzwischen schon generationenlang schief. Mancher möchte verzweifeln, weinen und laut schreien: „JA BEGREIFT IHR DENN GAR NICHTS?“ Weiterlesen
Nach der Party ist vor der Party
“Jeder Abschluss muss ein Anschluss sein”, weiß die Projektkompetenz.
Die Veranstaltung “Projektlernen im digitalen Zeitalter” am 15. Juni (Bericht hier) hat einen solchen Anschluss gefunden in einem Gruppenblog als Erfahrungs- und Materialsammlungsort sowie als Diskussionsforum:
Gerne pflege ich interessierte Autoren auf Anfrage (per Mail) ein. Nötig ist dazu nur ein WordPress-Account.
Projektlernen im digitalen Zeitalter – Auf dem Weg zur Lerngesellschaft
Projektlernen, PBL, John Deweys’ Methodology – dies sind Wiederentdeckungen in Zeiten des Web 2.0, seitdem klar ist, dass eine neue Art des Lernens außerhalb der formalen Bildung in den Institutionen von Schule, Hochschule und Weiterbildung immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Nicht mehr diskutiert werden muss auch, dass das reduktionistische Lernkonzept der Industriekultur, das ausschließlich systematisches „akademisches“ Buchlernen historisch prämiert hat, längst überholt und das Festhalten daran verantwortlich für das Scheitern der Bildungsinstitutionen auf allen Ebenen ist – gemessen an deren Funktion, die Kompetenzen/das Wissen individuell und gesellschaftlich zu bilden, die nötig sind, um die historischen Aufgaben der Menschheit des 21. Jahrhunderts bewältigen zu können. Weiterlesen
Kleiner Stoffkanon fürs 21. Jahrhundert?
Mit festgelegten Lern-Inhalten und Stofflisten ins 21. Jahrhundert? – Kaum zu glauben, aber daran wird noch geglaubt!
Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat gestern der Presse einen Sammelband vorgestellt mit dem Titel “Bildungskanon heute”. Heinz-Elmar Tenorth, Jürgen Oelkers und viele andere Bildungsakteure ersten Ranges treten dort für einen neuen Inhalte-Kanon in den Bildungsplänen ein, auf den man sich in Deutschland verständigen solle. Aber ist die nationale Zentralisierung von nur neu zu formulierenden Stoffplänen wirklich die zeitgemäße Antwort auf die Herausforderungen der Digitalen Ära für das Bildungssystem?
Ich meine: nein. Alte Kanons mit neuen Inhalten zu füllen und zu nationalisieren kommt zu spät. Was zu lernen ist für die Menschen in einer globalisierten digitalen Welt, lässt sich nicht mehr über Stoffe und Inhalte definieren.
Ich selbst erhielt dankenswerterweise auch einen Platz in diesem Sammelband – und gebe dort das schwarze Schaf in der weißen Herde. Schade, ich wäre auch gerne mal ein weißes Schaf, aber man kriegt nicht immer, was man sich wünscht.
Hier mein Beitrag: Weiterlesen
Collaboration is it!
Danke Theo Byland für dies und den Fingerzeig zu Tim Krumkühlers das , wo es am Ende dieses für mich gab:
Genau: Zusammenarbeit ist das Hauptmerkmal des Lernens im 21. Jahrhundert, und es wird auch das Hauptmerkmal des Lernens in Schule werden, wenn Schule (wieder) funktionieren soll. Und ohne Internet ist Zusammenarbeit wie Party im Schneckenhaus des Einsiedlerkrebses.
Lernen auf individuellen Königswegen
Jeder tut es, alle sprechen (neuerdings) davon, und jeder weiß, wie es geht. Aber im Unterschied zu gestern, als alle dabei noch an das gleiche dachten, weiß heute jeder anders, wie es geht. Und das ist gut so. Die Rede ist vom Lernen.
Konzepte vom Lernen und dazu passende oder auch unpassende Rezepturen (auch Szenarien) schießen wie Pilze aus dem Boden, neu entwickelt oder wiederentdeckt modernisiert.
Verschiedene gesellschafts-, human- und auch naturwissenschaftliche Domänen reklamieren für sich die Deutungshoheit oder versuchen wenigstens widerspruchsvoll zusammenzuarbeiten bei der Klärung der Frage, wie Lernen denn nun “wirklich” funktioniert. Offenbar funktioniert es nicht mehr genügend in der derzeitigen Praxis, denn sonst würde nicht so viel theoretisch und konzeptionell gefragt und erklärt und experimentiert. Weiterlesen
Lehrerbildung im Digitalen Zeitalter
Basti Hirsch hat mich kürzlich für playducation.org interviewt zum Thema “Teacher Education in the Digital Age” und mir anschließend seine amerikanische Stimme geliehen (vielen Dank!), und Kaoru Wang hat fantastische Fotos gemacht (vielen Dank!). Hier noch einmal das Interview auf Deutsch (und ohne die Bilder):
Lehrerbildung in der digitalen Welt
Deutschland bezeichnet sich stolz als Land der Dichter und Denker sowie als Hochtechnologienation, hat aber veraltete Schulen und Unterricht. Eine Studie der Initiative D21 bezeichnete Deutschland innerhalb der OECD als Schlusslicht bei der Computer-Nutzung im Unterricht (Welt 2010). Wie bekommen wir den Innovationsmotor im deutschen Bildungswesen in Gang? Aus Sicht von playDUcation nicht durch die Anschaffung weiterer Ausstattung, sondern durch einen Mentalitätswandel und verbesserte Lehrerbildung.
Ignorieren deutsche Schulen die Möglichkeiten des Lernens und Lehrens mit digitalen Technologien? Leiden Lehrer an einer verzettelten Bürokratie, die ihnen keine Chance zur Entwicklung eigener digitaler Kompetenz gibt? Diese Fragen stellten wir Lehrerbildungsexpertin und Bildungsbloggerin Lisa Rosa: Weiterlesen
Positionspapier der Schulleitungen der Hamburger Stadtteilschulen zur Integration/Inklusion von Schülern mit Behinderungen
“Die Schulleitungen der Hamburger Stadtteilschulen begrüßen die Entwicklung zu mehr schulischer Inklusion ausdrücklich.
Hamburg hat eine mehr als zwanzigjährige Tradition in der schulischen Integration von Schülern mit Behinderungen.
In integrativen Regelklassen an Grundschulen und Integrationsklassen an Grund- und Stadtteilschulen und ihren Vorläufern wird seit vielen Jahren eine erfolgreiche und bundesweit als vorbildlich anerkannte Integration in Hamburger Schulen realisiert. Weiterlesen
Aus Scheiße Gold machen: Die Eierwärmer-Strategie
Meine Wohngemeinschaftsgenossin M. aus Studientagen begründete die Praxis-Strategie des Eierwärmers. Das kam so:
M., eine kreative und lebenslustige Frau hatte in ihrer Volksschulzeit noch das von nicht allen geliebte Fach Handarbeit. Stricken stand auf dem Plan, und es musste auch gelernt werden, wie man eine ordentliche Spitze strickt - für Mützen, Strümpfe, Handschuhe und eben auch für Eierwärmer. Die meiste Strickarbeit musste man zu Hause erledigen, denn in der Handarbeitsstunde wurden nur neue Techniken er- und Probleme geklärt. Während andere fleißig an ihren Mützen und Handschuhen strickten, hatte die spätere Wohngemeinschaftsgenossin M. allerdings überhaupt keine Lust, ihre kostbare Nachmittagsfreizeit mit Stricken zu verbringen. Und als der Tag der Kontrolle kam, Weiterlesen



